Baden
Ein-Frau-Stück «Riesenblödsinn»: Schauspielerin wird zum bayrischen Original

Die Badener Schauspielerin Elisabeth Seiler mimt im Stück «Riesenblödsinn» Karl Valentin. Durch Körperhaltung, Mimik und Gestik und den bayrischen Dialekt verwandelt sie sich sich gänzlich in den Komiker. Aufgeführt wird das Stück im Kulturcafé «C4T».

Rosmarie Mehlin
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Elisabeth Seiler verwandelt sich für «Riesenblödsinn» in Karl Valentin.

Elisabeth Seiler verwandelt sich für «Riesenblödsinn» in Karl Valentin.

Rosmarie Mehlin

Karl Valentin wollte, dass sein Nachname mit F ausgesprochen wird: «Es heisst ja auch Faddern und nicht Wadder.» In seiner Heimatstadt München ist ihm zu Ehren seit 1959 in einem der beiden Türme vom Isartor ein Museum gewidmet. Vor allem aber lebt sein Werk in Büchern, Kurzfilmen (Valentinanden), auf CDs und DVDs weiter.

Enorm breit ist das Spektrum von Valentins Sprachjonglagen, seinen surrealistischen Gedankengängen und dem mit Tragik durchmischten Humor. Ebenso legendär wie typisch für den Komiker, Autor und Volkssänger ist seine Selbsterkenntnis: «Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab’ ich mich nicht getraut.» Der berühmte deutsche Kritiker Alfred Kerr nannte Valentin einen «Wortzerklauberer», dessen Schaffen aus «Körperspass, geistigem Spass und glanzvoller Geistlosigkeit» bestehe. Trefflicher kann man die Kunst des kleinen Mannes mit dem zerknitterten Gesicht, der Melone über den etwas gross geratenen Ohren, dem schwarzen Anzug, dem Gilet und weissem Hemd nicht beschreiben.

Aus dem grossen Fundus an Szenen, Couplets, Mono- und Dialogen von Valentin, hat die Badener Schauspielerin Elisabeth Seiler zusammen mit Regisseur Bert De Raeymaecker einen «Riesenblödsinn» zusammengestellt. Ein abendfüllendes Programm ist es, dem genauso gut der Titel «Riesenspass» gerecht werden würde. Denn Valentins skurriler Sprachwitz und seine absurden, zugleich aber letztlich logischen Gedankengänge, sorgen genauso für packende Unterhaltung wie Seilers Interpretation. Mit verblüffender Treffsicherheit verwandelt sie sich durch Körperhaltung, Mimik, Gestik und mit bayrischem Idiom in Valentin: Das ist wahrlich eine grossartige Leistung der Badener Schauspielerin.

Die Dichte von Darstellung und Dialogen raubt dem Publikum mitunter beinahe den Atem. Immer wieder weicht herzhaftes Lachen leiser Beklemmung. Immer wieder überraschen Valentins Figuren wie der Buchhalter Wanninger das Publikum. Witzige sowie nachdenkliche Passagen über die Hölle und das ewige Leben im Jenseits verlangen vom Theaterbesucher höchste Konzentration beim Zuschauen. Dies geschiehtjedoch, dank dem Duo Seiler/De Raeymaecker, in einer Art und Weise, die den «Riesenblödsinn» zu einem noch lange nachklingenden Erlebnis macht.

Weitere Vorstellungen von «Riesenblödsinn» im Kulturcafé C4T, Kronengasse 4, Baden; 16./17. Mai sowie vom 28. bis 31. Mai; Beginn jeweils 20.00 Uhr.

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