Ab morgen steht sie allen Künstlern definitiv zur Verfügung: die erste offene Bühne Badens, links unter dem Dach der Cordulapassage. Hier ist es ausdrücklich erlaubt, Darbietungen jeglicher Art öffentlich zu präsentieren —  und das, ohne Bewilligungen einholen zu müssen. Eine wird ständig auf der Bühne stehen: «Helga Zimmermann». Helga ist das «offene» Klavier, das von einem Ennetbadener Ehepaar gesponsert.

Die offene Bühne Baden ist ein gemeinsames Projekt der Stadt, der Ladenmieter der Cordulapassage und der City Com, der Innenstadt-Vereinigung der Badener Detaillisten (die AZ berichtete). Der für das Projekt verantwortliche Stadtrat und Kulturvorsteher Erich Obrist (parteilos) hat keine Bedenken, dass es am Klavier zu Vandalenakten kommen könnte: «Es ist mit Rollen ausgestattet und könnte ganz einfach weggeräumt werden. Doch wir sind Gutmenschen und geben den Menschen einen Vertrauensvorschuss.» Das Klavier wird zwar in der Nacht abgeschlossen, aber nicht speziell geschützt. Zudem ist die Cordulapassage videoüberwacht: «Die Videokameras sind bereits installiert», sagt Max Romann, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Baden.

Die Bühne wird mit einem kleinen Fest eröffnet, um zehn Uhr morgens: «Mit dem am Samstag stattfindenden Markt ist das eine gute Zeit für die Badenerinnen und Badener», findet Obrist. Zuerst spielt der Pianist Gregor Löpfe, der auch Mitglied der Badener Kulturkommission ist, auf dem «offenen Klavier». Danach steht die 19-jährige Gitarristin Elina Baumann aus Untersiggenthal auf der Bühne.

Festgelegte Zeiten

Die Zeiten, in denen die Bühne von der Öffentlichkeit genutzt werden darf, sind fix festgelegt: Von April bis Oktober von 14 bis 19 Uhr unter der Woche sowie freitags und samstags von 9 bis 20.30 Uhr. Im Winter sind die Spielzeiten verkürzt: jeden Nachmittag bis 18 Uhr und am Wochenende von 14 bis 19 Uhr. Sonntag ist «Ruhetag».

Maximal eine Stunde darf ein Auftritt dauern, der aber alles Mögliche beinhalten kann –  sei es für Musik, Tanz oder eine Vorlesung, aber auch als Diskussionsplattform, so wie sie der stadtbekannte Maler Kari Amsler gerne nutzen würde. Dies aber nur, so lange die Darbietung «niemanden beleidigt oder von politischen oder religiösen Gesinnungen überzeugen will». Das steht in einer Art Kodex, der auch bei der offenen Bühne nachzulesen sein wird. Dieser besagt ausserdem, dass kein Geld gesammelt werden darf und mobile Kleinverstärker mitgebracht werden dürfen.

Vorerst ein Pilotprojekt

Da es sich um ein Pilotprojekt handelt, werden sich die Beteiligten im Oktober wieder zusammensetzen, um die ersten Wochen Revue zu passieren und zu entscheiden, ob und wie es mit der offenen Bühne weitergeht.