Neukonzessionierung

Ein Stück Industriegeschichte geht zu Ende: Das Oederlin-Kraftwerk muss den Betrieb einstellen

Das Kraftwerk Oederlin wird nach 162 Jahren abgestellt.

Das Kraftwerk Oederlin wird nach 162 Jahren abgestellt.

Das Wasserkraftwerk Oederlin, das einst das Badener Grand Hôtel versorgte, kann sich Auflagen für eine Neukonzessionierung nicht leisten.

Vor 162 Jahren wurde das Wasserkraftwerk Oederlin in Betrieb genommen. Mehrfach saniert, leistet es noch heute einen kleinen Beitrag zur Stromproduktion in der Region Baden. Aber nur noch bis Ende Jahr: «Das Kraftwerk wird ab dem 1.Januar nicht mehr in Betrieb sein», teilt die Besitzerin, die Oederlin AG, auf Facebook mit. Man bedaure diesen Schritt sehr.

Der Grund für die Stilllegung: Eine Neukonzessionierung wäre nötig, doch mit zu vielen Auflagen beziehungsweise finanziellem Aufwand verbunden. Das Kraftwerk konnte sich seit dem 19. Jahrhundert auf ein ewiges, sogenanntes ehehaftes Wassernutzungsrecht berufen. «Nun wurde diese Konzession aus dem Jahr 1898 von der Regierung auf Ende 2020 entzogen. Die Massnahmen, welche durchgeführt werden müssten, um dieses Kraftwerk weiter zu betreiben, übersteigen unsere finanziellen Möglichkeiten», heisst es in der Facebook-Mitteilung. Auch grosse Stromkonzerne seien für einen Weiterbetrieb angefragt worden, «aber auch diese sahen leider keine Möglichkeit mehr, das Kraftwerk unter diesen Umständen weiter wirtschaftlich zu betreiben», teilt die Oederlin AG mit.

Thomas Schmid, Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident, präzisiert: «2011 trat die neue Gewässerschutzverordnung des Bundes in Kraft. Demgemäss können wir uns nicht mehr auf das ewige Wassernutzrecht berufen.» Schmid führte Verhandlungen, konnte noch eine Hand voll Jahre herausbedingen, in denen das Kraftwerk betrieben werden konnte.

Wie weiter mit dem Zeugen der Industriegeschichte?

2016 flatterte bei der Oederlin AG eine Verfügung des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt ins Haus: «Darin hiess es, wir müssten uns um eine Neukonzessionierung bewerben», sagt Thomas Schmid. «Ein Kraftakt, den wir nicht stemmen können, und dessen Wirtschaftlichkeit bei weitem nicht gegeben ist. Sehr bedauerlich, dass die Hürden für den Betrieb eines Kraftwerks, das sauberen Strom liefert, so hoch sind.»

Das Kraftwerk ist für die Industriegeschichte der Region Baden von einiger Bedeutung. 1858 erhielt Karl Oederlin die Bewilligung zum Bau einer mechanischen Werkstatt und deren Betrieb mittels zwei Wasserrädern. Ab 1882 versorgte das Wasserrad auch das Grand Hôtel in Baden. 1896 wurde das Wasserrad zu einem eigenen Kraftwerk ausgebaut, um mit der Elektrifizierung der Fabrikationsanlage die Produktion stark steigern zu können. 1974 wurde das Kraftwerk stillgelegt, ehe 1995 die Wiederinbetriebnahme erfolgte. Aktuell hat die Oederlin AG das Kraftwerk an die Betreiberin Axpo verpachtet.

«Wer glaubt, man könne das Kraftwerk nun einfach abstellen, und dann sei die Arbeit getan, irrt gewaltig», sagt Schmid. Die Anlage muss so gesichert werden, dass keine Schadstoffe in die Limmat gelangen, der Wasserstand im Ober- und Unterwasserkanal etwa gleich bleibt und die Fischgängigkeit optimiert wird. Gleichzeitig soll das Kraftwerk aus Sicht der Denkmalpflege und der Oederlin AG möglichst original für die Nachwelt erhalten bleiben.

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