Anti-Allergie-Haus
Ein Haus, das die Lebensqualität steigert

Weil Matthias Zeller Chemikalien, aber auch natürliche Gase nicht verträgt, baut er jetzt sein eigenes Spezialhaus in Wettingen.

Martin Rupf
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Matthias Zeller baut auf seinem Grundstück ein Haus. Nicht irgendein Haus. Ein Haus, das auf seine Bedürfnisse als MCS-Betroffener zugeschnitten ist. Zeller hofft, dass er das neue Heim noch dieses Jahr beziehen kann. Bis es so weit ist, lebt er gleich nebenan in seinem Elternhaus. Genauer in einem komplett abgedichteten Zimmer, in dem Luftfilter rund um die Uhr für keimfreie Luft sorgen.

Der 56-Jährige leidet an Multiple Chemical Sensitivity (MCS). In der Schweiz teilen offiziell 5000 Menschen sein Schicksal (siehe Interview). «Ich hab aber noch Glück, weil bei mir die Krankheit nicht sehr stark ausgeprägt ist», sagt Matthias Zeller.

Am schlimmsten sind Parfüms

Als Kind habe er die Hälfte der Schulzeit verpasst, weil er krank zu Hause bleiben musste, so Zeller. «Trotz den Einschränkungen habe ich eine Lehre als Radiomechaniker gemacht.» Heute arbeite er bis auf einen Tag von zu Hause aus. «Dadurch ist das Risiko geringer, dass ich mit problematischen Chemikalien in Kontakt komme», sagt Zeller.

Am schlimmsten seien Desinfektions- und Putzmittel, Imprägnierspray, Zigarettenrauch – und Parfüms. «Besonders empfindlich reagiere ich auf Parfüms mit Holzaromen, die zurzeit leider sehr in Mode sind», sagt Zeller schmunzelnd.

Wie äussert sich die Krankheit? «Die ersten drei Tage fühle ich mich jeweils absolut antriebslos und kann mich überhaupt nicht konzentrieren. Danach folge eine Phase mit Fieber und grippeähnlichen Symptomen. «Es ist nicht so, dass ich das Haus nicht mehr verlasse.» Er gehe zum Beispiel ganz gern an die Badener Fasnacht. «Ich muss mich einfach darauf einstellen, dass es mich für ein paar Tage ins Bett legt.»

Das Wissen um MCS half enorm

Erst im Alter von knapp 30 Jahren erfuhr Zeller von der MSC-Krankheit. Schnell war ihm klar, dass auch er davon betroffen war. «Ab dem Tag, als ich eine Erklärung für meine anfällige Gesundheit hatte, ging es mit mir rasant bergauf», blickt Zeller zurück.

Heute habe er sich auf MCS relativ gut eingestellt. «Es kommt selten vor, dass ich mit dem Mundschutz nach draussen gehe.» Wenn, dann würden ihn die Leute manchmal schon komisch anschauen. «Schade, erklärte man den Mundschutz während der Schweinegrippe nicht für obligatorisch, dann wäre ich damals nicht aufgefallen», sagt Zeller lachend.

Die Hoffnung auf neuen Bautrend

Er ist überzeugt, dass sein Leben mit dem Einzug in sein neues Haus nochmals deutlich an Lebensqualität gewinnen wird. «Am wichtigsten ist die Regeneration während des Schlafes; deshalb ist ein absolut reiner Raum so wichtig.»

Um dies zu gewährleisten, hat sich der Tüftler allerlei Spezielles für sein Haus ausgedacht. Aluplatten sollen verhindern, dass schädliche Gase von draussen eindringen. Als Verputz dient Sumpfkalk, «weil der keine Gase abgibt», so Zeller. Aus dem gleichen Grund werde er bei der Innenausstattung vor allem auf Glas, Alu und Stein zurückgreifen. Mit dem Hausbau will er aber nicht nur sich einen Gefallen tun: «Ich hoffe, damit ein Zeichen zu setzen und im Idealfall gar einen neuen Trend für MCS-gerechtes Bauen auslösen zu können.»