Ehrendingen

Ein Vermittler zwischen Volk und Behörden verabschiedet sich

Markus Schneider.

Markus Schneider.

Nach 37 Amtsjahren wird Gemeindeschreiber Markus Schneider pensioniert. Nun will er sich den spanischen Eroberungen in Südamerika und den britischen Kolonien widmen.

«Dort hat mein Schreibtisch gestanden», sagt Markus Schneider und weist in eine Ecke. Im «Schul- und Gemeindehaus Ober-Ehrendingen 1838», wie über dem Portal steht, haben sich Mitglieder des Gemeinderates mit Ammann Renato Sinelli und Mitarbeitende der Verwaltung versammelt. Auch Markus Schneiders Gattin Monika hat sich eingefunden. Auf einem Tisch liegt ein Puzzle. Dieses Puzzle, das den Raum zeigt, als er noch als Kanzlei diente, hat Markus Schneider zu vervollständigen. Es ist die erste Aufgabe auf einem Stationenweg zu den Arbeitsplätzen von Markus Schneider, den sich die Mitarbeitenden der Verwaltung zu seiner Verabschiedung ausgedacht haben.

In diesem Raum hat Markus Schneider am 1. Juli 1976 das Amt des Gemeindeschreibers angetreten. Nach einer Lehre auf der Gemeinde Gebenstorf und einem Abstecher zur Verwaltung von Spreitenbach hatte Markus Schneider, der in Würenlingen aufgewachsen ist, vorerst in die Privatwirtschaft gewechselt. So arbeitete er in Lausanne bei der Reederei Suisse-Atlantique S.A. «Ich war dort beim service d’équipage auch für die Lohnabrechnungen für die Schiffsbesatzungen zuständig», sagt er. «Aus dieser Zeit ist mir das Interesse an der Seefahrt geblieben.»

«147 Stenoblocks – beidseitig»

Als Markus Schneider sein Amt in Ober-Ehrendingen antrat, zählte die Gemeinde rund 1500 Einwohner. «An seinem ersten Arbeitstag», erzählt Ammann Renato Sinelli, «waren nur er und die Lehrtochter auf der Kanzlei. Gegen Mittag rief der damalige Gemeindeammann an und fragte: Hast Du gesehen, was zu tun ist?»

Zu tun gab es im Lauf der Jahre einiges. Markus Schneider hat die Entwicklung und den Zusammenschluss der beiden Ehrendingen zu einer Gemeinde mit heute rund 4500 Einwohnern hautnah erlebt. Er hat in dieser Zeit nicht nur 147 Stenoblocks beschrieben – «beidseitig», wie er an der Gemeindeversammlung sagte –, sondern auch an 77 Gemeindeversammlungen und 1360 Sitzungen des Gemeinderates Protokoll geführt.

«Ich habe das gerne gemacht», erklärt er. «Ich habe es geschätzt, als Gemeindeschreiber dem Gemeinderat, aber auch der Bevölkerung dienen zu können. Dabei bin ich oft in Konflikt geraten, wenn man aus der Bevölkerung mit Vorstellungen zu mir gekommen ist, die nicht denen der Behörden entsprochen haben. Ich habe es geschätzt, als Vermittler für die Leute da zu sein.»

Natürlich lässt Markus Schneider nicht locker, bis das Puzzle vervollständigt ist. Auf der zweiten Station stellt er beim Schreiben einer Urkunde sein Talent als Kalligraf unter Beweis und auf der dritten Station seine Fertigkeit auf der Adler Triumph, der elektrischen Schreibmaschine seligen Angedenkens. Dem Schritt in den Ruhestand steht jedenfalls nichts im Wege. «Alle sagen, dass sie reisen werden, wenn sie in Pension sind», sagt er zu seinen Plänen. «Ich nicht. Ich will mich in die Geschichte der spanischen Eroberungen in Südamerika und der britischen Kolonien vertiefen. Zudem ist da ein Garten. Ich muss einfach aufpassen, dass das Gras wächst, bevor ich es auszupfe.»

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