Würenlos
Ein mystisches Stück wird im Steinbruch Würenlos zu neuem Leben erweckt

Seit Samstag proben 140 Mitwirkende im mittleren Steinbruch das Freilichtspiel «Die Teufelsuhr» von Silja Walter. Darin geht es um das Misstrauen der Bevölkerung gegen die erste Uhr im Dorf, aber auch um Konfessionsstreitigkeiten und Auflehnung gegen die Obrigkeit.

Rosmarie Mehlin
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Ein mystisches Stück wird im Steinbruch Würenlos zu neuem Leben erweckt
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Ein mystisches Stück wird im Steinbruch Würenlos zu neuem Leben erweckt

AZ

Nicht weit vom Bahnhof Würenlos zweigt ein Feldweg ab, führt in einen kleinen Wald zu einem Tor. Am Samstag war es weit geöffnet und dahinter ertönten Musik und Worte, klopften Männer, Frauen, Kinder mit Stecken auf einen hölzernen Boden.

Salopp könnte man sagen, sie stampfen ein Theater aus dem Boden. Tatsächlich wird am 22. August hier «Die Teufelsuhr» Premiere haben, unter freiem Himmel im mittleren Steinbruch.

Es ist ein ebenso schöner, wie geheimnisvoller Ort. Steile, bewachsene Wände rahmen ihn im Halbrund ein. Davor wurde die rund 500 Quadratmeter grosse Bühne erstellt. Die Handlungsorte sind zu erkennen: die Abtei Wettingen, die Dorfbeiz, das Kloster Fahr und der Kirchturm mit der Uhr, die nicht so läuft, wie sie sollte, «Die Teufelsuhr».

1970, zur 1100-Jahr-Feier von Würenlos, hatte die Schriftstellerin und Ordensschwester Silja Walter im Kloster Fahr das gleichnamige Stück geschrieben und der international bekannte Basler Jazzmusiker George Gruntz die Musik und den Chorgesang dazu komponiert.

Bereits letztes Jahr hatte die TheaterGemeinschaft Würenlos «Die Teufelsuhr» zu neuem Bühnenleben erwecken wollen. Aus personellen Gründen war das Vorhaben aber verschoben worden. Seit April probt Regisseur Jean Grädel, der 2008 Goethes «Faust» für die Wettinger Klosterspiele inszeniert hatte, mit fünf professionellen Darstellerinnen und Darstellern – darunter dem bekannten Einheimischen Albert Freuler – sowie jenen Laienspielern, die Sprechrollen innehaben.

Am Samstag fand die erste Probe am eigentlichen «Tatort» statt. «Für die Profis ist es eine Herausforderung, gegenüber der Authentizität, mit der Laien die Figuren verkörpern, zu bestehen», sagt Grädel und fügt an, dass ihn als Regisseur Silja Walters Text ausserordentlich fordere.

«Die Frage ist: Wie kann man diese tief gläubigen, katholischen Dialoge heute – nach 43 Jahren – auf der Bühne zum Leben erwecken, ohne den Text ins Lächerliche zu ziehen? Und wo liegen die kleinen komischen Momente verborgen? Schliesslich ist es mein Ziel, bei aller Ernsthaftigkeit des Themas, das Publikum zu unterhalten, ihnen einen guten, vergnüglichen Abend zu servieren.»

In dem mystischen Stück geht es um das Misstrauen der Bevölkerung gegen die erste Uhr im Dorf, das zusätzlich von einer Wahrsagerin geschürt wird, aber auch um Konfessionsstreitigkeiten und Auflehnung gegen die Obrigkeit.

«Gemeinsam wollen wir diese Geschichte so plausibel erzählen, dass das Publikum versteht, worum es geht», fasst Grädel zusammen. Insgesamt werden 140 Mitwirkende, davon 16 Live-Musiker auf der Bühne stehen – vom Kind bis zum Greis.

«Die Teufelsuhr», Würenlos, Steinbruch;
22. August–7. September. www.thgw.ch

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