Kirchdorf

Ein Familienbetrieb geht nach 101 Jahren in fremde Hände

Jetzt haben Trudi und Hans Keller mehr Zeit für ihren Koi-Teich.Chris Iseli

Jetzt haben Trudi und Hans Keller mehr Zeit für ihren Koi-Teich.Chris Iseli

Hans und Trudi Keller haben die Leitung der Keller Modell- und Formenbau AG und der Keller Sägerei AG schweren Herzens abgegeben. Es fühle sich ein bisschen an, als würden sie ein Kind zurücklassen, sagt Trudi Keller.

«Natürlich ist es nicht ganz einfach, sich aus der Firma zurückzuziehen. Ich bin hier aufgewachsen und habe das Geschäft mit aufgebaut», sagt Hans Keller. Seine Frau Trudi Keller ergänzt: «Es ist ein bisschen, als würden wir ein Kind zurücklassen.» Auf Ende 2012 wurde das Ehepaar pensioniert und verkaufte die Firmen Keller Sägerei AG und Keller Modell- und Formenbau AG, die unter anderem Modelle für den Guss von Maschinenteilen produziert. Die Firmen waren drei Generationen lang im Familienbesitz.

Hans Keller übergibt die Firmen Keller Modell- und Formenbau AG und Keller Sägerei AG nach 101 Jahren im Familienbesitz an neue Geschäftsführer

Hans Keller übergibt die Firmen Keller Modell- und Formenbau AG und Keller Sägerei AG nach 101 Jahren im Familienbesitz an neue Geschäftsführer

Starke Frauen in der Familie 

Vor 101 Jahren gründete Hans Kellers Grossvater Friedrich Schneider-Kern die damalige Modellschreinerei. Hans Kellers Vater Ludwig Keller, ein gelernter Zimmermann, baute 1947 eine Sägerei an. Im Jahr 1963 starb Ludwig Keller an einem Herzinfarkt. Die Mutter Alexa Keller führte das Geschäft allein weiter. Hans Keller war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt. Als einziger Sohn der Familie habe er keine andere Wahl gehabt, als in die Firma einzusteigen. «Sonst hätte ich vielleicht etwas anderes gelernt.» Keller absolvierte eine Lehre als Modellschreiner, führte ab 1970 die Firmen gemeinsam mit seiner Mutter und dem Schwager und ab 1985 mit seiner Frau. «Für mich war von Anfang an klar, dass ich meinen Mann unterstützen will», sagt Trudi Keller, die sich um das Büro der Firmen kümmerte. Hans Keller hat viele Entwicklungen miterlebt. «Früher war alles Handarbeit, heute gibt es für vieles Maschinen. Dafür muss alles schneller gehen und soll dazu auch noch möglichst günstig sein.»

Hans und Trudi Keller haben zwei Töchter. Keine wollte die Firma übernehmen. «Wir wollten keines unserer Kinder zu etwas zwingen, das es nicht will», sagt Hans Keller. Deshalb verkaufte das Ehepaar schweren Herzens die Firmen. Die Keller Modell- und Formenbau AG wird unter gleichem Namen vom ehemaligen Mitarbeiter Kaspar Hürlimann weitergeführt. Die Keller Sägerei AG heisst neu Cargopack Turgi AG, Geschäftsführer ist der bisherige Sägereimeister Thomas Vogler. «Ich möchte mich bewusst aus der Firma zurückziehen und nicht immer wieder auftauchen und den Leuten reinreden. Es geht auch ohne uns weiter», sagt Hans Keller. Er ist froh, dass alle Mitarbeiter bleiben können. «Das war uns ein grosses Anliegen», sagt Trudi Keller. «Einige der Leute arbeiten seit 40 Jahren im Betrieb.»

Hans und Trudi Keller geniessen ihre Pension. «Durch die Firma waren wir immer sehr gebunden. Wir konnten nicht einfach so frei nehmen», sagt Hans Keller. «Umso mehr nutzen wir jetzt unsere Freiheit. Wir verbringen viel Zeit mit unseren Enkeln und möchten verreisen.»

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