Baden
Ein bezaubernder Liebesliederreigen in der Stadtkirche

Solistinnen und Solisten aus der Region machten den Konzertabend von sinfonia.baden am Freitag zum Genuss.

Walter Labhart
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In der Badener Stadtkirche herrscht eine atmosphärische Vielfalt und Weite.

In der Badener Stadtkirche herrscht eine atmosphärische Vielfalt und Weite.

Sandra Ardizzone

Mit Musik aus dem engen Zeitraum von 1893 bis 1903 verströmte das Konzert der sinfonia.baden – vormals Orchestergesellschaft Baden – am Freitag in der Badener Stadtkirche unter dem Motto «Liebeserklärung» eine atmosphärische Vielfalt und Weite, die nicht grösser hätten sein können.

Nicht nur in Orchesterliedern von Gustav Mahler und Richard Strauss, sondern auch in instrumentalen Werken von Mahler und Fauré war das Thema Liebe in allen Schattierungen von Sehnsucht, Hoffnung, Glücksgefühl, Trauer und Erinnerung gegenwärtig.

Als zarte Einstimmung diente die verhalten beginnende Orchestersuite «Pelléas et Mélisande» op. 80 von Gabriel Fauré in der subtilen Instrumentation von dessen Schüler Charles Koechlin. Selbst in den beiden Fortissimo-Ausbrüchen des Préludes wahrte der von Felicitas Gadient engagiert geleitete und begeisterungsfähige Klangkörper die für Fauré typische klangliche Noblesse.

Mahler und Strauss

Wie Hugo Doppler im sehr informativen Programmkommentar schreibt, ist das Adagietto aus Mahlers 5. Sinfonie als eine Art orchestraler Liebeserklärung an die Gattin Alma Mahler zu verstehen. Den nur für Streichorchester mit Harfe gesetzten Liebesgesang gab die sinfonia.baden mit einem idealen Mass von anmutiger Innigkeit und leidenschaftlicher Intensität wieder.

Diese Qualitäten zeichneten auch die grosse Überraschung des Abends aus, die Sopranistin Katrin Lüthi. Hatte sie nach der Matura an der Kantonsschule Wettingen ihre Karriere als Mezzosopranistin begonnen, so wechselte sie inzwischen das Fach erfolgreich. Wie sie in den Rückert-Liedern «Ich bin der Welt abhandengekommen» und «Liebst du um Schönheit» von Mahler oder im beliebten Wiegenlied, im «Liebeshymnus und in weiteren Gesängen von Strauss emotionale Feinheiten höchst differenziert und mit diskretem Vibrato-Einsatz gestaltete, begeisterte das Publikum dermassen, dass es nach jedem Lied herzhaft applaudierte.

Lüthi verfügt über eine Stimme, die sogar in hohen Lagen ein Pianissimo mit warmem Espressivo zu erfüllen vermag. Darüber hinaus bezaubert sie in allen Registern ihres grossen Farbenreichtums wegen. Mit der Wahl dieser grossartigen Solistin hat die sinfonia.baden einmal mehr bewiesen, dass es sich lohnt, Solisten aus der Region zu engagieren, um mit ihnen so glänzende Konzertideen wie die «Liebeserklärung» genussreich umzusetzen.

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