Fislisbach

Ein Syrier im Aargau berichtet über die Lage in seiner Heimat

Pater Georges Aboud kam für ein Gespräch nach Baden. corinne rufli

Pater Georges Aboud kam für ein Gespräch nach Baden. corinne rufli

Pater Georges Aboud aus Syrien wird im Gottesdienst am Freitag in Fislisbach über die bürgerkriegsähnliche Lage seines Landes Syrien berichten und betont: «Es ist schon ganz anders hier.»

«Ich bin vor wenigen Tagen direkt von Syrien in die Schweiz gekommen. Es ist schon ganz anders hier – man sieht, wie die Leute in Ruhe und in Frieden leben. Es tut weh, dass ich in meinem Land nicht in Frieden leben kann», sagt Pater Georges Aboud. 

Pater Aboud aus Syrien erzählt in Fislisbach über die momentane Situation in seinem Land

Pater Aboud aus Syrien erzählt in Fislisbach über die momentane Situation in seinem Land

Der Ordensmann der melkitisch-griechisch-katholischen Kirche lebt seit elf Jahren in Damaskus, wo er als Pfarrer arbeitet. Er besucht – auf Einladung des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not – verschiedene Pfarreien in der ganzen Schweiz. Der gebürtige Libanese leitet während des zehntägigen Aufenthalts neun Gottesdienste. In Vorträgen berichtet er über die aktuelle Situation in Syrien und informiert über das Schicksal der Christen.

Alltag leben, trotz Schiessereien

«Es hat sich vieles verändert in Syrien. Wir versuchen, den Alltag zu leben, weiter zu arbeiten», sagt Pater Aboud. Die Situation beunruhige alle. Man wisse nicht, wie es am nächsten Tag – oder sogar noch am gleichen Tag – weiter gehe. «Im März ist unweit meiner Kirche eine Autobombe explodiert.» In der Stadt höre man Tag und Nacht Schiessereien von den Kämpfen zwischen Opposition und Armee.

Im islamischen Land Syrien leben zwischen 10 bis 15 Prozent Christen. Unter dem Regime von Baschar al-Assad konnten sie ihre Religion weitgehend frei ausüben – viele Christen hielten sich demnach mit Kritik an der Regierung zurück. Aufständische wie auch das Assad-Regime wollen die Christen auf ihre Seite bringen, was diese in eine schwierige Lage bringt.

«Unser Leben in Syrien war immer ein Miteinander. Auch wenn Differenzen zwischen Christen und Muslimen bemerkbar sind», sagt Aboud. Vor einer Radikalisierung der Muslime in Syrien habe er Angst: «Ich kann aber nicht abschätzen, wie gross die Gefahr ist.» Die Situation sei so unklar, es gebe viele Gruppen und viele Ideen. Jede Veränderung berge Vorteile und auch Gefahren. Aboud: «Man weiss nicht, wie es sich entwickeln wird. Wir hoffen, dass etwas Gutes kommt und alle Bürger wieder in Frieden leben können – wie früher.»

Gottesdienst mit Pater Aboud, Fislisbach. Pfarrei St. Agatha, Fr, 12. Oktober, 9 Uhr.

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