Das, was bei jeder Frau für einen kurzen Schockmoment sorgt, ist nun auch mir im zarten Alter von 25 Jahren widerfahren. Vor genau drei Monaten hat es mich getroffen, und ja, mein Leben ist seither irgendwie anders. Keine Angst, ich spreche nicht von den Wechseljahren, sondern von der Entdeckung meines ersten grauen Haars. Da ich eigentlich nicht zu den eitelsten Menschen gehöre, hat mich dieses eine Haar anfangs gar nicht so gestört.

Doch von Tag zu Tag schien es schlimmer zu werden. Auf einmal waren sie überall. Sie hatten sich auf meinem Kopf vermehrt wie so ein ekliges Norovirus und in meiner Vorstellung würde ich in wenigen Wochen aussehen wie Dumbledore ohne Bart. Und auch der schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, nachdem ich mir die Familienfotos genauer angesehen hatte.
Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich dazu, erstmals im Leben meine Haare zu färben. Und wenn es irgendwo in der Schweiz nicht an Coiffeur-Salons mangelte, dann ziemlich sicher in Baden. Fast schon überfordert lief ich in der Stadt umher und verglich die Angebote miteinander. Nachdem ich mich für einen Salon entschieden hatte und auch gleich Platz nehmen durfte, machte mir die Friseurin ein Angebot. Wenn der Lehrling meine Haare färben und stylen dürfte, würde ich nur die Hälfte des Preises bezahlen. Der Lernende blickte mich mit seinen Hundeaugen flehend an, wahrscheinlich, weil dieses Angebot häufig abgelehnt wurde. Na gut, dachte ich mir, was soll denn schon schiefgehen?

Gemeinsam entschieden wir uns für einen hellen Braunton. Unter den Augen der Chefin mischte er die Farbe zusammen und trug sie mir auf. Nachdem er sie ausgewaschen hatte und meine Haare frisierte, durfte ich in den Spiegel schauen.

Bis heute kann ich die Farbe nicht so recht definieren, die ich damals auf meinem Kopf trug. Es hätte vieles sein können, aber ganz bestimmt nicht hellbraun. «Es tut mir leid, ich wollte es ihnen schon vorhin sagen, aber ich dachte, vielleicht gefällt es ihnen», stotterte der Lehrling. Nein, tat es nicht. Und ja, ich war sauer. Mein Kopf wurde rot und ich war kurz davor, ihn anzufauchen. «Haben Sie denn noch nie einen Fehler in ihrer Ausbildung gemacht?» Natürlich hatte ich das. Wenn ich Glück habe, wurde noch niemand vergiftet – aber keine Angst, ich arbeite nicht mehr in der Apotheke. Als hätte er meine Gedanken gelesen, sagte er: «Eben». Dann kam das Beste überhaupt. Als Entschuldigung würde ich die nächsten drei Mal nichts bezahlen müssen.

Letzte Woche hatte ich den ersten meiner drei Gratistermine, und siehe da, er machts perfekt. Es ist halt noch kein Meister vom Himmel gefallen ...

Daniela Jeanneret ist 25 Jahre alt und arbeitet in einer Werbeagentur. Sie ist in Spreitenbach
aufgewachsen und lebt in Neuenhof.