Zwar sagte das Zürcher Stadtparlament vergangene Woche Ja zum neuen Fussballstadion auf dem Hardturmareal; und voraussichtlich im November werden die Stadtzürcher an der Urne über das umstrittene Projekt abstimmen. Entstehen könnte in der Stadt ein Fussballstadion für 18'000 Zuschauer, daneben zwei Hochhäuser mit 600 Wohnungen und eine Genossenschaftssiedlung mit 175 Wohnungen. Weil in Zürich schon mehrfach Stadionprojekte abgelehnt wurden, wollen zwei Zürcher CVP-Politiker rechtzeitig neue Ideen prüfen: Der Dietiker Kantonsrat Josef Wiederkehr und Nationalrat Philipp Kutter haben in einem Postulat den Zürcher Regierungsrat dazu aufgefordert, Alternativstandorte für das Stadion zu suchen, die ausserhalb der Stadt liegen. «Damit wir nicht vor einem Scherbenhaufen stehen, wenn das jetzige und das vermutlich vorläufig letzte Projekt scheitert», so Kutter.

«Rangierbahnhof soll verschwinden»

Als Alternativstandort für das Fussballstadion haben die Politiker den SBB-Rangierbahnhof vorgeschlagen, der sich auf Gemeindegebiet sowohl von Dietikon ZH als auch von Spreitenbach AG befindet. Spreitenbachs Gemeindepräsident Valentin Schmid (FDP) steht der Idee grundsätzlich positiv gegenüber. «Wir sind unzufrieden mit dem Rangierbahnhof, vor allem nachts sind wir stark vom Lärm betroffen. Eigentlich braucht es diesen gar nicht mehr, das müssten nur auch die SBB noch erkennen.» Für Spreitenbach stehe fest: «Wir wären glücklich, wenn der Rangierbahnhof verschwinden würde. Und was auch immer an seiner Stelle entsteht: Die Situation kann sich aus unserer Sicht nur verbessern.»

Für ein Stadion wäre die Fläche gut geeignet, glaubt Schmid. «Dank der Limmattalbahn wäre das Stadion auch verkehrstechnisch gut angeschlossen.» Wichtig wäre, dass auch noch eine zusätzliche S-BahnHaltestelle in Betrieb genommen würde. Zudem müsste mit einem Masterplan geklärt werden, wie die restliche Fläche genutzt werden könnte. «Allenfalls würde ein Park Sinn machen, denkbar wäre auch eine Mantelnutzung oder Wohnungen», sagt Schmid.

Dass das Limmattal als Standort für ein Stadion der beiden Zürcher Fussballvereine diskutiert werde, habe zweifellos mit der wachsenden Bedeutung dieser Region zu tun. «Die geplante Limmattalbahn hatte bereits einen Investitionsschub zur Folge. Es entstehen unter anderem ein Kino-Komplex und ein Hilton-Hotel in Spreitenbach. Unsere Region und Gemeinde gewinnen an Attraktivität», sagt Schmid. Dass die Lebensqualität für die Einwohner Spreitenbachs durch ein Stadion sinken würde, glaubt er nicht: «Wir verfügen über viel Grünräume und Naherholungsgebiete. Ein Stadion könnte unsere Region bereichern.» Nicht zuletzt könnten auch Gastronomie und Hotellerie profitieren.

Fanclubs der beiden Super-League-Vereine GC und FCZ haben sich bereits mit der Idee eines Stadions im Limmattal befasst – und könnten offenbar gut damit leben: Der Rangierbahnhof sei im Gegensatz zum Hardturm ein neutrales Gelände, das weder von GC noch vom FCZ vorbelastet sei, sagte Markus Imbach, Präsident des FCZ-Fanclubs Letzi, gegenüber «20 Minuten».