Noch drei Wochen, bis Baden seinen neuen Stadtammann kürt — doch vor dem zweiten Wahlgang am 26. November ist bei den Kandidaten nichts von Anspannung zu spüren. Dies schien jedenfalls beim «Satirischen Wahlkampfpodium» von Bühnenpoetin Patti Basler am Mittwochabend der Fall zu sein. Mit dem Pianisten Philippe Kuhn und Slam-Poeten Etrit Hasler bestritt Basler in der «Stanzerei» ihre «Politsatire — Talkshow» und fühlte dabei Erich Obrist, Markus Schneider und Sandra Kohler während gut zwei Stunden auf eine humorvolle Art auf den Zahn.

Basler nahm schon bei der ersten Frage kein Blatt vor den Mund: «Welches Gebäude in Baden würdet ihr abreissen?» Bereits hier waren die Unterschiede der Kandidaten zu spüren. Während Sandra Kohler nichts abreissen würde, nannte Markus Schneider das Gebäude neben dem Royal, um mehr Platz für das Kulturlokal zu schaffen. Ausserdem wolle er am Brown-Boveri-Platz mehr Raum für Parkplätze und Büros haben. «Steht in der Bibel, ihr sollt Parkplätze errichten›?», entgegnete Basler. Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass sie den CVPler wegen der Kirche hochnehmen würde.

Doch auch Obrist und Kohler blieben nicht verschont: Während sich Kohler während des ganzen Abends Sprüche über ihr viel diskutiertes Inserat in der AZ anhören musste, schaffte sich Obrist mit der Aussage, die Schiefe Brücke für den Mättelisteg abzureissen, eine Angriffsfläche für Sticheleien. In einem Spiel konnten die drei Kandidaten dann ihre Kreativität beweisen: Philippe Kuhn würfelte fünf Symbole – eine Schere, ein Velo, einen Fussabdruck, ein Sparschwein und ein Schaukelpferd – anhand derer die Kandidaten je einen Konkurrenten anpreisen mussten.

Wieso den Konkurrenten wählen?

Mit Witz und Reimen versuchten sie in der Folge zu erklären, weshalb man ihrem Konkurrenten die Stimme geben sollte. So sagte Erich Obrist über Sandra Kohler: «Wenn die Schere in den Finanzen aufgeht und es dich nach hinten und vorne schlägt, dann nimm nicht das Velo, sondern mach es langsam und geh zu Fuss – dann wird es auch der Frau Kohler wohler.» Spontanität bewiesen die Kandidaten ausserdem bei den Fragen, die das Publikum ihnen stellte. «Frau Kohler, wissen Sie, wo das Badener Stadthaus ist oder müssen Sie da auch die Bevölkerung fragen?» Kohler versicherte daraufhin, dass sie den Weg sehr wohl kenne.

Für Lacher sorgte auch die Frage, «Herr Schneider, wieso wurden die gesprayten Plakate mit neuen und hässlicheren Versionen überklebt?» Darauf entgegnete der Kandidat, in Anlehnung an die Beschädigungen seiner Wahlplakate, dass die Plakate nicht mehr hässlich sein können, da er ja nicht mehr drauf zu sehen sei. Von Erich Obrist wollte die Bevölkerung wissen, was der Ausdruck «Time-out» mit ihm mache. Daraufhin sprach er die stark diskutierten Einwohnerratssitzungen letzte Woche an: «Bei der zweiten Sitzung hat es mehrere Time-outs gegeben, bis wir dann schliesslich nach zweienhalb Stunden beginnen konnten.» Es sei eine Zeit gewesen, die man abgesessen hätte und währenddessen man nicht viel hätte machen können. «Eine Zeit, in der man vielleicht auf den Parkplatz gehen kann?», fragte Patti Basler und nahm damit wieder Schneiders Antwort zur Abrissfrage auf.

Podium entstand kurzfristig

Dass das Trio «BaslerHaslerKuhn» gleich drei Stadtammannkandidaten auf seiner Bühne empfing, war ungewöhnlich für die Künstler. In ihrer Veranstaltungsreihe «Politsatire – Talkshow» prüft das Trio Politiker auf satirische Weise, normalerweise fühlen sie aber nur einer Person auf den Zahn. Das Podium mit den Kandidaten hätte sich ziemlich kurzfristig ergeben. «Wir hatten den Termin für eine Show schon lange festgelegt. Die Idee eines Stadtammannpodiums bei uns entstand erst, als das Datum des zweiten Wahlgangs klar war und dieses so nah auf unsere Show fiel», sagte Patti Basler nach der Veranstaltung. «Die drei Kandidaten sagten dann sofort zu.» Sie sehe andere Podiumsdiskussionen nicht als Konkurrenz an. «Unser Fokus liegt in erster Linie auf der Unterhaltung.»