Baden
Ein ernsthaftes «Ja und Nein» zum wichtigsten Fest im Jahr

Kolumnistin Simona Hofmann wägt ab: Gerade in unserer beschleunigten Zeit werden gemeinsame Tage des Innehaltens dringend benötigt. Weihnachten schenkt uns diesen lebensnotwendigen Luxus.

Simona Hofmann
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Fondue Chinoise schlemmen - ein kräftiges «Ja» zu Weihnachten!

Fondue Chinoise schlemmen - ein kräftiges «Ja» zu Weihnachten!

Keystone

Ja:
Mindestens zweimal über den Weihnachtsmarkt schlendern

Nein:
Die Nase gestrichen voll haben von olfaktorischen Belästigungen wie Glühwein-Schwaden und Käsefondue-Dünsten

Ja:
Das Zuhause mit Stil dekorieren

Nein:
Die ganze Bude mit Weihnachts-Kitsch überladen

Ja:
Handgemachte Zimtsterne knabbern

Nein:
Beim Notfallzahnarzt die ausgebissene Plombe ersetzen

Ja:
Den Garten illuminieren

Nein:
Mit Laserlicht-Garten-Deko-Installationen die Nachbarschaft nerven

bt-Kolumnistin Simona Hofmann

bt-Kolumnistin Simona Hofmann

AZ

Ja:
Endlich wieder mal die ganze Familie treffen

Nein:
Nach einer knappen Stunde liegen sich alle in den Haaren

Ja:
Die Christbaumkerzen anzünden

Nein:
Den Baumbrand mit Löschdecke ersticken

Ja:
Fondue chinoise mit 16 köstlichen Saucen schlemmen

Nein:
Fondue-chinoise-Saucen-Bouillon-Fleischsaft-Sauereien auf allen Tellern

Ja:
Viel Alkohol geniessen

Nein:
Viel Alka-Seltzer einnehmen

Ja:
Inbrünstig gefühlvolle Weihnachtsklassiker singen

Nein:
Ohrenkrebs kriegen beim Weihnachtsliedersingen und Zuhören- Müssen

Ja:
Überraschende und einfallsreiche Geschenke kriegen

Nein:
Selbstgestrickte Woll-Socken und das legendäre Calida-Pyjama auspacken

Ja:
Die Mitternachtsmesse besuchen

Nein:
Als fauler Christ mit der Schwiegermutter die Mitternachtsmesse ertragen

Ja:
Aufs Sofa gekuschelt alte «Sissi»-Filme gucken

Nein:
Nur uralte «Sissi»-Filme auf allen Kanälen

Ja:
Romantische Nachmittags-Spaziergänge im Neuschnee

Nein:
Erzwungenermassen durch Matsch und Dreck wandern

Ja:
Liebe Freunde einladen

Nein:
Von vielen nicht so lieben Freunden eingeladen werden

Ja:
Bis Mittag im Bett lesen

Nein:
Nach 12 Stunden im Bett unsägliche Rückenschmerzen haben

Ja:
Für einen guten Zweck spenden

Nein:
Tonnenweise Spendenbrief-Altpapier entsorgen

Ja:
Die Silber-Besteck-Erbstücke und die Porzellan-Teller mit Goldrand auftischen

Nein:
Stundenlang antiquiertes, nie gebrauchtes Silberbesteck polieren, von Hand abwaschen und wieder im Keller versorgen

Ja:
Dreimal täglich Gourmet-Genüssen frönen

Nein:
Die angefressenen Pfunde mit viel Schweiss wegtrainieren

Trotz allen bekannten und erlebten Nein-Situationen plädiere ich ganz klar für das Ja, weil ich es liebe, mit meiner Familie im Kerzenlicht tiefe Gespräche zu führen und über Banalitäten zu lachen, mit Freunden bis zur Morgendämmerung zu feiern und mit der Melodie von «O du fröhliche» durch die Badstrasse zu flanieren, um die schönste Weihnachtsbeleuchtung der Schweiz zu geniessen. Lasst uns zusammen sein! Zum Menschsein gehört das Feiern. Feste verbinden Vergangenheit und Gegenwart, sind gelebte Traditionen und bringen Familie und Freunde zueinander. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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