Freienwil

Ein Hauch von Edith Piaf im Weissen Wind

Milena bringt mit ihren Chansons französisches «savoir vivre» in den Weissen Wind.

„Verfüer mich doch emol“ haucht Milena mit rauchiger Stimme und feuerrot geschminkten Lippen ins Mikrofon. Rot sind auch ihr Haare und das Kleid, welches ihren gertenschlanken Körper umhüllt. Auf ihrem Haupt thront neckisch schief ein kleiner Zylinder. Ihre Band bestehend aus Gitarrist Stefan Mens, Schlagzeuger David Hofmann (beides Aargauer) und Kontrabassist Christian Lienhard spielt einen langsamen Tango. Genau der richtige Klangteppich für die Chansonniere, um  ihrem Publikum zu verraten, wie sie vom männlichen Geschlecht gerne umgarnt wird. „Verbinde mir langsam d’Auge“ singt sie weiter, und es wird ganz heiss im Konzertsaal „Weisser Wind“ in Freienwil.

Chansons nouvelles nennt die Luzernerin ihre selbstgeschriebenen Lieder, die sie neben absoluten Klassikern von Edith Piaf, Joe Dassin und Juliette Gréco mitgebracht hat. 2017 sind sie auf ihrem ersten Album „Chocolat rouge“ erschienen. Natürlich dreht sich inhaltlich fast alles um die Liebe. Sehnsüchtig streckt die attraktive Bühnenkünstlerin die Arme aus, wenn sie „Mon amour“ interpretiert. Ihre dunklen Augen glänzen feucht. Sie beherrscht ihren Auftritt genauso perfekt, wie die Modulation ihrer Stimme. Dass sie fünf Jahre klassischen Operngesang in Mailand studierte, ist  hörbar. Manchmal fast zu sehr. Vor allem, wenn sie in die Sopranlage überwechselt. Auch das starke und ständige Vibrato auf den langen Tönen wirkt bisweilen etwas übertrieben.

Chansons zu komponieren und zu singen, ist nur ein Standbein von Milena Haller. Die 49-Jährige ist auch als Expertin für Auftritt und Präsenzkompetenz sowie Motivationsrednerin erfolgreich unterwegs. Sie ist zudem Autorin von zwei Büchern. In «Applaus» geht es um die gekonnte Performance; eine Disziplin, in der sie sich bei ihrem Auftritt in Freienwil als Meisterin erweist. «Think Pink» hat zum Thema, wie persönliche Visionen erkannt und in die Realität umgesetzt werden können. Ihre eigenen Träume hat Milena jedenfalls wahrgemacht. Seit 25 Jahren tourt sie als Chansonnière durch die Lande. «Wenn ich Chansons singe, entsteht Magie zwischen mir und dem Publikum», erzählt sie.

«My way» auf Schweizerdeutsch
Dieser Zauber ist spürbar, wenn sie Edith Piafs «La vie en rose» oder Joe Dassins «Le petit pain auch chocolat» erklingen lässt. Spätestens bei «Aux Champs Elysées» singt der ganze Saal mit. Das Publikum ist hingerissen. Einerseits von der Sängerin und ihrem Charme; andererseits von den Liedern selber. Ganz zum Schluss hat die Bühnenfrau für ihre Zuhörerinnen und Zuhörer eine Überraschung auf Lager: Sie singt «My way» auf Schweizerdeutsch. «Das isch mys Läbe» heisst ihre Version. Sie setzt damit einen stillen und berührenden Endpunkt. Ein kluger Schachzug von ihr. Das Original stammt übrigens nicht von Frank Sinatra, wie oft angenommen wird. Es wurde vom Franzosen Claude François geschrieben († 1978) und passt deshalb bestens in das Chansonprogramm von Milena.

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