Bergdietikon
Ein Zuhause für Drachen, Kellerasseln und gefrässige Mäuse

Verena Rapold hat sich in den letzten 31 Jahren einen wilden Garten geschaffen. Ihr wildes Reich erstreckt sich über 2200 Quadratmeter. Es kreucht und fleucht und lebt, wohin man auch blickt.

Katja Landolt
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Vielleicht lockt der Blechspatz Artgenossen an
10 Bilder
Verena Rapold hat sich in den letzten 31 Jahren einen wilden Garten geschaffen
In Verena Rapolds Garten blüht nun alles auf einmal
Hunderte kleiner Kaulquappen tummeln sich im Biotop
Ein schlauer Vogel hockt im Geäst
Ein Kriechender Günsel guckt aus dem grünen Teppich
Die Magnolie steht in voller Blüte
Bald blühen auch die Glyzinien und die Rosen über der Bank
Besucher sind in Verena Rapolds Garten willkommen
Der Fieberklee sieht aus wie eine Zauberblume

Vielleicht lockt der Blechspatz Artgenossen an

Annika Bütschi

Wie Schneeflocken taumeln die Birkensamen durch die Luft, die Blumen recken ihre bunten Köpfchen aus dem grünen Teppich, der sich in allen Schattierungen durch den gesamten Garten zieht.

Im Biotop liegen schwarze Kaulquappen, prall und unbeweglich, wie Backerbsen in der Bouillon. Verena Rapold wischt sich eine Strähne aus der Stirn, atmet tief ein. Das ist ihr Paradies, ihr wildes Reich über 2200 Quadratmeter, das sie in den vergangenen 31 Jahren rund um ihr Haus geschaffen hat.

1981 hat das Ehepaar Rapold diesen Flecken Erde im Gebiet Kindhausen in Bergdietikon gekauft, 1982 war das Haus bezugsbereit. Sie habe sich immer einen Garten gewünscht, sagt Verena Rapold.

Aber für dieses Paradies habe es viel Einsatz und Geduld gebraucht. «Als wir damals das Land kauften, war hier nur eine Wiese. Und noch nicht einmal eine schöne.»

Es kreucht und fleucht und lebt

Der Garten ist ein Sammelsurium an Pflanzen, Sträuchern, Bäumen. Dazwischen stehen Sitzbänke, mal versteckt im Schatten, mal unter einem Bogen aus Glyzinien und Rosen, verteilt im Grün findet man ausserdem kleine Figuren; eine Meerjungfrau, einen Frosch, einen Drachen.

Blickt man länger auf eine Stelle, sieht man sie rennen, die Spinnen und Kellerasseln. Auf dem Teich harren die Wasserläufer zwischen dem blühenden Fieberklee, unter ihren Füssen zucken fingerlange Moderlieschen im Schwarm.

Es kreucht und fleucht und lebt, wohin man auch blickt. Das ist auch Rapolds Devise: Alle sollen etwas von ihrem Garten haben. «Früher gab es hier noch nicht einmal Vögel. Mit diesem Garten konnten wir der Natur etwas zurückgeben.»

Dass diese Gäste nicht immer nur im Sinne der Hobby-Gärtnerin handeln, zeigt der Blick auf die Buchsbaumhecken: Der Buchsbaumzünsler hat den Pflanzen im letzten Jahr arg zugesetzt.

Und auch die Mäuse haben Rapold nicht nur Freude gemacht: Vor zwei Jahren haben sie ihren ganzen Stolz, eine riesige, wunderschöne Pfingstrose, gefressen. Aber gegen Bösewichte gespritzt wird nicht, Rapold zählt auf natürliche Feinde. Selbst die Schnecken murkst sie nicht ab, sie trägt sie einfach in den Wald zurück.

Zwei bis drei Wochen in Verzug

Verena Rapold zeigt ihren Garten gern (siehe Box).

Offene Gartentürchen für Interessierte

Wer gerne selber durch den Garten von Verena Rapold schlendern möchte, kann dies an den Tagen der «Offenen Gärten 2013» am 8. und 9. Juni tun. An diesem Wochenende öffnen Hobbygärtner in der ganzen Schweiz ihre Gartentüren. Die Tage sollen dazu dienen, Anregungen für den eigenen Garten zu sammeln und die Gärten und die Natur zu geniessen. Organisiert wird der Anlass von den fünf grössten Gartenbauvereinen Bioterra, Gesellschaft Schweizerischer Rosenfreunde, Gesellschaft Schweizerischer Staudenfreunde, Pro Specie Rara, Verband der Deutschschweizer Gartenbauvereine sowie dem Verein Pro Igel. Die Gärten können auf Anfrage auch die ganze Gartensaison über besucht werden. Infos zu Adressen und Öffnungszeiten: www.offenergarten.ch (ksc)

«Es ist wichtig, den Leuten zu zeigen, wie nötig der Lebensraum für die ganz kleinen Tiere ist. Fehlen sie, wird es schwer, die Natur zur erhalten.» Den Besuchern gefalle es, dieses natürliche Durcheinander.

«Selber einen solchen Garten wollen aber die wenigsten haben», sagt sie und lacht. Es hätte ihnen dann doch zu viel Unkraut. «Dabei ist das gar kein Unkraut, das ist Wildkraut. Jede Pflanze hat ihren Nutzen.» Sie jäte nur, wenn eine der Pflanzen drohe, überhandzunehmen, eine andere zu ersticken.

Gerade jetzt explodiert das Leben im Garten. «Ich habe gedacht, es werde nie Frühling. Und jetzt spriesst alles gleichzeitig.» Rund zwei bis drei Wochen sei die Natur in Verzug, sagt sie und zeigt auf Pflänzchen mit weissen und gelben Köpfchen.

«Dass der Eisenhutblättrige Hahnenfuss und die Dotterblume gleichzeitig blühen, habe ich noch nie erlebt.» Aber eigentlich spielt das auch keine Rolle.

«Hauptsache, es blüht jetzt», sagt Verena Rapold und strahlt. Sie braucht ihren Garten, die Arbeit. «Es tut mir wahnsinnig gut. Wenn ich im Garten bin, geht es mir einfach besser.»

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