Zum Einstieg liess Giovanni Bellucci die Zuschauer mit zwei von Franz Liszt für Klavier bearbeiteten Sequenzen aus Mozarts Requiem verstummen. Mit Mut zur Langsamkeit und differenzierter Dynamik machte der Pianist die Dramatik auf der einen und die tiefe Spiritualität der Musik auf der anderen Seite hör- und spürbar.

Die authentische Interpretation von Beethovens Sinfonien am Klavier war für Liszt eine besonders wichtige kompositorische Aufgabe. Die Entwicklung der technischen Möglichkeiten des Klaviers erlaubte es ihm, den Geist von Beethovens Komposition so adäquat wie möglich zu erfassen. Den unglaublichen pianistischen Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, stellte sich Giovanni Bellucci. Die Differenziertheit der einzelnen Stimmen und daneben eine Fülle an Klangfarben und dynamischen Abstimmungen machten sein Spiel zu einem Fest für die Sinne.

Eine weitere Perle aus Liszt umfangreichen Bearbeitungen erwartete die Zuhörer mit «Harold en italie» für Viola und Klavier. Dafür bekam Giovanni Bellucci auf der Bühne Gesellschaft vom französischen Bratschisten Gérard Caussé.

In Entsprechung zum literarischen Vorbild von Lord Byron beschreibt Berlioz musikalisch die Reise eines jungen Mannes, der aus Enttäuschung über sein Luxusleben Zerstreuung in fremden Ländern sucht. Er bringt die Melancholie und die Einsamkeit des Künstlers zum Ausdruck oder kokettiert mit der Rolle eines Briganten (Räubers) und umgibt sich so mit einer Aura des Verruchten.

Anders als in der ursprünglichen Fassung mit Orchester begegnen sich die beiden Instrumente in Liszt Version auf Augenhöhe. Die ganz eigene Inszenierung des französischen Bratschisten inklusive Schlussauftritt inmitten des Publikums sorgte neben der meisterlichen musikalischen Interpretation für einen weiteren Höhepunkt. Das Publikum dankte mit frenetischem Beifall und stehenden Ovationen und wurde seinerseits mit der zauberhaften «Romance oublié» von Liszt verabschiedet.