Baden
Einbruch im Manor Baden: Polizei wurde 35 Minuten zu spät informiert

Beim Einbruch in der Badener Manor-Filiale wurde die Polizei über eine halbe Stunde zu spät alarmiert-obwohl der Posten der Stadtpolizei zwei Gehminuten vom Tatort entfernt liegt. Manor überprüft nun sein Sicherheitsdispositiv.

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Zerschlagen und leer: Schmuckvitrinen im Manor Erdgeschoss.

Zerschlagen und leer: Schmuckvitrinen im Manor Erdgeschoss.

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Ob man die Einbrecher hätte schnappen können, die in den frühen Morgenstunden des vergangenen Mittwochs im Manor reiche Beute gemacht haben (az vom 18. 4.), bleibe dahingestellt. Soviel ist klar: Am Alarmdispositiv von Manor Baden und womöglich weiteren Geschäften müssen Zweifel angebracht werden.

Wie die Aargauer Zeitung erfuhr, sind zwischen dem ausgelösten Einbruchalarm und der Alarmierung der Polizei 35 Minuten vergangen. Warum?

Alarmierung über Umwege

Kurz nach 4.30 Uhr verschafften sich die Einbrecher gewaltsam Zutritt in den Manor Baden. In diesem Moment schrillte der Alarm bei der Certas AG in Zürich, die für die Sicherheit von Manor Baden zuständig ist.

Statt umgehend die Polizeizentrale zu alarmieren, leitete die Certas gemäss Weisung den Einbruchalarm an die Einsatzzentrale der Securitas weiter, die ebenfalls Sitz in Zürich hat. Dort wurde, so bestätigte Roger Lamm, Leiter der Regionaldirektion, umgehend ein Mitarbeiter nach Baden geschickt, um die Situation zu erkunden.

Es dauerte mehr als eine halbe Stunde, bis der Securitas-Mitarbeiter am Tatort feststellte, dass ein Einbruch stattgefunden hatte.

Die Securitas informierte danach die Certas, die schliesslich um 5.08 Uhr die Polizeizentrale in Aarau alarmierte. «Vor Eingang dieser Meldung wusste die Polizei nichts von diesem Fall», hält Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei fest.

Die Einsatzzentrale, wo der Alarm von Sicherheitsfirmen eingeht, habe dennoch mehrere Patrouillen aufgeboten, um Ermittlungs- und Fahndungsmassnahmen einzuleiten, führt Graser aus. Doch gehe man in einem solchen Fall bei der Anfahrt keine Risiken mehr ein. Bis die Patrouillen der Mobilen Einsatzpolizei (Kapo) und der Stadtpolizei vor Ort waren, verstrich weitere Zeit.

Einbrecher bereits verschwunden

Der Posten der Stadtpolizei wäre nur zwei Gehminuten vom Tatort entfernt. Das sei nicht mehr relevant gewesen, weil die Einbrecher bereits wieder verschwunden seien, räumt Graser ein. Bei der Stadtpolizei, die bei Ladendiebstählen jeweils in zwei Minuten auf dem Platz ist und rund um die Uhr besetzt ist, herrscht Unverständnis über diesen Fall.

Auch bei der Kantonspolizei macht man Vorbehalte, wenn dies auch nur in wenigen Fällen so ablaufe. «Für uns ist es sehr frustrierend, wenn wir erst mit so viel Verzögerung am Einbruchort eintreffen», erklärt Graser.

Welche Alarmdispositive mit den Sicherheitsfirmen gewählt würden, sei Sache der Firmen und vor allem auch eine Kostenfrage, so Graser. «Wir können keine Auflagen machen, sondern nur beratend beistehen», sagt Graser.

Der Schaden bei Manor wird mit rund 500 000 Franken beziffert. Nebst dem gestohlenen Schmuck gab es erheblichen Schaden an Vitrinen und weiteren Schmuckwaren, die nicht mehr verkauft werden können.

«Wir werden das Sicherheitsdispositiv in Baden überprüfen und anpassen müssen», erklärt Elle Steinbrecher, Mediensprecherin bei Manor. Die Einbrecher seien danach im Raum Baldegg gesichtet worden, heisst es bei der Polizei. Doch fehlt von ihnen derzeit jede weitere Spur.