2020 wird Wettingen 975 Jahre alt. Das ganze Jahr hindurch soll die Bevölkerung mit Feierlichkeiten an diesen Geburtstag erinnert werden. Höhepunkt wird die zehntägige Jubiläumsfeier vom 14. bis 23. August 2020 sein (AZ vom 14. 12.). «Wir wollen ein Fest für alle Generationen – ganz Wettingen-‹like›», sagte CVP-Gemeindeammann Roland Kuster an der gestrigen Medienorientierung voller Enthusiasmus. Jeder Monat wird für ein bestimmtes Thema stehen, damit sich «jede Wettigerin und jeder Wettiger mindestens einmal angesprochen fühlt». So steht es im Kreditbegehren über 450'000 Franken, das an der nächsten Einwohnerratssitzung vom 24. Januar zur Genehmigung vorgelegt wird.

Insgesamt sind für die 975-Jahr-Festlichkeiten etwas mehr als 2,8 Millionen Franken budgetiert. Nebst dem Gemeindebeitrag von 450'000 Franken wird mit verschiedenen Einnahmen durch Sponsoren, Vereine und Eintritte gerechnet. Die Kosten sind im Kreditbegehren zum Jubiläumsfest detaillierter aufgeführt. «Wir haben aus ‹little Wettige› gelernt», so Kuster. Die negativen Erfahrungen mit der Kreditabrechnung zum Wettinger Festbeitrag an die Badenfahrt 2017 sollen sich nicht noch einmal wiederholen. Die Kreditabrechnung war zweimal vom Einwohnerrat abgelehnt worden, weshalb sie inzwischen vom Regierungsrat behandelt werden muss. Moniert wurde vor allem eine fehlende detaillierte Abrechnung (die AZ berichtete).

Stolzer Beitrag

Der Beitrag für das Fest soll nicht an Bedingungen geknüpft werden. Er sei aber nötig, um ein ausgeglichenes Budget zu erreichen. Denn: «Ohne den Gemeindebeitrag ist es nicht möglich, ein solches Fest zu organisieren», ist dem Kreditbegehren zu entnehmen. Würde der Einwohnerrat den Beitrag kürzen, müssten andere Einnahmen gefunden werden. Das würde sich schwierig gestalten, heisst es weiter. Für Kuster ist klar: «Die 450 000 Franken sind ein stolzer Betrag, aber er ist durchaus gerechtfertigt für solch ein Fest.»

GLP-Einwohnerrat Orun Palit, der die Vorbereitungen zur 975-Jahr-Feier ohne eine Kreditbewilligung kritisiert hatte, klingt hingegen alles andere als begeistert: «Wo wollen wir denn diese 450 000 Franken genau hernehmen? Wo sparen wir stattdessen?» Er und seine Partei überlegen sich, an der Einwohnerratssitzung einen Rückweisungsantrag für das Kreditbegehren zu stellen: «Wir halten es für einen Affront all denen gegenüber, die von der Gemeinde aus Spargründen keinen Beitrag mehr erhalten.»

Ehrgeiziges Festkonzept

Zur Kritik, dass bereits viel aufgegleist worden sei, bevor über einen Kredit abgestimmt wurde, erklärt Kuster: «Ohne diese Vorbereitungsarbeiten könnten wir gar nicht sagen, wie viel es kostet.»

Kuster nahm an der Medienorientierung auch Bezug auf eine Motion von CVP-Einwohnerrat Roland Michel, die dieser 2016 eingereicht hatte. Darin forderte er den Gemeinderat dazu auf, für das 975-Jahr-Jubiläum «die Vorbereitungsarbeiten rechtzeitig anzugehen, ein Organisationskomitee zu bestimmen und eine finanzielle Beteiligung sicherzustellen». Dem ist der Gemeinderat gefolgt und beauftragte CVP-Einwohnerrat Paul Koller mit der Bildung eines OKs, welches das – ausgesprochen ehrgeizige – Festkonzept über das ganze Jahr hindurch festlegte. Das Konzept wird im Kreditbegehren ausführlich beschrieben.

Eines der erklärten Ziele ist, dass die Wettinger stolz darauf sind, hier zu leben. Mit den Feierlichkeiten möchte man das fördern – wie auch eine positive Ausstrahlung der Gemeinde über die Gemeindegrenzen hinaus. Das «grösste Riesenrad der Schweiz» und namhafte Künstler, die an einem Open Air auftreten, sollen möglichst viele Besucher anziehen. Mit dem «Jahreskreislauf» möchte man den 975. Geburtstag das ganze Jahr hindurch spür- und erlebbar machen. Sämtliche Veranstaltungen erhalten einen «Jubiläumsrahmen».

Palit hält das Fest für unverhältnismässig: «Drei Tage hätten mir auch gereicht.» Man könnte das Fest doch auch redimensionieren und mit Sponsorengeldern und Einnahmen aus den Eintritten finanzieren, findet er. Die GLP sei nicht gegen das Fest an sich, stellt er klar, «aber wir sind der Meinung, dass das Fest nicht mit Steuergeldern bezahlt werden soll.» Ausserdem brauche er kein solch grosses Fest, um stolzer Wettinger zu sein: «Das bin ich auch ohne ein grosses Fest.»