Sunrise gab gestern Donnerstag bekannt, dass Ende März rund 150 Schweizer Städte und Orte mit der neuen Mobilfunktechnologie 5G erschlossen werden. Vorerst konzentriert sich das Telekomunternehmen auf ländliche und suburbane Gebiete – die Stadt und der Bezirk Baden sind in einer auf der Website des Unternehmens aufgeschalteten Karte nicht als 5G-Standorte aufgeführt. Jedoch hat das Unternehmen auch in Baden bereits eine Antenne der neusten Generation aufgestellt, wobei die 5G-Technologie wohl noch nicht verwendet wird. Interessant: Stadt und Eigentümer der Liegenschaft, auf der die Antenne steht, wussten davon nichts.

Anfang Februar meldete sich ein AZ-Leser mit den Hinweis, auf dem Dach der Liegenschaft an der Stadtturmstrasse 8 und 10 hinter dem Bahnhof stehe eine Mobilfunkanlage, bei der es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um eine 5G-Antenne handle. 

«5G-fähig, aber nicht in Betrieb»

Während Swisscom und Salt verneinen, dass ihnen die Anlage gehöre, hält sich Sunrise auf Anfrage zuerst bedeckt; es handle sich um eine wettbewerbsrelevante Information. Auch das Bundesamt für Kommunikation, das alle Standorte für Mobilfunkantennen aufführt, kann nicht weiterhelfen.

Für Klarheit sorgt erst die Abteilung für Nichtionisierende Strahlung beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau: Die Antenne gehöre der Sunrise Communications, sie werde auch von dieser Firma betrieben. Und: «Es handelt sich um einen Antennentyp der neusten Generation. Diese neuen Antennentypen können unterschiedliche Mobilfunktechnologien wie UMTS, LTE sowie auch 5G verarbeiten.» Derzeit werde die Antenne aber nicht für die 5G-Technologie verwendet, sagt ein Fachspezialist des Kantons. Hierfür bräuchte es ein ordentliches Baubewilligungsverfahren.

Hans-Ulrich Jakob, Präsident von «Gigaherz», der Schweizerischen Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener, ist sich sicher: «Es handelt sich zu 100 Prozent um eine 5G-Antenne.» Ob die 5G-Technologie tatsächlich noch nicht verwendet werde, wäre nur mit aufwendigen Messungen festzustellen. «Ich gehe aber davon aus, dass sie für Testzwecke eingeschaltet ist», sagt Hans-Ulrich Jakob.

Auf erneute Anfrage, welche Technologie mit der neuen Antenne bei der Badener Stadtturmstrasse betrieben werde, lautet die Antwort von Sunrise: «Generell können wir sagen, dass wir beim Neubau einer Anlage oder bei der Modernisierung von bestehenden Anlagen grundsätzlich darauf achten, dass wir diese künftig ebenfalls für 5G nutzen können, sofern dies aufgrund der geltenden Mobilfunkgrenzwerte möglich ist. Die Grenzwerte werden – wie immer – auf jeden Fall eingehalten.»

Die Liegenschaft an der Stadtturmstrasse, auf der die Antenne steht, gehört der Avadis Anlagestiftung. «Von einer allfälligen Umrüstung auf 5G haben wir keine Kenntnis», teilt der Medienverantwortliche mit. Für die Antennenanlage auf dem Gebäude habe Sunrise beziehungsweise die Swiss Towers AG einen seit dem Jahr 2002 gültigen Mietvertrag. «Die Mieterin hat jederzeit Zutritt zu den Anlagen und das Recht, eine zweckdienliche Fernmeldeanlage einzurichten.»

«Die Wirkung von 5G auf Menschen ist unbekannt»

«Die Wirkung von 5G auf Menschen ist unbekannt»

Die Schweizer Wirtschaft drängt auf die Einführung des neuen 5G-Mobilfunkstandards. Die Gegner sprechen von einem Frontalangriff auf die Gesundheit. Im Talk von TeleM1 wurden Pro und Contra des neuen 5G-Mobillfunkstandards erörtert. (14. Februar 2019)

Laut Hans-Ulrich Jakob wissen die Gemeinden oft nicht, dass auf ihrem Gebiet moderne Mobilfunkanlagen stehen. In der Tat hatte auch die Stadt Baden «keine Kenntnis davon, dass eine bereits bestehende, rechtmässig bewilligte Antenne durch eine neue der neusten Generation ersetzt wurde, obschon die Baubewilligung der Mobilfunkantennen in unserer Zuständigkeit liegt», sagt Hugo Aerni von der städtischen Abteilung Planung und Bau. Erst ein Gespräch mit dem Kanton Aargau habe zutage gebracht, dass die Mobilfunkbetreiber in sogenannten Bagatellverfahren bestehende Antennen ersetzen könnten.

Dazu heisst es beim Kanton, die Bewilligung von Mobilfunkantennen liege bei den Gemeinden beziehungsweise Städten. «Wird jedoch eine Antenne beispielsweise wegen eines Defektes ersetzt, kann dies im Rahmen eines sogenannten Bagatellverfahrens abgewickelt werden. Wenn uns die Betreiber nachweisen, dass die ursprünglich bewilligte Feldstärke gleich oder kleiner bleibe, werden Antennen der neusten Generation bewilligt.»

Weitere moderne Antennen

Hugo Aerni von der städtischen Abteilung Planung und Bau sagt, womöglich könnten in Baden bald die nächsten Antennen des modernsten Typs aufgestellt werden: «Kürzlich wurden bewilligungspflichtige Umbauten an bestehenden Antennen mit ordentlichen Baubewilligungsverfahren durchgeführt, zum Beispiel an der Zürcherstrasse oder beim Bahnhof auf dem Postgebäude.» Bewilligt worden seien Antennen der neusten Technologie, weswegen davon auszugehen sei, dass ebenfalls 5G-fähige Antennen aufgestellt werden.