Im Historischen Museum Baden ist noch bis zum Wochenende die Sonderausstellung «Aufbruch! Love, Peace und Frauenstimmrecht» zu sehen. Die Ausstellung blickt zurück in die bewegten Jahre rund um das Jahr 1968, als auch in Baden und in Birmenstorf die ersten Hippies auftauchten – und die Frauen endlich eine politische Stimme erhielten. Bevor die Ausstellung zu Ende geht, ermöglicht das Museum morgen Abend gemeinsam mit dem Theater im Kornhaus (ThiK) einen tiefen Einblick in die Anfänge der Badener Jugendbewegung.

Es war im Herbst 1960, als in der Kleinstadt Baden zum ersten Mal die Idee eines Jugendhauses aufkam. Hansueli Ruch hat die Geschichte in den Badener Neujahrsblättern sehr schön rekapituliert: Der Startschuss dafür kam von unerwarteter Seite. Der ehemalige BBC-Direktor, -Verwaltungsrat und Badener Ehrenbürger Max Schiesser war angetan von dem Gedanken eines eigenen Gebäudes für die Jungen und spendete 100'000 Franken – «für die Jugendlichen der Stadt Baden». Im Jahr darauf befürwortete der Stadtrat die Schaffung eines Jugendhauses. In der unteren Altstadt stieg das erste Haldenfest, von dem ein Teil des Erlöses auf ein Konto für das Jugendhaus floss. 1962 fand im Kornhauskeller in der Kronengasse eine erste Zusammenkunft der Jugendlichen statt. Im Juli desselben Jahres begann der Umbau des Kornhauses.

Das Schweizer Fernsehen filmte

Das riesige Haus an der Limmat war 1511 vom Agnesenspital als «Spitalmagazin» gebaut worden, später diente es als Kornhaus für die Badener Bürger und als Kaserne. Im Jahr 1947 wurde das Haus unter kantonalen Denkmalschutz gestellt, schon 1954 wurde hier das «ThiK» eröffnet.

Der Umbau zum Jugendhaus erregte in der ganzen Schweiz Aufmerksamkeit. Das Schweizer Fernsehen filmte, wie die Jugendlichen unter Anleitung von Handwerkern eigenhändig ihr neues Haus gestalteten. Ein Ausschuss unter dem Vorsitz von Stadtschreiber Victor Rickenbach koordinierte ab dem Frühling 1964 die Arbeiten in regelmässigen Sitzungen. Die Gemeindeversammlung sprach 200'000 Franken für den «Jugendhausfonds», der durch grosszügige Spenden der Badener Industrie und den Erlös eines zweiten Haldenfests aufgestockt wurde. Im August 1965 wurde das Jugendhaus dann feierlich eröffnet, zuerst mit einem Tanzabend für die Jugendlichen, eine Woche später mit einer gemeinsamen Feier mit Behörden und Donatoren.

Ab 1971 bespielte das Theaterkollektiv Claque das Kellertheater. Im Kornhaus fanden auch Kunstausstellungen statt, bis weit in die Siebzigerjahre galt das Badener Jugendhaus als Vorzeigemodell. Erst die Jugendunruhen der Achtziger brachten einen Bruch. Es herrschte nicht mehr dieselbe, optimistische Aufbruchstimmung, die Jugendszene veränderte sich. Ein von lärmgeplagten Nachbarn erstrittenes Musikverbot in der Kronengasse war der Todesstoss für das Jugendhaus.

Am Donnerstagabend blickt nun eine illustre Runde auf diese bewegte Zeit zurück, darunter etwa die Kulturjournalistin Sabine Altorfer, Architekt Adrian Meyer, Theatermacher Toni Kyburz und Schauspieler Hansrudolf Twerenbold. Es soll ein nostalgischer Anlass sein, der nicht zuletzt für die Jugendlichen von damals ein Zusammenkommen ermöglicht und Erinnerungen aufleben lässt. Den Abend moderieren ThiK-Co-Leiterin Nadine Tobler und die Leiterin des Historischen Museums, Carol Nater Cartier. Ab 21.30 Uhr tanzt man im ThiK zurück zu den Anfängen des Jugendhauses und des Theaters im Kornhaus.

In einer früheren Version dieses Artikels stand, der Einwohnerrat habe 200'000 Franken für den "Jugendhausfonds" gesprochen. Richtig ist, dass die Badener Gemeindeversammlung das Geld gesprochen hat. Der Einwohnerrat wurde erst 1972 eingeführt.