«Die spinnen, die Römer», pflegen die Gallier in Asterix&Obelix über ihre südlichen Nachbarn zu sagen. Wenn dieser Tage Auswärtige nach Baden reisen, denken sie vermutlich: «Die spinnen, die Badener.» Was hier in Baden in den vergangenen knapp zwei Wochen im Vorfeld des Stadtfestes 2012 entstanden ist, sucht schlicht seinesgleichen. An allen Ecken der Stadt sind prächtige, teilweise mehrgeschossige Gebäude entstanden. Seit Tagen hämmern und zimmern geschätzte 5000 Vereinsmitglieder an ihren Festbeizen. Jeden Abend streifen bereits Hunderte von Schaulustigen durch die Stadt und erleben hautnah die eindrückliche Verwandlung von Baden in ein einziges zusammenhängendes Festgelände. Dabei beeindrucken nicht nur Grösse und Dimensionen der Gebäude, sondern vor allem – und gerade das macht den berühmten Badener Geist aus – die Kreativität, der Ideenreichtum und die Liebe für die Details, mit der die Macher am Werk sind. Das ist Badener Leidenschaft und Herzblut!

Auch wenn die positiven Stimmen in der Stadt überwiegen, so vernimmt man auch kritische Töne. «Für ein 10-tägiges Fest einen solchen Aufwand zu betreiben, ist doch einfach nur verrückt.» Tatsächlich kann man sich – aller Euphorie zum Trotz – fragen, wo denn die Grenzen eines solchen Festes sind. Dies umso mehr, als die Stadt «nur» ein Stadtfest und keine Badenfahrt feiert. Trotzdem kommen viele Festbeizen deutlich imposanter daher als noch vor fünf Jahren. De Facto zeigt gerade dieser Umstand, dass heute eigentlich eine Badenfahrt beginnt – daran ändert auch die wenig inspirierende Bezeichnung «Stadtfest 2012» etwas. Wieso nicht ehrlicherweise alle fünf Jahre eine Badenfahrt durchführen, statt die Anlässe unterschiedlich zu benennen?

Zurück zum Aufwand: Man könnte jetzt einwenden, es sei jedem Verein selber überlassen, welchen personellen und finanziellen Aufwand er betreiben will. So einfach ist es aber nicht. Das Stadtfest-OK ist nicht ganz unschuldig am gegenseitigen «Aufrüsten». Indem es etwa auf dem Theaterplatz ein imposantes Gebäude für knapp 250000 Franken erstellt, setzt es die Vereine unter Zugzwang. Was weiter auffällt: Während einige Beizenbetreiber tagelang mit viel Herzblut an ihren Beizen gearbeitet haben, lassen andere Vereine von Gerüstebauern in wenigen Stunden meterhohe Gebäude errichten, um diese am Ende noch etwas zu verzieren. Das mag der Stabilität zudienlich sein, versprüht aber nicht mehr viel Herzblut, für welches die Badener so bekannt sind. Und noch ein Punkt zum Thema Dimensionen: Gewisse Plätze wie etwa der Schlossbergplatz sind derart verbaut, dass unweigerlich die Frage aufkommt: Wie können sich die täglich geschätzten 100000 Festbesucher da noch durchzwängen? Im Hinblick auf die Badenfahrt 2017 darf man gespannt sein, ob und wie das OK dieser Entwicklung entgegenwirken will. Vielleicht muss es aber auch gar nicht Einfluss nehmen. Denn wie sagt Stadtfest-Co-Präsident Marc Périllard: «Ein solches Fest ist immer auch ein Zeitspiegel. Geht es der Region gut, dann manifestiert sich das auch im Aufwand, der für ein solches Fest betrieben wird.»

Freuen wir uns also, dass es Baden und der Region offensichtlich blendend geht. Freuen wir uns auf 10 Tage Ausnahmezustand und auf ein Stadtfest, das in der Schweiz seinesgleichen sucht. Die Voraussetzungen dazu könnten besser nicht sein. 70 Festbeizen und knapp 40 Restaurants laden zum Verweilen ein. Und auf der grossen Bühne im Graben, auf der Kleinen Bühne in der Stanzerei, auf dem Theaterplatz sowie in vielen Festbeizen locken so manche kulturelle Darbietungen.

Auch wenn wir keine Badenfahrt feiern: Die Bilder und Berichte dieses Festes werden den berühmten Badener Geist weit über die Region hinaustragen. In diesem Sinne dürfen wir selbstbewusst und voller Vorfreude festhalten: «Ja, wir Badener spinnen!»