Limmatlauf
Ein kleiner Kenianer bodigt mit seinem Streckenrekord die gesamte Konkurrenz

Der klein gewachsene Kenianer Bernard Matheka ist zwar kein zweiter «Röthlin», aber ein Läufer mit beachtlicher Reputation. Am Limmatlauf unterstrich er seine Leistungen und sorgte für noch nie gesehene Klasse - er siegte mit 2:52 Minuten Vorsprung.

Jörg Greb
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Die Rekordprämie lockte den Sieger Bernard Matheka an die Limmat. fotos: Alexander Wagner

Die Rekordprämie lockte den Sieger Bernard Matheka an die Limmat. fotos: Alexander Wagner

In der Rolle des Favoriten und in der Aussicht des fünften Sieges legte sich Kadi Nesero am Vorabend des Limmatlaufs ins Bett. Nichts wissen konnte er von einem wenig später erfolgenden Anruf bei den Organisatoren. Um 23.37 Uhr klingelte das Handy von Fabian Keller. Florian Wahli, der Manager aus Reconvilier im Berner Jura, erkundigte sich über eine allfällige Rekordprämie. «Jawohl, eine solche Prämie wird ausgerichtet», beschied ihm Keller – auch wenn die Strecke wegen Bauarbeiten etwas geändert werden musste.

Matheka ist zwar kein Röthlin

Bernhard Matheka hiess der Aspirant und sofort wurde er auf die Startliste gesetzt. Kadi war seine Favoritenposition los. Und Fabian und Jacquline Keller kamen in ihrem ersten Jahr an der OK-Spitze des Laufes zu einer späten Genugtuung. «Wir schrieben zahlreiche Cracks an, bekamen aber lauter Absagen», erklärten sie.

Mit Matheka hatten sie zwar keinen Röthlin dabei, aber der klein gewachsene Mann aus dem kenianischen Hochland ist ein Läufer mit beachtlicher Reputation: je zweiter Platz am Basler Stadtlauf und am Zürcher Silvesterlauf Ende November und Mitte Dezember, vierter Platz am Kerzerslauf vor Wochenfrist, geschlagen jeweils nur von hoch dotierten afrikanischen Widersachern.

Und Matheka unterstrich auch in Baden seine Fähigkeiten. Nachdem er auf den ersten gut zwei Kilometern Mass an der Konkurrenz genommen hatte und feststellte, dass Nesero und Co. nicht über seine Klasse verfügen, verabschiedete er sich. Resolut tat er dies. Er verlängerte den Schritt, erhöhte den Rhythmus, und bald ward er nicht mehr gesehen.

Über die gesamten 13,17 km pushte er sich selber. Nach 38:58 Minuten war er wieder am Ausgangspunkt, sprich im Ziel: klarer neuer Streckenrekord und folglich die -prämie. Der Ausflug hatte sich bezahlt gemacht. Matheka strahlte: «So soll es weitergehen,
ich will nun auch die grossen Schweizer Läufe gewinnen.»

Neseros Rückstand spricht Bände

Hinter Matheka lief Kadi Nesero auf Rang 2. Sein Rückstand von 2:52 Minuten spricht Bände. Den letzten Podestplatz sicherte sich Berhe Zeremarim, auch er ein bekannter Vertreter an den Schweizer Volksläufen. Als bester Schweizer erreichte Lukas Stähli (LC Meilen) das Ziel als Fünfter. Und obwohl er fünfeinhalb Minuten länger unterwegs war als der Sieger, erkannte der mehrfache Medaillengewinner an Schweizer Meisterschaften eine ansteigende Formkurve: «Das Pfeiffersche Drüsenfieber bremste mich das ganze letzte Jahr, seit Februar aber kann ich wieder richtig trainieren.»

Bereits 49 Sekunden nach Stähli überquerte der 49-jährige Altmeister Hansjörg Brücker (LC vom Stein Baden) die Ziellinie als Achter. Der höchstdotierte Schweizer aber lief über die Kurzdistanz: 1500-m-Serienmeister und EM-Anwärter Mirco Zwahlen (LC Regensdorf) gewann dank exzellentem Endspurt auf den letzten 300 m knapp vor Ozubit Beshane.