Neugierig und mit Freude haben gestern Morgen die Kinder ihren neuen Kindergarten an der Unterdorfstrasse 4 in Stetten in Betrieb genommen. Sie spielten Lego und Verkäuferlis, sie zeichneten und liessen die Spieleisenbahn auf den Schienen rollen. Für die Kindergärtler war es ein grosser Tag: Sie wurden im letzten Schuljahr und bis zu den Herbstferien vorübergehend im Primarschulhaus unterrichtet. Dies, weil aufgrund der hohen Schülerzahlen eine dritte Abteilung nötig wurde und der Doppelkindergarten am Bachweg nicht genügend Platz bot. Mit der Inbetriebnahme des neuen Kindergartens hat das «Storchennest» nun seine definitive Bleibe gefunden.

«Uns gefallen die neuen Räume sehr. Vor allem ist super, dass wir nun viel mehr Platz haben», sagte Kindergartenlehrerin Regina Hoffmann. Die Kinder seien am Morgen beim Beziehen der Räume sehr aufgeregt gewesen.

Auch für Einwohner Heribert Huber war es ein besonderes Ereignis: Er hat sein Elternhaus für rund 1,4 Millionen Franken so aus- und umgebaut, dass die Liegenschaft die Anforderungen eines Kindergartens erfüllt. «Ich bin sehr zufrieden. Hinter dem Kindergarten steckt viel Herzblut.» Man habe Wert darauf gelegt, dass es den künftigen Nutzern viel Freude bereitet. Kein Wunder, ist es doch seit über 210 Jahren im Besitz der Familie Huber.

Unter den Kindergärtlern befindet sich auch seine Enkelin Lina. «Sie ist stolz, dass sie einen Kindergarten besuchen kann, der von ihrem Grossvater gebaut wurde», sagt der Inhaber von Teppich Huber. Im kommenden Schuljahr wird auch seine zweite Enkelin Emma das «Storchennest» an der Unterdorfstrasse besuchen.

Gebäude mit Emotionen

Der neue Kindergarten ist rund 150 Quadratmeter gross und wurde im ehemaligen Stall neben dem anliegenden Wohnhaus gebaut. «Über mehrere Jahre hinweg benutzten wir den Stall ausschliesslich als Lagerraum», sagt Huber. Als er gehört habe, dass die Gemeinde auf der Suche nach Räumen für einen Kindergarten ist, sei er auf die Idee gekommen, sein Elternhaus umzubauen. «Für mich stellt es kein Renditeobjekt dar, sondern ein Gebäude, das mit Emotionen und vielen Erinnerungen verbunden ist.»

Das «Storchennest» wurde in acht Monaten gebaut. Es verfügt über mehrere Gruppenräume, Nasszellen, eine Garderobe, ein Büro und einen Garten. Im ersten und zweiten Stock befinden sich zwei Wohnungen, die in Kürze bezogen werden. Am Umbau waren hauptsächlich Firmen aus der Region beteiligt. Huber ist sehr zufrieden, wie die Arbeiten verlaufen sind. Auch, dass Architekt Bernhard Leutenegger vom Niederrohrdorfer Büro Bele Architekten das Budget einhalten konnte, freue ihn.

Die Gemeinde hat mit Heribert Huber einen zehnjährigen Mietvertrag über 3100 Franken pro Monat abgeschlossen. Der Vertrag wurde von den Einwohnern an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung Ende März dieses Jahres ohne Gegenstimmen gutgeheissen.