Baden
Eine blaue Kiste schützt die Randständigen vor Kälte

Als Pilotprojekt betreiben das Hilfswerk Hope und die Stadt Baden einen Container. Der Container soll jenen Menschen einen Aufenthaltsort bieten, die sonst im Regen stehen.

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Der beheizte Container in Baden

Der beheizte Container in Baden

Die blaue Kiste ist eine gute Sache. Das sagen Roland und Peter*. Sie treffen sich jeweils in der Stadt und trinken ein paar Bier zusammen. Im Restaurant wäre das zu teuer, deshalb trinken sie draussen. Im Winter ist es aber kalt.

Die Stadt Baden hat deshalb als Pilotprojekt einen beheizten Container aufgestellt, wo Menschen wie Roland und Peter hinkönnen. «Das war eine gute Idee», sagt Roland. Peter sagt, jeder Mensch habe das Recht, sich unter die Menschen zu begeben, sich dort mit seinen Freunden zu treffen, und jeder Mensch habe auch das Recht, dort sein Bier zu trinken. «Früher trafen wir uns im Metroshop, und das kam bei den Ladenbesitzern nicht so gut an», so Peter. Das habe er auch verstehen können.

«Aber wir brauchten einen Ort, wo wir vor Kälte und Regen geschützt sind», sagt Roland. Der Container sei die Lösung – der habe eine Heizung mit einer Schaltuhr und nach einer Stunde stelle die Heizung von selber ab. Im Container können sich Roland und Peter ungestört mit ihren Freunden treffen.

«Die Benutzer haben Verantwortung»

Daniela Fleischmann vom Hilfswerk Hope begleitet das Projekt mit der Stadt Baden. Fleischmann: «Das Interessante an diesem Projekt ist, dass die Benutzer des Containers Verantwortung haben.» Sie würden selber den Boden wischen und aufräumen. «So werden sie ernst genommen», sagt Fleischmann. Die Tatsache, dass für sie ein Aufenthaltsort geschaffen werde, gebe ihnen das Gefühl, akzeptiert und wahrgenommen zu werden.

Auch für Stadträtin Daniela Oehrli ist das Pilotprojekt ein Erfolg. Allerdings sei der Container ein bisschen zu klein. «Die Hauptidee für den nächsten Winter ist, dass die Grösse angepasst wird», so Oehrli. Anfang April werde sie mit allen Involvierten eine Folgelösung anschauen. Oehrli: «Wir werden etwas suchen, was attraktiver wirkt.»

Kein Hingucker

Auch Roland sagt, optisch sei der Container kein Hingucker. «Aber nächsten Winter haben wir vielleicht einen Unterstand aus Holz.» Beim Aufbau werde er helfen, falls es nötig sei.

Dass er und seine Freunde Eigeninitiative zeigen, ist für Roland selbstverständlich. Er sagt: «Eigentlich sind wir Luxuspenner. Jeder von uns hat eine Wohnung, einige haben ein Haustier, wir haben IV-Renten oder bekommen Geld vom Sozialamt.» Eigentlich gehe es ihnen gut. Auch Baden könne sich nicht beklagen – es gebe hier keine Obdachlosen-Szene wie in anderen Städten.

*Namen von der Redaktion geändert

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