Baden
Ein Blick ins Archiv zeigt, wie es zu diesem Stadtammann-Lohn kam

Von 125 000 Franken (1981) ging es über die Besoldungsrevisionen 1996 und 2012 bis auf 270 000 Franken. Der hohe Lohn hat aber auch andere Gründe.

Roman Huber
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Mehr Geld pro Lebensjahr, so kommt der Stadtammannlohn zustande.

Mehr Geld pro Lebensjahr, so kommt der Stadtammannlohn zustande.

Die Ammannlöhne haben in jüngster Zeit viel zu reden gegeben. Auslöser war eine Motion, mit der bürgerliche Einwohnerräte verlangen, dass man dem Stadtammann von Baden einen Lohndeckel von 220 000 Franken verpasst. Aus ihrer Sicht sind die gegenwärtig 270 000 Franken Jahresbesoldung eindeutig zu hoch.
Die Motionäre verweisen dabei auf Städte wie Zürich, Bern und Luzern, wo der Lohn des Stadtpräsidenten plafoniert oder reduziert wurde. Die Entstehung des Badener Ammannlohns geht in die Zeit der Vorgänger von Geri Müller zurück. Das zeigt ein interessanter Blick ins Archiv.

Im Jahr 1981 kam der damalige Stadtammann Victor Rickenbach auf eine jährliche Grundbesoldung von 109 405 Franken, mit zusätzlichem Teuerungsausgleich von 15 317 Franken ergab dies unter dem Strich 125 000 Franken. Würde man die Teuerung bis 2015 aufrechnen, so würde der heutige Stadtammann lediglich 201 105 Franken verdienen. Der Aufgabenumfang des Stadtammanns ist in den 35 Jahren bis vor kurzem gewachsen.
Die Geschäftsprüfungskommission beschloss im Jahr 1981 zudem, dass der Stadtammann pauschal 6000 Franken an Spesen pro Jahr erhält, da er zahlreiche Repräsentationspflichten wahrzunehmen habe. Die neue Verordnung über die Tätigkeit und die Besoldung des Gemeinderates wurde vom Einwohnerrat im Juni 1981 ohne Opposition genehmigt.
1985 löste Josef Bürge den neu gewählten Regierungsrat Victor Rickenbach als Stadtammann ab. Im Juni 1985 wurden die Ansätze für die Entschädigung des Stadtammanns und der Stadträte leicht nach oben angepasst. Josef Bürge, der damals bei der Motor Columbus eine Kaderposition innehatte und dann von 1985 bis 2005 Stadtammann war, sagt heute: «Ich kandidierte damals als Stadtammann, weil mich die Wirkungsperspektive faszinierte. Wären finanzielle Gründe vorrangig gewesen, hätte ich den Schritt nicht getan.»
Externe Qualifikation
Die Besoldungsdiskussionen im Einwohnerrat im Jahr 1989 galten in erster Linie den übrigen Mitgliedern des Stadtrats. Der Lohn des Stadtammanns erfuhr sogar eine leichte Reduktion, denn in seinen Lohn von 190 700 Franken (neu inkl. 13. Monatslohn) wurden 13 300 Franken für das Präsidium der Verwaltungskommission der Städtischen Werke und 8500 Franken für die Führung der Ortsbürgergemeinde gepackt. Einnahmen aus Tätigkeiten in der Privatwirtschaft (die der Stadtrat bewilligte) flossen in die Stadtkasse.
In die Jahre 1989 bis 1993 fielen in Baden die Anfänge der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung (WOV). Ziel war unter anderem, gutes Personal zu rekrutieren. Mit einem Leistungslohn, der sich mit der Privatwirtschaft messen liess, wollte die Stadt in erster Linie gute Kaderleute anbinden. Die Stadträte erhielten mehr Führungsaufgaben und wurden darum ebenfalls besser entlöhnt. Auch der Lohn des Stadtammanns sollte neu nach der Leistung festgelegt werden, während in vergleichbar grossen Gemeinden wie Wettingen und Aarau der Lohn mit dem Dienstalter anstieg.
Für die Bemessung der Leistung des Stadtammanns war ein externes Büro zuständig, das hierfür ein unabhängiges Gremium einsetzte. Das Büro gab jedoch nach wenigen Jahren das Mandat zurück.
Josef Bürge hat heute noch eine klare Meinung zum Lohn: «Die Überprüfung eines Ammannlohns ist dann angesagt, wenn sich die finanziellen Verhältnisse einer Gemeinde verändert haben. Ich erachte es als richtig, wenn für die Festlegung des Ammannlohns, bemessen an den Führungsaufgaben, die Privatwirtschaft zum Vergleich herangezogen wird.» Lohndiskussionen müssten jedoch immer sachlich geführt werden.
1996: Lohn nach Lebensalter
Mit der Revision des Besoldungsreglements im Jahre 1996 baute die Stadt eine alters- und erfahrungsabhängige Komponente ein (siehe Grafik), mit welcher der Ammann jährlich ein halbes Prozent der Vorjahreslohnsumme mehr verdient, und zwar bis zum 60. Altersjahr. Die automatische Anpassung an die Teuerung fiel dafür weg. Stadtammann und Stadträte können aber wie das städtische Personal von einer generellen Lohnerhöhung profitieren. Geregelt wurden ausserdem Einkünfte aus weiteren Tätigkeiten des Ammanns. Was 20 000 Franken übersteigt, wandert in die Stadtkasse.
In der Diskussion im Einwohnerrat gab es nur vereinzelt kritische Stimmen von links zu den Nebenverdiensten. Der Jahreslohn von 240 000 Franken für einen 50-jährigen Stadtammann sei im Vergleich mit andern Städten zwar gut dotiert, gemessen an der Wichtigkeit des Amtes aber gerechtfertigt.
Im Oktober 2012 wurden die Entschädigungen der Stadtratsmitglieder letztmals nach oben angepasst. Beim Stadtammann entspricht die Lohnerhöhung dem Ausgleich der Teuerung seit 1996.