Und doch: Ernst Hofstetter, Veranstalter für den Verein Kulak, strahlt übers ganze Gesicht. Es sei ein grossartiger Event. Was für eine Band! Was für Musik! Was für ein Glück, einen Musiker von Weltformat hier in Baden zu haben!

Tatsächlich: Tim Collins gilt als eines der weltgrössten Talente am Vibrafon. Doch er nimmt den dürftigen Aufmarsch gelassen. Für ein Konzert in Zürich und eines in Baden hat der Amerikaner extra eine Band zusammengestellt. Die Musiker kommen aus Deutschland und England. «Es geht nicht um die Menge der Leute, es geht um die Begeisterung und um die Freude an der Musik», sagte Collins.

Jazz-Front: Es passiert Spannendes

Tim Collins weiss, wen er anspricht. Modern Jazz ist keine Populärmusik; Baden kein Jazz-Mekka. Das Publikum besteht aus Kennern und Geniessern, die sich auf einen Abend des aktiven Zuhörens und des musikalischen Mitdenkens einlassen.

Collins – kein Showman, eher schüchtern – bearbeitet die Panels öfter gleich mit vier Schlegeln. Die Töne sitzen nicht nur, sondern fügen sich dynamisch ins Klangbild seiner Band ein. Matthias Bublath (Piano) spielt fein, unaufdringlich und präzise. Es gelingt ihm in einem eleganten Spagat, dem Vibrafon Stütze zu sein und ihm gleichzeitig Raum zur Entfaltung zu geben. Michael Janisch (Bass) und vor allem Paul Wiltgen (Drums) leisten subtile Arbeit, wenn es leise wird.

Die Band spielt in Halbstunden-Sets und geht dann unter die Leute. «Gerade eben passiert Spannendes an der Jazz-Front», sagt Ernst Hofstetter mit Blick auf die junge Band. «Jetzt kommen die Schüler der grossen Jazz-Legenden und machen ihr eigenes Ding.» Es sei faszinierend, wie sie die Musik veränderten. Den jungen Virtuosen obliege es auch, dem Jazz seine nachgesagte abgehobene Aura zu nehmen. Tim Collins trägt seinen Teil dazu bei.

Kein Boom, aber wichtige Vielfalt

Der Verein Kulak, eine Interessengemeinschaft von Jazzfreunden, pflegt das Jazz-Pflänzchen in Baden mit Erfolg. Mit ein, zwei Konzerten ist man vor zwei Jahren in die Stadt gekommen. Heute veranstaltet Kulak in der Stanzerei einmal im Monat Jazz, unterstützt von den Gemeinden Wettingen und Baden und vom Aargauer Kuratorium. Einen Boom wird Kulak vielleicht nicht auslösen. Aber Menschen wie Ernst Hofstetter reissen die Pop-Monokultur wohltuend auf und sorgen für bunte Vielfalt mit hoher Qualität in der Badener Kulturszene.