Kurz vor vier Uhr: Im Schweizer Kindermuseum am Ländliweg in Baden herrscht – wie von Zauberhand – plötzlich Ruhe. Seltsam, wo in der Garderobe kaum noch ein Haken frei ist.

Doch halt, da, aus der «Unterwelt» ertönen Stimmen und Geräusche. Eine Treppe hinunter, dann die zweite und – wow: Hier also sind sie, all die Mädchen und Buben mit ihren Mamis, Papis, Grosis und Opas.

Märchen haben sie in den Raum im zweiten Untergeschoss gelockt, wo eine Fensterfront den Blick in das leichte Dämmerlicht im Garten freigibt. Viele Erwachsene stehen, während immer noch Hocker für die Kleinen angeschleppt werden.

Endlich haben alle einen Platz gefunden. Eine Frau schlägt auf einen grossen Gong. Auf ihre Frage, ob unter den Besuchern auch Königinnen und Könige seien, schnellen ein gutes Dutzend kleiner Hände in die Höhe. Klar: Es ist Dreikönigstag!

Kein Wunder, dass Regula Waldispühl aus Zufikon, frisch pensionierte Musikgrundschullehrerin, und die Kindergärtnerin Sylvia Spiess aus Turgi vom Aargauer Märchenkreis «Von Königen und ihren Geschichten» erzählen.

Waldispühl hatte je ein Märchen aus Indien und aus Tschechien mitgebracht, Spiess den «König Drosselbart» der Gebrüder Grimm sowie ein Märchen aus Korea. Ein König, der die Hand seiner Tochter einem Krokodil gab; ein anderer – kinderlos –, der seinen Thronfolger auf kluge Weise suchte und fand, kamen ebenso vor, wie ein wunderschöner Vogel, der einen König lehrte, was Glück bedeutet.

Ebenso bunt wie dieser Vogel, zugleich lehrreich und weise, waren die Geschichten. Die beiden Erzählerinnen haben sie nicht nur in ihren Dialekt übersetzt und vorgetragen, wie ihnen «der Schnabel gewachsen» ist. Viel mehr noch: Sie haben die Figuren auch mit ihrer Sprache, mit Mimik und Gestik zum Leben erweckt – ein Erlebnis für die grossen und kleinen Zuhörer.

Staunend auf dem Hocker

Einige Buben und Mädchen hatten nach zwei Märchen genug, wollten lieber wieder auf Entdeckungsreise im Museum. Andere Kinder aber sassen die ganzen 50 Minuten staunend und gebannt, ja schier atemlos, auf ihrem Hocker oder auf Mamis Schoss.

Wetten, dass gar manches noch länger hätte zuhören mögen. Nur Geduld – jetzt soll erst mal Frau Holle endlich ihre Kissen kräftig schütteln und im Februar dann gibt es neue Märchen zu hören.