Untersiggenthal

Ein Fest wider alle Vorurteile – Untersiggenthal in Feierlaune

Die Kooperation zwischen dem Jugendfest und dem Fest der Kulturen fand einen breiten Anklang – und generierte eine Plattform für Fremdes. Muslime nutzten den Beginn des Fastenmonats Ramadan, ihre Rituale mit der Bevölkerung zu teilen.

Mehrere hundert Paar Augen zielen auf Leandra und Vivien. Die beiden Schülerinnen aus Untersiggenthal atmen tief durch und versuchen ihre Nervosität abzuschütteln. Dann vernehmen wir die ersten Töne des Michael Jackson Klassikers «We Are the World». Die beiden Mädchen starten, die Melodie mit ihren zarten Stimmen auszuschmücken. Sowohl die Schulkinder als auch die rund um den Sportplatz postierten Eltern summen mit.

Ein grosses Funkeln schlägt sich in den Augen der rund 800 Kinder nieder, als sie den auf das Jugendfest angepassten Refrain inbrünstig mitsingen. Ein Song, der Solidarität, Toleranz und friedvolles Zusammensein impliziert – einen besseren Start für die Untersiggenthaler Festaktivitäten scheint in diesem Moment undenkbar.

Nun ergreift Schulleiterin Silvia Mallien das Wort. Die Kinder wirken aufgeladen, die Vorfreude steigt. Und als Mallien an diesem Freitagmorgen den offiziellen Start der Festivitäten verkündet, eilen die Kinder zügellos in alle Richtungen. Das Treiben auf dem Sportplatz nimmt anarchische Züge an. Ein krasser Vergleich? Gewiss, aber er widerspiegelt diese einsetzende Eigendynamik perfekt.

So folgen auch wir dem Strom und begutachten die 37 Spielstände, jeder von einer anderen Schulklasse stammend. Als erstes observieren wir einen Kampf zwischen zwei Schülern im Sägemehl. Der Weiberhacken sitzt. Ein paar Schritte weiter lassen sich diverse Mädchen verwöhnen. Wie Prinzessinnen ergeben sie sich der minutiösen Maniküre. Unweit davon entfernt üben sich Jugendliche im Melken.

Kampf gegen Stereotype

Gleicher Schauplatz, rund neun Stunden später. Mittlerweile gesellte sich auch das Fest der Kulturen «BUntersiggenthal» zum Jugendfest. Die Spielstände ruhen. Dafür laufen die multikulturellen Verpflegungsstationen auf Hochtouren – und die Bewegungsfreiheit auf den Bänken schränkt sich weiter ein. Der Andrang ist gross. Kulinarisches aus Mauritius, Afghanistan oder Finnland wird angeboten. «Es findet eine ungezwungene Begegnung statt», beobachtet Wimi Wittwer, Leiter des «BUntersiggenthal». Zirka 80 Nationen sind innerhalb der 7000-Seelen-Gemeinde vertreten. Darum wollen einige sich vorstellen.

Da an diesem Abend für die Muslime der Fastenmonat Ramadan anbricht, räumt man den Moslems eine Plattform ein, um ihre Überzeugungen und Rituale mit den Mitbürgern zu teilen. Nicht alle erfreuen sich dieser Inszenierung, doch für die Organisatoren ist klar, dass dies für die Muslime eine wunderbare Möglichkeit sei, festgefahrene Vorurteile aus der Welt zu schaffen.

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