Baden/Wettingen
Einbrecher-Ring: Die zweifelhafte Rolle eines Schmuckhändlers

Der dritte Teil zum Badener Einbrecher-Ring beleuchtet die zweifelhafte Rolle eines Schmuckhändlers. Er kaufte den Einbrechern die gestohlene Ware ab.

Matthias Steimer
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Nach 24 Stunden erhielten die Einbrecher das Geld für die Ware. mst

Nach 24 Stunden erhielten die Einbrecher das Geld für die Ware. mst

Der Badener Einbrecherring hatte keine Mühe, die gestohlene Ware loszuwerden. Ein Wettinger Schmuckhändler kaufte laut der Staatsanwaltschaft den mutmasslichen Einbrechern die Ware ab. Gegen ihn läuft ein Verfahren. «Ja, wir haben ein Verfahren wegen Hehlerei eröffnet», bestätigt Elisabeth Strebel von der Staatsanwaltschaft Baden. Wahrscheinlich werde auch Anklage erhoben. Der beschuldigte Schweizer sass 48 Stunden in Untersuchungshaft.

Einbrecher-Ring (Serie 3/4)

Der Badener Einbrecher-Ring hielt die Region während zweier Jahre in Atem. Wie die Tatverdächtigen agierten, was die Opfer durchlebten, wer die gestohlene Ware kaufte und wie der Terror ein fast übernatürliches Ende fand - berührende und spannende Geschichten in der neuen az-Serie. In vier Teilen rollt sie eines der spektakulärsten regionalen Verbrechen der vergangenen Jahre auf. Der Einbrecher-Ring, der 28 Beschuldigte umfasst, erbeutete laut der Staatsanwaltschaft Baden Bargeld und Waren in Millionenhöhe. (mst)

Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft kaufte er dem Badener Einbrecher-Ring Schmuckstücke ab – dies über die gesamte Dauer des kriminellen Wirkens zwischen März 2010 und Februar 2012. Für Silberbesteck etwa konnte er sich zwar nicht begeistern, die meisten glänzenden Gegenstände gingen aber problemlos über den Ladentisch. Die Einbrecher machten schnelles Geld, wenn auch nicht den ganz grossen Batzen – der Schmuckhändler zahlte jeweils nur einen Bruchteil des eigentlichen Warenwertes.

Der Instinkt reicht nicht

Wusste der Ankäufer, was er tat? Gegenüber der Aargauer Zeitung will er zum laufenden Verfahren keine Stellung nehmen. Er gibt indes zu verstehen, dass er sich von der Polizei überrumpelt fühlte. Branchenkollegen wissen, wie schnell man auf professionelle Kriminelle reinfallen kann, dass selbst ein ausgeprägter Instinkt nicht vollends schützt. Entsprechend vorsichtig agiert beispielsweise Roger Loosli, Geschäftsführer des gleichnamigen Schmuckladens in Wettingen: «Wir kaufen nur Schmuck von Kunden, die wir kennen.» Entsprechend oft musste er schon «nein, danke» sagen.

Diese Worte wären auch für den Beschuldigten ratsam gewesen, ob er nun wissentlich oder unwissentlich gehandelt hat. Frappant: Er kauft offenbar nicht nur Waren von Kunden an, die er nicht kennt, sondern auch von solchen, mit denen es zu gar keinem direkten Kontakt kommt. Seinen Kunden ermöglicht er nämlich, Edelmetallgegenstände zusammen mit ihren Bankverbindungen per Post zu schicken. Das steht auf der Homepage des Bijoutiers. Sei der Kunde mit der folgenden Offerte – ob schriftlich oder telefonisch – einverstanden, sehe er das Geld innert 24 Stunden auf sein Konto überwiesen. Diese Praxis dürfte für Kriminelle einladend klingen. Wie der von der Staatsanwaltschaft dokumentierte Handel mit dem Einbrecher-Ring ablief, bleibt unklar.

Die allfällige Anklageerhebung gegen den mutmasslichen Hehler erfolgt voraussichtlich, sobald der Fall des Einbrecher-Rings gerichtlich abgeschlossen ist. Für den Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

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