Baden
Ein Konzert, das die jungen Zuhörer mitreisst

Junges Orchester und junger Solist – das Siggenthaler Jugendorchester konzertierte im Kurtheater.

Katia Röthlin
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Das Siggenthaler Jugendorchester mit Dirigent Marc Urech beim Konzert im Kurtheater. katia RÖthlin

Das Siggenthaler Jugendorchester mit Dirigent Marc Urech beim Konzert im Kurtheater. katia RÖthlin

Wenn das Siggenthaler Jugendorchester – dieses Jahr mit dem Aargauer Heimatschutzpreis ausgezeichnet – zum Konzert lädt, dann zeigt sich beim Blick ins Publikum ein anderes Bild als bei einem sonstigen klassischen Konzert.

Auffallend viele jüngere Zuhörerinnen und Zuhörer sassen am Sonntagnachmittag im gut besetzten Badener Kurtheater. Und sie liessen sich vom Konzert mitreissen.

Ehemaliges Mitglied

Mit dem jungen Klarinettisten Moritz Roelcke stand ein ehemaliges Mitglied des Siggenthaler Jugendorchesters auf der Bühne. Der 21-Jährige studiert seit 2010 an der Zürcher Hochschule für Künste, konzertiert auf der ganzen Welt und hat schon diverse Preise gewonnen. Das alles trat am Sonntag in den Hintergrund. Roelcke zeigte im Klarinettenkonzert Nr. 1 von Louis Spohr Emotionen. Mal spielte er virtuos und fröhlich, mal ganz sanft. Auch wenn er Pause hatte, war er stets hoch konzentriert, wirkte oft in sich gekehrt, lauschte der Musik.

Man spürte, dass er und Dirigent Marc Urech sich gut kennen. Die beiden verstanden sich ohne übertriebene Gesten. Auch das Orchester vermochte gut auf den Solisten einzugehen. Es begleitete auf hohem Niveau und übertönte den jungen Musiker nie. Besonders schön waren die Dialoge mit den Holzbläsern des Orchesters.

Präsentes Orchester

Im zweiten Teil des Konzertes konnte das Siggenthaler Jugendorchester sein ganzes Können unter Beweis stellen. Die Sinfonie Nr. 4 von Robert Schumann besteht aus mehreren Sätzen, die so ineinander über-
gehen, dass sie kaum voneinander zu trennen sind. Schnell wechseln Stimmungen und Tempi.

Das Orchester war stets präsent, der Dirigent zeigte vollen Körpereinsatz. Er tänzelte, sprang auf, duckte sich, gab sich staatsmännisch; das Orchester folgte ihm. Das Publikum zeigte sich begeistert und verlangte eine Zugabe.

Die gewährte Marc Urech auch. Zuerst allerdings hatte er die Aufgabe, drei Musikerinnen aus den Reihen des Orchesters zu verabschieden. Ein Moment, der ihn sichtlich rührte. «Wir erleben viel Miteinander, stehen einander auch immer wieder auf die Füsse», sagte er. Nicht so stark, dass es Plattfüsse gebe, aber doch so, dass man sich gegenseitig spüre. Etwas, das den Zusammenhalt des Siggenthaler Orchesters offensichtlich stärkt. Das spürte man auch am reichhaltigen Apéro, den die jungen Musikerinnen und Musiker organisiert hatten.

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