Wettingen
Ein harmonisches Duell zweier Chöre in der Klosterkirche Wettingen

Die Stimmen der beiden regionalen Chöre füllten jeden Winkel der Klosterkirche aus. Mit leidenschaftlicher Energie dirigierten Daniel Pérez und Martin Hobi ihre Chöre.

Tirza Gautschi
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Ein harmonisches Duell zweier Chöre in der Klosterkirche Wettingen

AZ

«Meine Grundidee war es, die Akustik der Kirche möglichst umfänglich auszunutzen», erklärt Daniel Pérez. Die leidenschaftliche Energie, die der 24-jährige Dirigent während des Konzerts an den Tag gelegt hatte, ist einige Minuten nach dem Auftritt noch nicht abgeklungen.

So scheint der Puls immer noch zu rasen, während das Lachen auf seinem Gesicht absolute Zufriedenheit ausstrahlt. Zwei Chöre, zwei Dirigenten und zwei Organisten – mit diesem Konzept wollten Pérez und Martin Hobi die Klosterkirche Maris stella zum Klingen bringen.

Während Hobi mit dem «Badener Vokalensemble» einen erfahrenen, altbekannten Chor an der Hand führt, überzeugt das «Vocalino Wettingen» des Spreitenbachers Pérez mit jungem Elan. «Wir sind keine Konkurrenten, im Gegenteil – wir spornen uns gegenseitig zu Höchstleistungen an», sagt Pérez über diese Zusammenarbeit.

Diese Höchstleistung bekam das Publikum von allen Seiten zu hören. Von links, rechts und vorne erschallte Domenico Gabriellis «Plaudite» während Hobi im Mittelgang mit Ruhe und Präzision dirigierte. Nicht nur die gewählten Werke führten zu Sprüngen in der zeitlichen Dimension, die Sängerinnen und Sänger legten auch räumliche Distanzen zurück.

So stand einmal das «Vocalino Wettingen» zwischen den geöffneten Toren des Kirchenvorraums, zuweilen ihr Gegenpart am anderen Ende des Raumes sang. Ein ganz besonderer Moment bot Benjamin Brittens «Hymn to the Virgin». Während Pérez’ Chor vor dem Publikum singt, erschallt ungesehen aus dem hinteren Teil des Kirchenschiffs, die sanfte Antwort des «Badener Vokalensemble».

Trotz der häufigen Wechsel von Position und Dirigent kam in keinem Moment ein chaotischer Eindruck auf. Der Balanceakt zwischen Gegeneinander und Miteinander, Wort und Klang, Barock und Romantik ist gelungen.

Während für Pérez der Auftritt im Rahmen der Wettinger Sommerkonzerte auch gleichzeitig sein letztes Projekt mit dem «Vocalino Wettingen» war, wurden an der Orgel hoch oben auf der Empore neue Werke geboren.

Der Organist Stefan Müller hat eigens für dieses Konzert drei Stücke geschrieben, die am Freitag ihre Uraufführung erlebten. Der Komponist räumte die konservative Vorstellung des Orgelspiels beiseite und schuf Platz für neue Horizonte. «Ich hoffe, dass die Leute diese speziellen Intervalle als neues Erlebnis wahrnehmen», sagt Müller. «Die Orgel hat heutzutage ja schon beinahe wieder etwas Exotisches.»

Neben Müller begleitete auch der angesehene, österreichische Organist Johann Sonnleitner die Chöre. Und während Pérez und die Sänger zum Schluss noch eine emotionale Zugabe zum Besten gaben, liessen es sich die beiden Organisten nicht nehmen, zusammen in den Gestühlen der Kirche die letzten Klänge zu geniessen – vereint in harmonischer Gegensätzlichkeit.

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