Freienwil

Ein letztes Fest in der «Bestatter-Beiz»

Im «Weissen Wind» wurde das Herbstfest mit anschliessender Austrinkete gefeiert. Bei der Festrede taufte Grossratspräsident Markus Dieth auch Gemeindeammann Robert Alan Müller um – zu «Robert, Häuptling Weisser Wind».

Es duftet nach Essen, einige Leute sitzen in der Gartenbeiz, andere haben es sich in der Gaststube bei einem Teller Hörnli oder Chili con Carne gemütlich gemacht. Alle aber sind sie gekommen, um beim Herbstfest ein letztes Mal einen Abend im «Weissen Wind» zu verbringen. Denn die Zukunft dieser Lokalität, in der einst Gemeindeversammlungen stattfanden und die in diesem Sommer zum Drehort der beliebten Serie «Bestatter» wurde, ist ungewiss.

Trotz ungewisser Zukunft ist man optimistisch

Es ist kurz nach sieben Uhr, als unzählige Gäste im grossen Saal des «Weissen Windes» mit feurigen südamerikanischen Rhythmen der beiden Musiker Juan Carlos Zeta und Rocco Wäger empfangen werden. An den Wänden hängen Poster, welche Informationen rund um die geplante Renovation enthalten. «Grosse Feste markieren Übergänge», sagt Urs Rey, Präsident der Genossenschaft Weisser Wind Freienwil, zu Beginn seiner Ansprache. Nun sei die Phase des Geldsammelns angebrochen. Denn die Sanierung und der Umbau der «Bestatter-Beiz» wird voraussichtlich 1,8 Millionen Franken kosten – allerdings klafft noch immer ein finanzielles Loch von 800'000 Franken (das BT berichtete).

An diesem Abend allerdings gibt man sich ob des ambitionierten Projektes jedoch optimistisch, denn der «Weisse Wind» sei ein fester Bestandteil des Dorfes, sagt Rey. Auch für Gemeindeammann Robert Alan Müller – ebenfalls Genossenschafter – ist das Lokal ein bedeutungsvoller Ort für Freienwil: «Ich bin zuversichtlich, dass die Finanzierung des Projektes gelingen wird.» Der «Weisse Wind» sei wichtig für den sozialen Zusammenhalt der Gemeinde.

Humorvolle Ansprache

Noch bevor es zur Austrinkete überging, las Nathalie Schmid aus dem autobiografischen Werk «Reise an den Rand des Universums» des bekannten Basler Autors Urs Widmer. Es sind Texte über das Beizenleben, Geschichten, die an längst vergangene Zeiten erinnern – Zeiten vor dem Beizensterben, wie es sich in so vielen Dörfern beobachten lässt. Dem soll nun Gegensteuer gegeben werden, wie auch Gastredner und Grossratspräsident Markus Dieth bei seiner Festrede betonte: «Die Gemeinde braucht einen Ort, um sich zu treffen, um Kultur zu leben.» Anschliessend sinnierte der höchste Aargauer humorvoll: «Was braucht ein Dorf? Ein Dorf braucht Zusammenhalt, braucht ein Zentrum und auch einen Häuptling.» Kurzerhand und unter Applaus des Publikums taufte er den Freienwiler Gemeindeammann zu «Robert, Häuptling Weisser Wind.»

Meistgesehen

Artboard 1