Ennetbaden

Ein Weltenbummler ist tot: Kater Carlo wurde 22 Jahre alt

Der reinrassige Siamese Carlo hat in seinem fast 22 Jahre langen Rekord-Leben zwei Tierärzte überlebt. Geboren in Madrid hat er lange in Düsseldorf gelebt, bis er nach Ennetbaden in Pension kam.

«Unser Kater ist bestimmt der Älteste in der ganzen Region», so meldete sich Christian Bächli aus Ennetbaden auf der Redaktion. Carlo, heisse der reinrassige Siamese, geboren am 6. Dezember 1993 in Madrid, Besitzer eines internationalen Impfpasses für Katzen.

Dass Katzen älter 20 Jahre werden, sei tatsächlich äusserst selten, bestätigt Tierarzt Christian Oschwald. «Eine Katze gilt mit zwölf Jahren als alt.» Umgerechnet in Menschenjahre dürfte Carlo um die 110 Jahre alt gewesen sein.

Zwei Tage nach Bächlis Telefon — kurz vor dem Interviewtermin — die traurige Botschaft: «Carlo ist in der Nacht in seinem Bettchen gestorben», sagt Iskra Bächli. Richtig schön habe er sich hingelegt und ausgesehen, als ob er schlafen würde.

Carlo war ein Charaktertier: «Wann immer von ihm die Rede war, spitzte er die Ohren», sagt Iskra Bächli. «Keine Katze hat sich in seine Nähe getraut», sagt ihr Mann.

Über all die Jahre fügte sich Carlo in den Kreis der Familie ein. «Durch seinen Tod fehlt nun ein Stück in diesem Kreis. Das tut weh», sagt Iskra Bächli. «Und macht uns sehr traurig», fügt ihr Mann hinzu.

Der Siamese mit den blauen Augen kam im Alter von einem Monat zur Familie. Er wurde in Madrid geboren und viel zu früh von seiner Mutter getrennt. Die Familie hat ihn mit dem Fläschchen grossgezogen.

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Carlo in Düsseldorf beim Sohn der Bächlis: an einer befahrenen Strasse im sechsten Stock. Sein Revier waren die Dächer, die Nachbarn kannten den Kater als Pfannkuchen-Dieb. Jedes Jahr fuhr Carlo mit seiner zweibeinigen Familie nach Kroatien ans Meer – insgesamt 21-mal.

Sein letztes Zuhause in Ennetbaden kannte er lange nur von Besuchen. Aber als der Sohn der Bächlis Kinder bekam, wurde ihm Carlo zu gefährlich. Der Siamese war ein Kampfkater, der seine Besitzer blutig kratze und biss, wenn ihm etwas nicht passte. Deshalb kam er mit 17 Jahren zu den Bächlis nach Ennetbaden in Pension.

Totgeglaubter Schmusetiger

Dort erwarteten ihn ein grosser Garten, eine Sonnenterrasse und die Weinberge gleich vor der Haustüre. Carlo schien das wenig zu beeindrucken. Kaum eingezogen, verschwand er.

«Wir dachten, er habe sich zurückgezogen, um zu sterben, weil es ihm hier nicht passt», sagt Christian Bächli. Eine Nachbarin fand den Streuner schliesslich. Seit diesem Ausflug sei er nie mehr weggelaufen.

Der Kämpfer entwickelte sich zudem in einem Benimmkurs bei seinem Herrchen zu einem liebevollen Tier, das sich ausgiebige Streicheleinheiten gefallen liess und genoss.

Die Bächlis hatten viele Haustiere; und alle hat Carlo überlebt. Dasselbe gilt für zwei seiner Tierärzte. Christian Bächli hätte gerne wieder ein Haustier, auch wenn er weiss, dass es Carlo nie ersetzen könnte. Für seine Frau ist aber klar: «Wir sind zu alt. Was, wenn das Tier wieder 20 Jahre lebt?»

Die älteste Katze in der Region ist gestorben. Haben Sie nun vielleicht die Älteste bei sich zu Hause? Schreiben Sie uns in den Kommentaren.. 

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