Ueli Kestenholz steht auf dem schmalen Grat eines Berges in Alaska, sein Brett ragt auf beiden Seiten in die Luft hinaus, fast senkrecht geht es links und rechts hinunter. Dann stürzt sich der Mann mit den langen blonden Haaren in die Tiefe, in den unberührten Hang, er zieht eine erste Spur in den Pulverschnee, und schon gleitet er rasend schnell dahin.

Hinter ihm wirbelt der Schnee in die Luft, vor ihm glitzern die Schneekristalle in der Sonne. Während er den Zuschauern in Baden dieses Video zeigt, sagt Ueli Kestenholz: «Solche Freeride-Augenblicke sind mehr wert als jeder WM-Titel.»

Kestenholz möchte seine Leidenschaft teilen

Was aber motiviert einen Profi-Sportler, aus den verschneiten Bergen ins verregnete Baden zu reisen und hier einen Vortrag zu halten? «Es macht mir grosse Freude, den Leuten einen Einblick in mein Leben zu geben und meine Leidenschaft zu teilen», sagt der 36-Jährige.

Ueli Kestenholz stürzt sich den Berg hinunter

Ueli Kestenholz stürzt sich den Berg hinunter

Sein neues Leben als Freerider hat Kestenholz 2006 begonnen. Vorher fuhr er mehrheitlich Wettkämpfe – zwei Mal wurde er Weltmeister im Riesenslalom, an den Olympischen Spielen in Nagano 1998 holte er die Bronze-Medaille. Danach fuhr er oft in der Halfpipe, ehe er 2006 an den Olympischen Spielen in Turin in der Disziplin Boardercross an den Start ging. Doch dann hatte Kestenholz genug davon, der Schnellste, der Beste sein zu müssen, er hatte keine Lust mehr auf Kampfrichter und Pistenbegrenzungen.

Er entschied sich für die ruhige Welt in den einsamen Bergen, seither reist er in die Türkei, nach Chile, nach Alaska und lässt sich filmen bei seinen waghalsigen Fahrten. «Man entwickelt einen Instinkt und wird in einer brenzligen Situation extrem wach. Man lernt, nicht in Panik zu geraten», sagt er. Amateure, warnt er, sollten sich auf keinen Fall in unberührte Hänge wagen ohne gutes Know-how.

Zwei Extremsportler-Freunde hat er verloren: Basejumper Ueli Gegenschatz und Speedflyer Mathias Roten. Kestenholz, der auch diese Sportarten betreibt, macht weiter mit Extremsport. «Meine Freunde hätten dies gewollt», sagt er. Und seine Worte beim Vortrag machen klar: Das magische Gefühl in den Bergen lässt ihn nun mal so schnell nicht mehr los.