Neujahrsblätter
Ein Schwerpunkt zum Jahr der Thermalbad-Eröffnung – und eine Vision für die Bäderstadt Baden

Die Badener Neujahrsblätter 2021 beleuchten «Baden in Baden» – rechtzeitig zum Jahr der Thermalbad-Eröffnung.

Philipp Zimmermann
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Archäologin Andrea Schaer mit dem Redaktionsteam: Sara Venzin, Nick Stöckli und Salome Egloff vor der Kurplatz-Baustelle. Es fehlt Benjamin Ryser. «Baden in Baden»: Die Badener Neujahrsblätter 2021.

Archäologin Andrea Schaer mit dem Redaktionsteam: Sara Venzin, Nick Stöckli und Salome Egloff vor der Kurplatz-Baustelle. Es fehlt Benjamin Ryser. «Baden in Baden»: Die Badener Neujahrsblätter 2021.

Bilder: Sandra Ardizzone

2021 wird für die Stadt Baden ein besonderes Jahr: Im Herbst wird das neue Thermalbad eröffnen. Gerade zum rechten Zeitpunkt ist nun die neue Ausgabe 2021 der Badener Neujahrsblätter in einem neuen Layout zum erschienen. Mit dem Thema «Baden in Baden». Das Buch beinhaltet eine Reihe von Beiträgen zu den Bädern, dem Baden und Menschen, die diese Geschichte mitgeprägt ­haben.

«Wir wollen einen Beitrag leisten zur Geschichte und zum Lebendighalten der Bäder», sagt Sara Venzin vom vierköpfigen Redaktionsteam. Salome Egloff, Nick Stöckli und Benjamin Ryser gehören dazu. Einen Artikel will Venzin den Leserinnen und Lesern besonders ans Herz legen. Es ist «Der lange Weg zum Bad» von Roman Huber. Er führt zurück zum beginnenden Niedergang während des Ersten Weltkriegs. Vor allem aber führt er aber vor Augen, wie mit Investor Benno Zehnder ab 2007 die Bäder-Erneuerung wieder in Gang kam und wie das Projekt nach und nach, in jahrelangem Ringen der beteiligten Kräfte, ein Gesicht erhielt und die Gestalt annahm, die es heute hat. «Wir schaffen mit diesem Artikel ein Zeitdokument, das Historiker in 20 oder 30 Jahren konsultieren können», sagt Venzin.

Andere Beiträge in neuen Ausgabe der Neujahrsblätter blicken weiter zurück. Sabina Roth beleuchtet medizinische Aspekte der Badekultur von einst bis heute, wie Kurgäste mit Aderlass oder Schröpfen auf Heilung hofften. Ursula Burgherr beleuchtet das «Bagno Popolare – Baden wie vor 2000 Jahren», das der Verein Bagni Popolari mit seinen «Guerilla-­Bädli» wiederbelebte. Ihre Vision der öffentlichen heis- sen Brunnen ist mittlerweile und bekanntlich in Baden und Ennetbaden geplant. Corinne Rufli lässt mit Franco De Nicola einen langjährigen Nachtwächter nicht nur von heimlichen Badegästen und Räubern, sondern auch vom langsamen Niedergang erzählen.

Archäologin Andrea Schaer mit zwei Beiträgen

Andrea Schaer, die profunde Kennerin und Leiterin der archäologischen Grabungen im Bäderquartier, hat gleich zwei Beiträge beigesteuert. In «Und plötzlich lag es vor uns!» erzählt sie von der legendären Wiederentdeckung des Verenabads im Kurplatz am 18. Mai 2020. «Arbeiter öffneten den Graben für eine neue Thermalwasserleitung (...) Nach wenigen Metern und kaum sechzig Zentimeter unter dem Teerbelag des Kurplatzes kam ein Bauwerk aus massivem römischem Beton zum Vorschein, dass sich bald als römisches Badebassin entpuppte.»

Andrea Schaer stellt in ihrem zweiten Beitrag «Der Wissensquell. Ein Plädoyer für das Badener Badewissen» eine Vision in den Raum. Neue Erkenntnisse wie jene der archäologischen Grabungen werden in den nächsten Jahren in wissenschaftlichen Publikationen Eingang finden. «Aber was bleibt von diesem nicht publizierten kulturgeschichtlichen Wissen?», fragt sie im Text. «Was geschieht mit den neuen Erkenntnissen der Geologen und Baugrundstatiker? Wo bleibt das Praxiswissen, Know-how und die Erfahrung der anderen Beteiligten?» Schaer befürchtet, dass die grosse Masse der Erkenntnisse in Akten und Berichten, abgelegt in Archiven von Firmen und Institutionen, verstauben werden. Sie erhofft sich eine «nachhaltige Bewirtschaftung der Ressource Bäderwissen». Und so stellt sie auch die Fragen in den Raum, ob nicht gerade jetzt der richtige Moment wäre, um in Baden mit seiner Geschichte und seinem Namen ein interdisziplinäres Bäder-Kompetenzzentrum aufzubauen.

«Baden in Baden»: Badener Neujahrsblätter 2021. Verlag Hier und Jetzt. 240 Seiten. 25 Franken.