Gleich zwei Badener Firmen haben in den vergangenen Tagen Stellen gestrichen: Bei General Electric (GE) kommt es zu 1200 Entlassungen, was aufgrund der Ankündigung im letzten Winter zu erwarten war.

Ausserdem fallen beim Gasturbinen-Hersteller Ansaldo 24 Stellen weg. Während die GE-Angestellten von einem ausgereiften Sozialplan profitieren, gehen ihre ehemaligen Arbeitskollegen bei Ansaldo – einst arbeiteten alle unter einem Dach bei Alstom – diesbezüglich voraussichtlich leer aus.

Einen Sozialplan für die entlassenen Mitarbeiter gebe es nicht, sagte Geschäftsführer Jürg Schmidli: «Wir sind dazu gesetzlich nicht verpflichtet. Es handelt sich aus rechtlicher Sicht nicht um eine Massenentlassung. Das wäre erst ab 30 Stellen der Fall.» Die Personalvertretung von Ansaldo lässt derweil verlauten: «Wir waren von Beginn an informiert und involviert und führen nach wie vor intensive Gespräche mit der Geschäftsleitung.»

GE-Personalvertreter: «Ein No-Go»

Dass die Betroffenen bei Ansaldo nicht von einem Sozialplan profitieren sollen, sorgt für Kritik. Thomas Bauer, Präsident der Personalvertretung von General Electric, bezeichnet es als «No-Go», dass eine so grosse Firma wie Ansaldo, die dem Swissmem und somit dem Gesamtarbeitsvertrag der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie angeschlossen ist, den Betroffenen keinen Sozialplan zur Verfügung stelle.

«Ich gehe davon aus, dass die Kollegen der Personalvertretung von Ansaldo mit der Geschäftsleitung einen Sozialplan oder sozialplankonforme Bedingungen verhandeln», sagt Thomas Bauer. «Arbeitgeber nutzen gerne den einfachen Weg, um keine Massenentlassung durchführen zu müssen. Dieser Weg ist zwar möglich, trotzdem kann man der Fairness halber einen Sozialplan verhandeln.»

Die betroffenen Mitarbeitenden bei GE erhalten neben der vertraglichen Kündigungsfrist laut Thomas Bauer ausreichend Zeit und Sicherheit, um einen neuen Job zu suchen. Sie werden in dieser Zeit noch entlöhnt. Ausserdem werden sie vom «GE-Career-Center» bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle aktiv unterstützt.

Florian Vock, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes, bezeichnet die Aussagen des Geschäftsführers von Ansaldo als unerhört: «Auch wenn nur eine einzige Person aus wirtschaftlichen Gründen entlassen wird, hat der Chef eine moralische Pflicht. Diese Angestellten werden grosse Probleme haben, wieder einen Job zu finden, denn die Gasturbinen-Industrie kriselt», sagt Vock.

«Wir rufen die Angestellten auf, sich zusammen bei den Gewerkschaften zu melden. Mitglieder erhalten in jedem Fall eine rechtliche Beratung.» Er befürchte eine Salamitaktik des Unternehmens: «Ganz bewusst werden weniger als 30 Leute entlassen, damit es keinen Soziaplan braucht.» Er frage sich, ob bald weitere Entlassungen folgen werden. Ansaldo-Geschäftsführer Jürg Schmidli will die Aussagen nicht kommentieren. Er hält aber fest: «Es sind keine weiteren Entlassungen geplant.»