Künstler
Ein Grandseigneur mit Stil – zum Gedenken an Badener Original Attila Herendi (†84)

Zum Gedenken an Attila Herendi. Der Badener Künstler ist letzte Woche im Alter von 84 Jahren verstorben.

Max Dohner
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Hut und Foulard waren Attila Herendis Markenzeichen.

Hut und Foulard waren Attila Herendis Markenzeichen.

Archiv/Alex Spichale (16.01.2015

Freund – von Anfang an. Das war sein Grund und Wesen: Attila Herendi kannte den Neuen noch gar nicht. Aber irgendwas war bereits gut am Neuen. Was an ihm gut sein sollte, wusste Attila da natürlich noch nicht genau, am ersten Tag. Aber er setzte Qualität von Anfang an voraus. Menschliche Qualität vorab. Dann fand er Menschen – schon am ersten Tag – «faszinierend» oder «wunderschön».

Menschen, die fasziniert sind von anderen, oft geradezu freudig und von Anfang an, sind natürlich selten. Gerade in einem Land, das Realismus und Pragmatismus für Grundtugenden hält. Und deshalb war das bei Attila Herendi nie, wirklich nie nur ein Anfang gewesen «unter der gebotenen Vorsicht»: Freundschaft bei ihm begann sofort – ohne je an ein Ende zu gelangen. Natürlich lag darin auch Überschwang, Enthusiasmus. Aber gibt es Freude am Tun und Lassen anderer Menschen wirklich auch nüchtern, so sec wie in der realistischen Welt?

Umso trauriger sind wir jetzt, da Attila gestorben ist. Aber wussten wir es nicht, besonders in den letzten Jahren? Vor allem im Gespräch mit Attila selbst: Wir wussten, dass jedes Leben an sein Ende gelangt. Und Attila vergewisserte das Gegenüber im Gespräch, dass es beim Leben bleibt. Er war, was man einen «Lebemann» nennt: Er wusste, wo ein gebratenes Stück Fleisch besonders gut schmeckte, welchen Wein man dazu trank. Aber er pochte nicht spiessig auf exquisiten Geschmack, um dann unfehlbar tödlich am Glück vorbeizusegeln – voller Genuss, tadellos, und dann bleibt nichts übrig, um zu leben.

Hauptsache bei Attila war etwas Anderes: die Atmosphäre, der Rahmen, das Vergnügen am Ganzen. Nennen wir es Stil – Attila nannte es «Aroma». Auf Stil achtete Attila tiefer, als manche glaubten. Ab einem gewissen Alter, sagte er einmal, habe er beschlossen, anderen den Anblick unbekleideter Partien seines Körpers nicht mehr zuzumuten. Trotzdem fand er gerade ältere Menschen oft «wunderschön». Weil aus manchen von ihnen Geist und Lebendigkeit sprühten, und der leibliche Kontrast wahrscheinlich so wunderbar klar des Lebens wahre Kraft offenlegte.

Natürlich begegnete man Attila Herendi in Baden, Wettingen und Umgebung auch ohne seine markante Gestalt. In seinen Werken, sei es Architektur, Graffito, Malerei. Seltsam präsenter aber blieb vor dem Geist, auch da, wo er gerade nicht entlang des Weges kam, Attilas hochgewachsene Figur im Promenadenmantel, mit diesen Foulards, dem unzeitgemäss eleganten Hut – zusammen eine Mischung aus Kurort-Oper, Kaffeehaus-­Bohème, federleicht ergänzt mit einem Air transsilvanischen Pierrots. Extrovertiert gewiss, aber nie narzisstisch. Dandyhaft der grossen Linie nach, niemals aber geckenhaft oder gar komisch und grotesk.

«Stadtoriginal» – eigentlich liebevoll ihm zugeeignet, ist im Grunde eine Verniedlichung seiner Person, eine Kränkung – «Aufhübschung» hätte es Attila genannt, eine seiner verächtlichsten Qualifikationen. Noch schlimmer ist da nur noch die Bezeichnung «Paradiesvogel». Du meine Güte! Attilas Selbstbestimmung «realistischer Sozialist» durfte man doch nicht als blosse Koketterie verstehen, selbst dann nicht, wenn Attila selbst kokett zu diesem Missverständnis einlud. Furchtbar ernst nahm er nie etwas, ganz zuletzt eine Kunsttheorie oder politische Ideologie. Aber das bedeutete keineswegs, dass ihm alles ein Spiel gewesen wäre.

Eindrücklich war eben hinter oder um seine Gestalt Attilas Aura, sich die Dinge gut anzusehen und sich dazu ziemlich gründlich auch etwas zu überlegen. Jeder Art von Kunst, auch unterschiedlichsten Niveaus, widmete er seinen Zuspruch und Ernst. Attila im Gespräch war ein unerschöpflicher Quell an Einfällen, flüchtigem oder sattem Spott, plötzlichem Tiefgang wie Senkblei, was er mit Grazie sofort auch wieder auffangen und zum Ornament, zum Bonmot verwandeln konnte. Atilla war der Grandseigneur des gehobenen Stadtgesprächs, nicht sein Gegenstand (nicht nur), aber vermutlich sein Hauptrepräsentant. Ein Stadtzeuge in verlässlich durch die Jahrzehnte wandelnder Gestalt.

Baden bildet sich auf den örtlichen «Geist» einiges ein. Soll das nicht bloss eine Schimäre sein und bleiben, ein lokalfolkloristischer Mythos, müsste sich dieser Geist häufiger zeigen, sich verkörpern oder verkörpern lassen. Ihn ritualhaft zu beschwören, reicht nirgends hin. Ruft irgendjemand um Mitternacht durch die totenstille Wakker­stadt: «Bademer Geist, wo bist du? Zeige dich!» – nur vereinzelt träte hier und dort jemand aus dem Schatten. Aber einer wäre gewiss da: Attila Herendi, der «Wirtschaftsflüchtling», der gar nicht bleiben wollte, aber blieb. Jetzt, wo er nicht mehr unter uns geht, uns nicht mehr mit grosser Geste auf der Gasse umarmt, zur Verblüffung aller Provinzler, jetzt müssen wir Attila gleichwohl nicht rufen im Dunkel. Realisten sehen es nicht, Lebensenthusiasten aber jederzeit: Da, nein hier! Attila ist da.

Prominente Todesfälle 2020:

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.
62 Bilder
29. Dezember: Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin stirbt im Alter von 98 Jahren in Frankreich.
16. Dezember: Alt Bundesrat Flavio Cotti stirbt im Alter von 81 Jahren. Als CVP-Mitglied gehörte er dem Bundesrat von 1987 bis 1999 an.
12. Dezember: John Le Carré, der durch seine Spionageromane weltbekannte Schriftsteller, stirbt im Alter von 89 Jahren an einer Lungenentzündung.
11. Dezember: Der Schweizer Bildhauer Erwin Rehmann stirbt im Alter von 99 Jahren in Laufenburg.
3. Dezember: Die deutsche Schauspielerin Jutta Lampe stirbt im Alter von 82 Jahren in Berlin.
2. Dezember: Valéry Giscard d’Estaing, französischer Politiker und ehemaliger Staatspräsident stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion.
28. November: Der britische Schauspieler und« Darth-Vader»-Darsteller David Prowse stirbt im Alter von 85 Jahren nach kurzer Krankheit.
25. November: Fussballgott Diego Maradona erliegt im Alter von 60 Jahren einem Herzinfarkt.
23. November: Karl Dall, deutscher Fernsehmoderator, Sänger und Komiker stirbt im Alter von 79 Jahren in Lüneburg an den Folgen eines Schlaganfalls.
20. November: Der deutsche Star-Friseur Udo Walz stirbt im Alter von 76 Jahren an den Folgen eines Diabetes Schocks.
31. Oktober: Bond-Legende Sean Connery stirbt im Alter von 90 Jahren auf den Bahamas.
25. Oktober: Der deutsche Bundestags-Vizepräsident Thomas Oppermann bricht kurz vor einem Interview zusammen und stirbt dann später mit nur 66 Jahren im Krankenhaus.
19. Oktober 2020: Spencer Davis (links), der britische Rockmusiker und Mitbegründer der Band «Spencer Davis Group» stirbt im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes.
12. Oktober: Die US-amerikanische «Two and a Half Men»-Darstellerin Conchata Ferrell stirbt im Alter von 77 Jahren.
6. Oktober 2020: Der niederländisch US-amerikanische Rockmusiker Edward Van Halen stirbt mit 65 Jahren an Kehlkopfkrebs. Das Ausnahmetalent auf der E-Gitarre war Mitbegründer der Rockband "Van Halen".
6. Oktober: Der US-Musiker Johnny Nash, (Hit: «I Can See Clearly Now»), stirbt im Alter von 80 Jahren.
6. Oktober: Der deutsche Journalist, Kabarettist und Entertainer Herbert Feuerstein stirbt im Alter von 83 Jahren. Feuerstein war 20 Jahre lang Chef des Satire-Magazins «MAD».
27. September: Der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement stirbt im Alter von 80 Jahren an Lungenkrebs.
23. September: Die französische Chansonsängerin und Ikone Juliette Greco stirbt im Alter von 93 Jahren.
21. September: Der französische Schauspieler Michael Lonsdale stirbt im Alter von 89 Jahren.
28. August: Uli Stein, einer der bekanntesten Cartoonisten Deutschlands, stirbt im Alter von 73 Jahren.
15. August: Robert Trump (links), der Bruder von Donald Trump, stirbt im Alter von 71 Jahren.
11. August: Der US-amerikanische Popsänger Trini López stirbt im Alter von 83 Jahren an der Folgen einer Covid-19-Erkrankung.
25. Juli: Die amerikanische Filmlegende Olivia de Havilland stirbt im Alter von 104 Jahren in Frankreich.
25. Juli: Gitarrengott Peter Green stirbt ist im Alter von 73 Jahren. Er war Mitbegründer der legendären Band «Fleetwood Mac».
13. Juli: Der US-amerikanische Schauspieler und Modellbauer Grant Imahara stirbt im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Aneurysmas.
13. Juli: Benjamin Keough, Enkel des «King of Rock'n' Roll» Elvis Presley nimmt sich mit 27 Jahren das Leben.
6. Juli: Film-Komponist Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod") stirbt 91-jährig.
19. Juni: Der britische Schauspieler, der vor allem als Bilbo Beutlin in «Herr der Ringe» bekannt wurde, stirbt im Alter von 88 Jahren.
12. Juni: Nationalrat Albert Vitali (FDP/LU) erliegt kurz vor seinem 65. Geburtstag einem Krebsleiden.
31. Mai: Der Künstler Christo, der vor 25 Jahren auch das Reichstagsgebäude in Berlin verhüllte, ist tot. Er starb in New York im Alter von 84 Jahren.
26. Mai: Der ehemalige Berner SVP-National- und Regierungsrat Bernhard Müller stirbt 89-jährig.
24. Mai: Die amerikanische Schlagzeug-Legende Jimmy Cobb stirbt in New York.
19. Mai: Bauunternehmer Walter Beller stirbt zuhause mit 71 Jahren. Bild: Mit Ehefrau Irina Beller.
12. Mai: Die deutsche Fotografin und Künstlerin Astrid Kirchherr fotografierte die Beatles – und wurde mit ihnen berühmt: Sie stirbt im Alter 81 Jahren.
12. Mai: Die französische Schauspiel-Legende Michel Piccoli stirbt im Alter von 94 Jahren.
9. Mai: Der US-Amerikaner Little Richard, der Pionier des Rock'n Roll, stirbt mit 87 Jahren.
8. Mai: Roy Horn (links), ein deutsch-US-amerikanischer Zauberkünstler, stirbt im Alter von 75 Jahren in Las Vegas an einer Corona-Infektion.
25. April: Der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist stirbt mit 85 Jahren.
23. April: Der ehemaliger deutsche Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm stirbt im Alter von 84 Jahren.
14. April: Der renommierte Berner Gegenwartskünstler Markus Raetz stirbt mit fast 79 Jahren. Der Maler, Zeichner und Objektkünstler hat in seinem umfangreichen Werk immer wieder die gewohnte Wahrnehmung unterlaufen.
12. April: Formel 1-Legende Stirling Moss stirbt im Alter von 90 Jahren in London.
1. April: Der amerikanische Musiker Adam Schlesinger (52) stirbt an den Folgen einer Corona-Infektion. Der Emmy- und Grammy-Preisträger wurde 52 Jahre alt.
1. April: Der amerikanische Jazz-Pianist Ellis Marsalis aus New Orleans stirbt an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.
30. März: Die US-amerikanische Soul-Legende Bill Withers («Ain't No Sunshine»), stirbt im Alter von 81 Jahren in Kalifornien.
25. März: US-Schauspieler Mark Blum (hier mit Schauspielerin Sharon Lawrence) stirbt mit 69 Jahren an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Blum wurde mit Filmen wie "Desperately Seeking Susan" und "Crocodile Dundee" bekannt.
24. März: Der Asterix-Zeichner Albert Uderzo stirbt mit 92 Jahren an einem Herzinfarkt.
20. März: Kenny Rogers stirbt mit 81 Jahren. Der Country- und Popmusiker schuf Hits wie «Island In The Stream» und «Lucille».
8. März: Der schwedische Schauspieler Max von Sydow stirbt mit 90 Jahren in Paris. Er wurde in den 1950er Jahren durch seine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Regisseur Ingmar Bergman bekannt, später war er auch in Blockbustern wie «Star Wars» zu sehen.
6. März: Der Us-Amerikaner McCoy Tyner, einer der einflussreichsten und bedeutendsten Pianisten des Jazz, stirbt im Alter von 81 Jahren.
25. Februar: Ägyptens Langzeitmachthaber Husni Mubarak stirbt im Alter von 91 Jahren. Mubarak stand fast 30 Jahre an der Spitze des bevölkerungsreichsten Landes der arabischen Welt.
17. Februar: Die Tastenkombination «Copy and Paste» spart Zeit und sorgt für Ärger. Nun ist ihr Erfinder Larry Tesler 74-jährig gestorben.
15. Februar: Die britische Fernsehmoderatorin Caroline Flack wird tot in ihrer Wohnung gefunden. Die 40-Jährige soll Suizid begangen haben. Sie hätte sich Anfang März 2020 vor Gericht verantworten sollen, weil sie im Dezember 2019 ihren Freund Lewis Burton attackiert hatte.
5. Februar: Die Hollywood-Legende Kirk Douglas stirbt im Alter von 103 Jahren.
1. Februar: Die Zürcher Radiolegende Elisabeth Schnell - hier 2005 im Berner Oberland - stirbt im Alter von 90 Jahren an den Folgen einer Erkrankung.
31. Januar: Eine der bekanntesten Schriftstellerinnen der Welt, die US-Amerikanerin Mary Higgins Clark, stirbt im Alter von 92 Jahren.
26. Januar: Der ehemalige Basketball-Superstar Kobe Bryant verunglückt bei einem Helikopterabsturz in Kalifornien und stirbt mit nur 41 Jahren.
21. Januar: Terry Jones, Mitglied der berühmten Komikergruppe Monty Python, stirbt im Alter von 77 Jahren in England. Jones litt während der letzten Jahre an starker Demenz und war in der Öffentlichkeit nur noch selten zu sehen.
20. Januar: Der deutsche Schauspieler Joseph Hannesschläger, hier mit seiner Ehefrau, verliert den Kampf gegen den Krebs im Alter von 57 Jahren. Seit 2002 war Hannesschläger als Kommissar in der ZDF-Kultserie "Die Rosenheim-Cops" zu sehen.
5. Januar: John Baldessari, amerikanische Künstler, wird 88 Jahre alt.
1. Januar: Martin Bundi, der frühere Bündner SP-Nationalrat setzte sich für die Natur und die rätoromanische Sprache ein. Er stirbt im Alter von 87 Jahren.

29. Dezember: Der Schweizer Architekt Luigi Snozzi stirbt im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion. Er zählte zu den Erneuerern der Tessiner Architektur.

Foto: Keystone