Birrfeld
Ein mobiles Dorf für 1000 Personen in Not

Oberst Niels Blatter ist zufrieden und hat allen Grund dazu. Das Kommandozelt hat Stromanschluss, der Laptop läuft, der Beamer projiziert Landkarten auf die Leinwand, ein Hellraumprojektor steht für alle Fälle bereit.

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Feldlager auf dem Birrfeld
9 Bilder
Blick von einem der drei Türme
Infos für die RFO Eigenamt
Abbau eines Containerbaus
Schmucker Holzbau
Blick in die Küche
Kommandoposten Mellingen
Zelt mit zwei schlafenden Soldaten
Birrfeld Oberst i Gst Niels Blatter

Feldlager auf dem Birrfeld

Aargauer Zeitung

Alles funktioniert bestens. Obwohl dies ein Test ist. Obwohl dieser Test zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz durchgeführt wird. Niels Blatter sagt: «Das ist beeindruckend.» Der Test ist ein Feldlager, das bei einem humanitären Einsatz vertriebene Personen aufnehmen könnte, im Fachjargon IDPs oder «internally displaced people» genannt. Auslöser für eine solche interne Vertreibung können bewaffnete Konflikte, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen oder Naturkatastrophen sein.

Erfahrungen für den Ernstfall

Niels Blatter, Oberst im Generalstab und Kommandant Genieschulen 74 in Bremgarten, sagt: «Wir wollten Erfahrungen sammeln und schauen, wie weit wir bei einem Ernstfall kommen.» Der simulierte Ernstfall belegt nun den Grossteil des Feldes neben dem Regionalflugplatz Birrfeld. Das Gelände ist mit Stacheldraht abgesperrt und wird von Soldaten bewacht. Mütter mit staunenden Kindern spazieren auf dem nahen Feldweg vorbei.

Vor 30 Stunden war das Feld noch leer, und nun stehen hier Wachttürme, Zelte, Holzhäuser, ein Baubüro, eine Werkstatt, ein Lagercontainer und eine Kläranlage. Im Hintergrund brummen Lüftungsgeneratoren für Zelte und Stromgeneratoren für Beleuchtung und Küche. Für Ehepaare wurden Doppelbetten gezimmert, Nachttischchen und sogar eine Wiege für ein Kleinkind. Rund 100 Soldaten der Pontonierkompanie 2/26 arbeiten im Zweischichtbetrieb an diesem mobilen Dorf. Verpflegt werden sie vom Küchenteam, das rund um die Uhr Essen und Kaffee zubereitet. Die Zelte und Häuser des Lagers sind durch Stege und mobile Strassen vernetzt, sogenannte Abrollstrassen. 1000 Personen könnten im Ernstfall hier vorübergehend leben.

Es gibt noch Herausforderungen

Mit dem Bau des Lagers bewiesen Blatter und seine Soldaten, dass ein solches auch im Ernstfall durchführbar ist. Denn obwohl es während der Aufbauarbeiten die ganze Nacht regnete, blieb kein Lastwagen in der Erde stecken und kein Soldat verunfallte. Es gab nicht einmal einen verletzten Daumen von einem Hammer, der den Nagel verfehlt hätte. Aber es wurden einige Herausforderungen für den Ernstfall aufgezeigt. Beim Test zeigte sich, dass der Nahrungsmittelbedarf recht gross ist: Während der Arbeiten assen die Soldaten zwei Drittel einer Lastwagenladung Nahrungsmittel. Auch das Entsorgungsproblem ist immens: In den 30 Stunden sammelte sich ein ganzer Lastwagen voll Kleinabfall.

Das Brückenbauer-Bataillon

Das Pontonierbataillon 26 gehört zu den Genietruppen, die für Aufgaben eingesetzt werden, die besondere technische Kenntnisse und Ausrüstungen erfordern. Das Pontonierbataillon ist für die Mobilität aller Truppen zuständig, und zwar durch den Bau von Brücken und Fähren. Sie leisten aber auch Hilfe für die Zivilbevölkerung bei Katastrophen wie Überschwemmungen oder Unwettern.

Sollten durch Katastrophen grössere Bevölkerungsgruppen obdachlos oder vertrieben werden, kann das Bataillon Feldlager errichten. 1100 Angehörige der Armee sind in 5 Kompanien zusammengefasst und verfügen über insgesamt 200 Kleinfahrzeuge und 70 Spezialfahrzeuge. (HUG)

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