Badener Gin

Ein Wacholdergott, ein Architekt und Badens erster Gin: Der «5400»-Gin ist eine Liebeserklärung an die Stadt

Das Team der 5400 Manufaktur GmbH: Oliver Honegger, Merlin Kofler, Oscar Martin und Stefan Wetzel.

Das Team der 5400 Manufaktur GmbH: Oliver Honegger, Merlin Kofler, Oscar Martin und Stefan Wetzel.

Nach vielen Bauten hat der Architekt Stefan Wetzel nun einen Gin entworfen: Der «5400»-Gin ist eine Liebeserklärung an die Stadt Baden. Angereichert mit Schätzen aus der Goldwand ist das Produkt fest mit der Region verbunden.

Stolz, aber auch etwas grimmig dreinblickend, prangt er auf der blauen, bauchigen Flasche. Dieser der Fantasie entsprungene und mit Lorbeeren umkränzte römische Gott mit dem äusserst komplizierten Namen «Juniperus Aquae Vitaeus». Um einiges müheloser windet sich die darunter eingeritzte Bezeichnung ins Gedächtnis: «5400 – Badener Dry Gin».

Doch so einprägsam diese Bezeichnung auch ist, so viele Fragen wirft sie auch auf. Ein Gin aus Baden? Kann das funktionieren? Und vor allem: Wer hat sich an dieses Projekt gewagt? Dass es auf dem Gebiet der Gastronomie kein Unbekannter ist, wird schnell klar. Architekt, Hotel- und Restaurantbesitzer Stefan Wetzel steckt hinter der im vergangenen Jahr gegründeten «5400 Manufaktur». Der Wunsch nach einem eigenen Gin schlummerte schon lange in ihm.

«Die Rohprodukte sind hier in Massen vorhanden»

«Ich spaziere oft durch die Weinberge in Ennetbaden. Dort existiert eine extreme Fauna. Die Rohprodukte sind hier in der Gegend in Massen vorhanden, Es darf gar nicht sein, dass Baden keinen Gin hat», sagt Wetzel. Inspiriert durch die Schätze der Goldwand macht sich der 53-Jährige alsdann auf die Suche nach einem geeigneten Produzenten.

Dass dieser erfahren und mehr als nur ein Hersteller sein soll, steht von Anfang an fest. In der Firma «Turicum Distillery» findet Wetzel einen starken Partner – noch besser, dass dort mit Oscar Martin ein alter Bekannter waltet. «Wir haben beschlossen zusammenzuspannen. Sie haben ihre drei oder vierjährige Erfahrung, ich mein Konzept und die regionale Verankerung», so Wetzel. Gerade auf Letzteres setzt er schliesslich besonders: «Ich bin ein totaler Baden-Fan, die Stadt ist mir wichtig. Sie hat eine Eigenständigkeit, das passt zum Produkt.»

Die perfekte  Mischung?

Der Bezug zu Baden wird in der alkoholischen Liebeserklärung an die Stadt schon im Namen sichtbar. 5400 ist die Postleitzahl der Stadt. Ist Heimat und Geborgenheit. Eine Zahlenkette, die auf kleiner Fläche eine grosse Geschichte erzählt. Die eines Elixiers, das auf ewig mit seinem Ursprungsort verbunden ist. «Ein Gin so elegant, charmant und ehrlich wie die Bewohner seiner Stadt», wird die durchsichtige Flüssigkeit auf der firmeneigenen Website beschrieben – so viel zum Thema Baden.

Aus der Postleitzahl der Stadt lässt sich die Quersumme neun ableiten. Genau so viele sogenannte Botanicals sind es, die für das alkoholische Getränk vereint wurden – so viel zur Quersumme. Die perfekte Mischung? Wacholder, Hagenbutte, Pimentkörner, Koriandersamen, Zitronengras, Wildrosenblätter, Fichtenspitzen, Heublume und Mädesüss. Die Einschränkung auf neun statt zwölf Botanicals hat die Jagd nach der makellosen Formel um einiges erschwert.

«Damit es harmonisch ist, muss alles fein abgestimmt sein. Es ist ein langer Prozess. Es wird getüftelt, ganz kleine Mengen destilliert, das eine dazugemischt, das andere weggelassen», so Wetzel. Im «London-Dry-Verfahren» – einer Technik, bei der auf mehrfach gebrannten und mit einem einzigen Aufguss versetzten Ethylalkohol zurückgegriffen wird – entstand schliesslich Badens erster Gin. Ein Getränk, das nun rege in den ortsansässigen Lokalen und Behausungen genossen werden soll, so unter anderem im «Restaurant Lemon», in dem seit kurzem eine mit 54 Gins bestückte Bar steht.

Mehr als nur ein Hobby

Die Herstellung des alkoholischen Getränks soll schliesslich nicht bloss ein Hobby sein, der Badener «5400» mehr als nur ein Erzeugnis, das man im Freundeskreis herumreicht. «Wir möchten ein Produkt machen, das es auch in fünf oder zehn Jahren noch gibt. Wir denken langfristig», sagt Wetzel. Noch steckt sein «Juniperus Aquae Vitaeus» in Kinderschuhen. Auf dass den Wachholdergott mit dem komplizierten Namen bald alle kennen.

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