Baden

Ein Sommertheater ums Lügen, das riesig Spass macht

Das kleine Sommertheater der Compagnia Teatro Palino präsentiert «Die Lügner». Es ist ein doppeltes Stück im Stück, weil jeder Schauspieler zwei Rollen übernehmen muss. Ein geistvoller Klamauk für die Zuschauer.

Wer am Freitag dem 13. der überschwänglichen Euphorie um das runde Leder entfliehen wollte, war an der Premiere des kleinen Sommertheaters unter offenem Himmel in der St. Niklausstiege bestens bedient. Abseits des Trubels tauchte der Zuschauer ein ins Venedig des 18. Jahrhunderts. Die Berliner Regisseurin Katharina Holler inszenierte das italienische Lustspiel von 1750 – die hohe Zeit der Commedia dell’Arte – mit historischen Kostümen, Masken und Musik, turbulenten Fechtszenen, grimassierender Mimik und betont körpersprachlichem Spiel.

Carlo Goldoni spielt in seiner Komödie mit einer Versuchung, die so alt ist wie die Sprache selbst. Lügen tun wir alle hin und wieder, etwa aus Höflichkeit, um Konflikten auszuweichen oder schlicht, um besser dazustehen. «Die platte, rohe Wahrheit ist klein. Schliesslich sind es die Lügen, die nach Kreativität und Fantasie verlangen. Erst in den Lügen schöpft man aus sich selbst», erklärt Stella Luna Palino die Philosophie des Stücks. Die Reflexion über die Hochstapelei wird im Theater besonders produktiv, sind sie doch so etwas wie wesensverwandt. Beide leben von der Illusion, vermischen Fiktion und Realität, um der Wahrheit voraus zu sein.

Geistvoller Klamauk

Das Stück beginnt damit, dass sich die Schauspieler weigern, mit dem vielen Gepäck noch weiter hinauf zu laufen und ihrem Theaterregisseur Xavier Mestres Emilio bedeuten, einfach hier, an diesem Ort zu spielen, wo sich zufälligerweise bereits ein Publikum eingefunden hat. Geplant ist das Charakter- und Sittenspiel «Die Lügner». Da jedoch das Original doppelt so viele Schauspieler vorsieht, müssen alle Schauspieler gleich zwei Rollen übernehmen.

Der geistvolle Klamauk entpuppt sich als doppeltes Stück im Stück, in welchem jeder der fünf Schauspieler gleich drei Rollen übernimmt – nämlich zwei Rollen des einzuübenden Stücks und die «Nicht»-Rolle des Schauspielers. Die Lüge wird so durch die doppelte Brechung des Stücks in ihrer Doppelbödigkeit auf die Bühne projiziert.

Michael Fuchs spielt gleichzeitig Florindo und seinen Gegenspieler Lelio Pantalone. Während der schüchterne Medizinstudent Florindo schon seit langem die Tochter seines Lehrers, Herrn Dottore (gleichzeitig Regisseur Xavier Mestres Emilio und Arlecchino), Rosaura (Isabelle Küng und Brighella), aus der Ferne verehrt und ihr ohne signum Geschenke, Ständchen und Liebesbriefe zukommen lässt, ist es der erst kürzlich nach Venedig gekommene Lelio, der sich als jener geheimer Liebhaber ausgibt, um Rosaura ohne grosse Anstrengung für sich zu gewinnen. Er stellt sich als edler Herr Marchese vor, und täuscht die Doktorstochter über seine einfache Herkunft.

In seinen fantastischen Lügen verstrickt er sich immer tiefer – und wird schliesslich als Hochstapler überführt. Richtig komisch wird es, wenn die Schauspieler in Rollenkonflikte geraten, etwa in der falschen Rolle auftreten oder sogar das Spiel auf die Ebene der Spielenden selbst verlagern. So werden die angeblich verzwickten und komplizierten Beziehungen der Schauspieler untereinander offenbart. Das Theater erfordert präzises Zusammenspiel und macht riesig Spass.

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