Baden
Ein internationales Quintett formiert sich für ein einziges Jazz-Konzert

Im Rahmen von «Jazz in der Aula» spielte ein Quintett eine Hommage an den Komponisten Benny Carter. In der BBB-Aula traten unter der Leitung des amerikanischen Kornettisten Warren Vaché eine Tenorsaxofonistin und drei skandinavischen Musiker auf.

Jürg Blunschi
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Kjell Öhman, Warren Vaché, Hans Backenroth, Karen Sharp und Aage Tanggaard (v.l.) bei ihrem einzigen gemeinsamen Auftritt.

Kjell Öhman, Warren Vaché, Hans Backenroth, Karen Sharp und Aage Tanggaard (v.l.) bei ihrem einzigen gemeinsamen Auftritt.

Julien Gründisch

Das internationale Quintett wurde nur für dieses eine Konzert am Sonntag im Rahmen von «Jazz in der Aula» formiert. Trotzdem wies es die Geschlossenheit einer ständigen Gruppe auf.

In der BBB-Aula traten unter der Leitung des amerikanischen Kornettisten Warren Vaché die britische Tenorsaxofonistin Karen Sharp und die drei skandinavischen Musiker Kjell Öhman (Piano), Hans Backenroth (Bass) und Aage Tanggaard (Schlagzeug) auf.

Die aus sich kreuzenden und untermalenden Linien bestehenden Bläser-Arrangements, die reibungsfreie Soloabfolge und die wirkungsvollen gestalterischen Tricks innerhalb der Rhythmusgruppe wiesen auf eine konzentrierte, mit viel Liebe zur Sache ausgeführte Vorbereitung hin.

Knapp die Hälfte der gespielten Kompositionen stammten vom amerikanischen Saxofonisten, Arrangeur und Komponisten Benny Carter, mit dem Vaché einst zusammenarbeitete und der die Entstehung des Big-Band-Swing ab etwa 1930 massgeblich mitgeprägt hat.

Rhythmustrio eröffnete

Die übrigen Stücke waren Standards oder Spezialitäten, die einzelne Musiker mitgebracht hatten. Beide Konzerthälften wurden vom Rhythmustrio alleine eröffnet. Da konnte sich insbesondere Kjell Öhman in Szene setzen, ein feinsinniger, viel ästhetisches Empfinden aussendender Pianist.

Mit Oscar Petersons hymnischem «When Summer Comes» setzte er einen rührenden balladesken Höhepunkt.

Gleichzeitig zeigten diese Triotitel auch die Qualitäten des Schlagzeugers Aage Tanggaard: viel Gespür für die vom Solisten gespielten Melodien, die er mit klugen Schlägen auf den Becken oder mit Wirbeln untermalte, derart, dass sich perkussive Akzente und Melodie verwoben.

Wenn es dagegen sein musste, hielt sich Tanggaard diskret swingend zurück.

Solistin mit persönlichem Profil

Da fiel auch Bassist Hans Backenroth nicht ab: Er genoss viel Soloanteil, spielte dabei bläserartig geschmeidige und kantable Melodien, war wiederum ein beweglicher und mitgestaltender Begleiter.

Die Tenorsaxofonistin Karen Sharp, stilistisch wohl das modernste Mitglied des Quintetts, erwies sich als Solistin mit sehr persönlichem, interessantem Profil: ein scharfer, sonorer Klang, melodische Vielfalt, rhythmisch relaxed und provozierend und mit einer Spur Dexter Gordon im Hintergrund, dazu eine freche, gelegentlich halsbrecherische Phrasierung.

Wahrlich, der gut gelaunte und alle Register seines grossen Könnens ziehende Warren Vaché hätte keine passendere Konzertpartnerin finden können.

In sanften, schmeichelnden, manchmal schmetternden Tönen, mit leichten Vibrato und uferlosem Melodiereichtum erwies auch er Benny Carter die gebührende Ehre.