Obersiggenthal
Ein Jux für Normalverrückte in drei Akten

Das Theater Nussbaumen feiert am 19.November mit der traditionsreichen Komödie «Pension Schöller» Premiere. Erstmals sind die Darsteller auch authentisch kostümiert.

Ilona Scherer (Text und Foto)
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Philipp Klapproth wird von seinem Neffen Fredy in eine verrückte Pension geschickt.

Philipp Klapproth wird von seinem Neffen Fredy in eine verrückte Pension geschickt.

Dramen spielen sich auf der Bühne des Gemeindesaals in Nussbaumen schon lange nicht mehr ab: Hier wird seit vielen Jahren herzhaft gelacht. Deshalb heisst der «Dramatische Verein Obersiggenthal» seit diesem Herbst auch schlicht Theater Nussbaumen.

Beim Neustart wagte sich Regisseurin Corinne Rathgeb an einen Klassiker: Die Uraufführung des Lustspiels «Pension Schöller» von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby fand am 7. Oktober 1890 in Berlin statt.

Seither ist der Dreiakter mehrfach verfilmt worden, unter anderem mit deutschen Schauspiel-Legenden wie Willy Millowitsch (1968) und Harald Juhnke (1980). Regisseurin Rathgeb erinnert sich, wie sie als Kind einen Ausschnitt des Stücks im Fernsehen gesehen hat: «Diese Szene wollte ich nun genau gleich gespielt haben.»

Skurrile Pensions-Gäste

Die Hauptrolle des bünzlig-naiven Gutsbesitzers Philipp Klapproth aus «Üedike» spielt Peter Rathgeb. Um daheim am ländlichen Stammtisch mit einem ganz besonders verrückten Erlebnis aus der Grossstadt auftrumpfen zu können, will Klapproth eine private Nervenheilanstalt besuchen.

Sein Neffe Fredy, gespielt von Marco Heuer, soll den Ausflug organisieren; er schuldet ihm sowieso noch einen Gefallen, weil der Onkel ihn bei seiner Geschäftsgründung finanziell unterstützt. Seine Bekannte Adele Seibel, dargestellt von Andrea Keller, bringt Fredy auf die Idee, den Onkel in die Pension Schöller zu führen. Schliesslich wohnen dort lauter skurrile Figuren, die allemal als Patienten durchgehen würden.

Vor der Abreise mahnt Neffe Fredy seinen Onkel noch: «Aber dänk dra, Unkel Philipp: Immer ja säge, egal mit wem du redsch!» Zu gross ist angeblich das Risiko, dass die «Irren» sich beleidigt fühlen und ausser Kontrolle geraten. Der gutgläubige Philipp Klapproth hält sich daran und glaubt tatsächlich, in einer Nervenheilanstalt zu sein – was zu vielen skurrilen Situationen führt: So verspricht er dem Grosswildjäger Fritz Bernhardy (Mike Weber), ihn auf eine Safari zu begleiten.

Gegenüber der lispelnden Möchtegern-Schriftstellerin Josephine Waldvogel (Jacqueline Bysäth Juchli) gibt sich Klapproth als ein vom Schicksal gebeuteltes Pflegekind aus, was diese zu einem neuen Buch inspiriert. Major Gröbli (Heinz Geissberger) fühlt sich dagegen von Klapproth zu wenig beleidigt und fordert zum Duell: «Ruhe! Pistole! 50 Meter!»

Hamlet Zitation mit Sprachfehler

Publikumsliebling-Potenzial hat Eugen Reber (Nico Aschwanden), der Neffe von Pensions-Besitzerin Lilian Schöller (Ramona Zumstein): Trotz einem lustigen Sprachfehler – jedes L kommt als N aus seinem Munde –, fühlt sich Eugen zum Schauspieler berufen und zitiert aus «Hamnet» mit vollem Körpereinsatz: «Niebst Du mich noch?» – und entschwebt mit einem «Näbed Sie wohn.»

Obwohl er sich an diesem Abend in der Pension Schöller prächtig amüsiert, ist Philipp Klapproth heilfroh, als er wieder daheim in Üedike ist und die Verrückten «zum Glück alle sicher hinter Schloss und Riegel sind». Doch diese Annahme ist weit gefehlt: Als ihn die angeblichen Irren auf seinem Gutshof besuchen und ihre Versprechen einlösen wollen, eskaliert die Situation. Manchmal wäre halt ein «Nein» doch die klügere Wahl.

Im richtigen Mass Überzeichnen

«In diesem Stück geht es nicht darum, die Rollen möglichst authentisch zu spielen, sondern sie zu überzeichnen», erklärt Regisseurin Rathgeb. Dabei ist es ihr gelungen, den Charakteren einen perfekten Schliff zu geben.

Zum stimmigen Gesamtbild des Theaters tragen auch die Kostüme, die von einer professionellen Kostümbildnerin gemacht wurden, bei. «Bislang trugen wir immer Kleider aus unserem Fundus», so Rathgeb. Neben drei Gastspielern stehen dieses Jahr auch zwei Debütanten auf der Bühne. Nicht dabei ist die 81-jährige Arlette Baumann, die 2014 in der Hauptrolle von «Guet Nacht Frau Seeholzer» gespielt hatte. «Für sie gab es in diesem Stück leider keine Rolle», so Regisseurin Rathgeb. Gut möglich aber, dass die rüstige Seniorin 2017 wieder mit von der Partie ist.

«Pension Schöller»

Daten: Samstag, 19. November (Premiere); Mittwoch, 23. November; Freitag, 25. November; Samstag, 26. November (Derniere), jeweils um 20.00 Uhr im Gemeindesaal Obersiggenthal, Türöffnung 18.45 Uhr.

Eintritt: 22 Fr., Schüler, Lehrlinge und Studenten sowie AHV-Bezüger erhalten bei den Abendvorstellungen gegen Ausweis einen 5 Fr. Getränkebon. Senioren- und Familienaufführung: Samstag, 19. November, 14.00 Uhr; Eintritt: Erwachsene 10 Fr., Jugendliche bis 16 Jahre Fr. 5. Freier Eintritt für Seniorinnen und Senioren, die den 70. Geburtstag gefeiert haben.

Vorverkauf: Online unter: www.theater-nussbaumen.ch und per E-Mail an:print@home oder bei Info Baden, Bahnhofplatz 1, 5400 Baden, Tel. 056 200 84 84.

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