Bezirksgericht Baden
Einbrüche in fünf Kantonen: Drei Kriminaltouristen wandern ins Gefängnis

Ein 12-Jähriger schlug drei Kriminaltouristen aus Rumänien in die Flucht, dann wurden sie von der Polizei geschnappt. Das Bezirksgericht blieb nun hart: Die drei Männer müssen für einige Einbrüche Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren absitzen.

Sabina Galbiati
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Symbolbild: Polizei verhaftet Kriminaltouristen. zvg

Symbolbild: Polizei verhaftet Kriminaltouristen. zvg

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Anständig frisiert, in Hemd und Pullover schienen sie nicht weiter verdächtig. Doch die drei angeklagten Rumänen im Alter von 22, 25 und 27 Jahren gehören zu einem grösseren Ring von Kriminaltouristen, vermuten Gericht und Staatsanwaltschaft.

Februar 2013: Die Drei treffen sich im französischen Mulhouse, wo sie fortan im Billig-Hotel Formel 1 nächtigen. Von dort aus fahren sie mit einem Audi A4 über die Grenze in die Schweiz. Wahllos steuern sie Dörfer an. Zur Mittagszeit suchen sie sich ein Einfamilienhaus.

Der Fahrer hält in der Nähe, geht zum Haus, klingelt. Ist jemand zu Hause, gibt er vor, sich verfahren zu haben. Ist niemand da, schmeissen seine Kameraden mit einem Stein oder einem anderen Gegenstand eine Scheibe und dringen ins Haus ein. Sie stehlen Bargeld und Schmuck. Dann fahren sie zurück nach Mulhouse.

DNA, Zeugen und das Navigerät

Das allererste Mal schlugen sie in Würenlos zu. Deshalb ging der Fall ans Bezirksgericht Baden. Geschnappt wurden sie allerdings in Oberkulm. Hier war die Hausbesitzerin zu Hause. Weil ihr das Verhalten des Mannes an ihrer Tür verdächtig erschien, meldete sie den Zwischenfall umgehend der Polizei.

Indes versuchten die Drei ihr Glück bei einem anderen Haus. Niemand öffnete. Sie brachen ein. Plötzlich stand ein zwölfjähriger Junge vor ihnen. Sie flohen sofort, doch die Polizei war bereits in der Nachbarschaft und schnappte sie. Sie kamen in Untersuchungshaft.

Anhand von DNA-Spuren, Zeugenaussagen und den Routen im Navigationsgerät, das sie vom Tatort wieder nach Mulhouse führte, werden ihnen später neun Einbrüche zu Last gelegt. Sie hatten in den Kantonen Aargau, Luzern, Bern, Zürich und Nidwalden gewütet.

Die Anklage: «gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl, mehrfache Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruch». Die Staatsanwaltschaft beantragte Haftstrafen zwischen zweieinhalb und vier Jahren. Der Staatsanwalt sprach sich zudem dafür aus, an den drei Angeklagten ein Exempel für andere Kriminaltouristen zu statuieren.

Die Verteidiger der Angeklagten wiesen das Gericht darauf hin, dass man nicht um des Exempels willen eine hohe Haftstrafe verhängen könne. Weiter hätten die Angeklagten den Kontakt mit den Bewohnern vermieden; hätten keine Elektrogeräte gestohlen und die Taten nicht im Voraus geplant. Das spreche für eine mildere Strafe, weil die Drei unprofessionell ans Werk gegangen seien.

Die drei Rumänen gestanden sämtliche Taten und entschuldigten sich dafür. Sie baten darum, die beantragten Haftstrafen zu senken. In Rumänien hätten sie Familien und Kinder, die auf sie warten. Zudem hätte ihnen die siebenmonatige Untersuchungshaft zu schaffen gemacht und sie hätten daraus gelernt.

Via Gefängnis nach Rumänien

Das Gericht blieb hart: Weder von der unschuldigen Miene noch der vorgeschobenen Familie liessen sich die Richter beeindrucken. Sie sprachen alle drei schuldig. Weil sie absichtlich und nur für die Einbrüche in die Schweiz gekommen seien, sei es durchaus zulässig, ein Exempel zu statuieren, liess das Gericht verlauten.

Die Strafen fielen hart, aber nicht so hart wie beantragt aus: Das Gericht verhängte Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren teilbedingt und Einreisesperren in die Schweiz. Die bisher abgesessenen Hafttage werden ihnen angerechnet. Sobald sie aus dem Gefängnis kommen, werden sie nach Rumänien zurückgeschafft.