Kolumne

Ein Hoch über Baden – trotz Gemecker um den Wakkerpreis

Die Stadt Baden erlebt derzeit ein Hoch: Erst wurde Badens Unicef-Label als «Kinderfreundliche Gemeinde» von 2014 rezertifiziert, da folgte gar der renommierte Wakkerpreis des Heimatschutzes. Auch wenn sich einige – in erster Linie Badener – an dessen Vergabe kaum satt stänkern konnten, so ändert dies nichts an der Tatsache, dass angesichts vieler Sachzwänge wie Verkehr, Bevölkerungswachstum, finanzieller Druck, übergeordnete Auflagen in der Stadtentwicklung manches gelungen ist. Wenn nun der Umgang mit der Altstadt samt Schlossbergplatz, dem Bahnhofgebiet, den Parkanlagen, das Pflegekonzept für das Gebiet der Schlossruine Stein, die Umsetzung des Entwicklungsrichtplans für Baden Nord, der Erhalt des Merker-Areals mit der streitbaren Gestaltung von Trafo- und Theaterplatz aufgewogen werden soll, ist das – bei allem Verständnis für die Kritik an letzteren beiden – ziemlich unverhältnismässig.

Kritisiert wurde vereinzelt auch der Schulhausplatz, doch gerade dieser hätte unter den genannten Sachzwängen kaum besser ausfallen können. Zudem hatte die interessierte Bevölkerung im langen Planungsverfahren stets die Möglichkeit sich einzubringen. Leider hatte es dann der Einwohnerrat verpasst, der Belebung der Fussgängerebene mehr Gewicht zu verleihen: Er hatte nämlich den Kredit für den erweiterten Ladeneinbau in der Cordulapassage abgelehnt, was sich heute als Fehler und für die dort einquartierten Betriebe als Erschwernis erweist.

Nun aber weiter mit den Hochs: Fast klammheimlich, wenn da nicht die Cordulazunft ihre Siegeshymne angestimmt hätte, wurde die Weite Gasse nun auch vom Busverkehr befreit. Das Stück Lebensraum wird diesen Teil der Altstadt längerfristig aufwerten.

Mit der neuen, sehr ansprechenden Tourismus-Website «dein.baden.ch» hat die Stadt einen weiteren Akzent für ihr kulturelles und touristisches Angebot gesetzt, und das im richtigen Augenblick, nämlich mit dem Botta-Bad in Sichtweite. Damit Szenenwechsel ins Bäderquartier: Dort wird nun sichtbar, was an ältester Stelle Badens, im einstigen Aquae Helveticae, entsteht. Und eben folgte noch die Erteilung der Baubewilligung für den «Heissen Brunnen», als Sinnbild dafür, dass der erneuerte Bäderort für die gesamte Bevölkerung etwas bieten möchte. Dass dem auch kulturell-historisch Rechnung getragen wird, ermöglicht nicht zuletzt die finanzielle Unterstützung des engagierten Bädervereins durch Bund und Lotteriefonds. Ein kleines Hoch liegt sogar über der Region, wobei die Wetterlage bei den gemeindeübergreifenden Gesprächen zu verstärkter Zusammenarbeit und möglichen Zusammenschlüssen noch einige Wolken ausweist. Dies im Gegensatz zu Baden und Turgi, wo nun aus den Absichtserklärungen gezielte Gespräche anlaufen werden.

Die Stadt Baden erlebt derzeit auch ein «grünes» Hoch. Da hat Greta den Fahrtwind in den Stadtrat und sogar in den Einwohnerrat gebracht, der beschlossen hat, bis 2050 eine CO2-neutrale Stadt anzupeilen, wenn auch der Weg dazu noch nicht so klar abgezeichnet ist und mit einigen (Stolper-) Steinen versehen sein dürfte.

Mit viel Elan wird von oder in der Stadt fast wöchentlich ein Öko-Projekt lanciert. So setzt der Stadtrat für seine Bauten die anspruchsvollen Massstäbe für energie- und umweltgerechte Bauten des Gebäudestandards 2019 von Energie Schweiz für Gemeinden. Die mit Gas versorgten städtischen Immobilien beziehen 20 Prozent regionales Biogas, wie es aus den Anlagen der Regionalwerke AG bezogen werden kann.

Jetzt will die Stadt sogar die Haushaltungen für ressourcensparendes Handeln im Alltag einspannen. Lobenswert ist auch das Ansinnen der Stadt Baden, dass sie am Parkhaus Gartenstrasse und an der Betonwand beim Löschwasserbecken Vertikalbegrünungen realisieren will. Dies soll aber die städtische Planung nicht davon entbinden, den Bereich Stadtturmstrasse, Blinddarm, Südhaus irgendwann im Gesamten aufzuwerten.

Hochs über Baden! Das müsste Freude und Motivation für den Stadtrat und die Bevölkerung bedeuten! Und beinahe vergessen gegangen wäre noch die Nachricht, dass dies alles demnächst versüsst werden soll, hat doch Sprüngli angekündigt, im Metroshop eine Filiale zu eröffnen. Darüber wird dann wohl niemand meckern wollen.

Roman Huber, 64, ehemaliger BT-Redaktor, pickt in seiner Kolumne aus dem jüngsten Geschehen heraus, was in der Region beschäftigt.

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