Baden
Eine Braut mit mehr Mitgift: Eine Fusion mit Ennetbaden, warum nicht?

Auch Badens damalige Gegner von Neuenhof könnten sich eine Fusion mit Ennetbaden gut vorstellen. Die Steuersituation ist besser, der Ausländeranteil tiefer und die Infrastrukturen moderner.

Roman Huber
Drucken
Teilen
Ennetbaden vom Badener Bahnhofplatz aus gesehen.

Ennetbaden vom Badener Bahnhofplatz aus gesehen.

Daniel Vizentini

Der 13. Juni 2010 hatte die Region bewegt: Neuenhof stimmte mit 1416 Ja gegen 105 einem Zusammenschluss mit der Stadt Baden zu, während Badens Stimmvolk mit 2443 Nein zu 2396 Ja wider alle Erwartungen Neuenhof als Braut abwies.

In einigen Gemeinden hatte man sich damals bereits Gedanken gemacht über eine mögliche Entwicklung in Richtung Grossgemeinde in der Region Baden-Wettingen. Diese Pläne wurden auf einen Schlag begraben.

Nun hat der Ennetbadener Gemeinderat das Dossier wieder hervorgenommen und lässt die Gemeindeversammlung nächsten Donnerstag darüber abstimmen, ob eine Fusion mit Baden geprüft werden soll.

Wenn auch prüfen nicht gleich fusionieren heisst, so würde ein Ja in Ennetbaden doch einer Willensäusserung gleichkommen, den Zusammenschluss in die Wege zu leiten. Umso gespannter könnte man darum ennet der Limmat darauf sein, wie denn der mögliche Partner darüber denkt.

Es ist jener Partner, dessen Stimmvolk vor vier Jahren einen Zusammenschluss ablehnte, obschon der Einwohnerrat klar dahinter gestanden hatte. Doch Neuenhof ist nicht Ennetbaden. Damals sagten Kritiker des Zusammenschlusses, dass sie lieber eine Fusion mit einem andern Partner, nämlich mit Ennetbaden, gesehen hätten.

Finanztechnisch wäre Ennetbaden die attraktivere Braut. Es herrscht dort keine Notlage. Weder die Finanzen noch der Zustand der Infrastrukturen würden eine Fusion notwendig machen. Und der Steuerfuss ist mit 100 Prozent lediglich fünf Prozent höher als derjenige in Baden.

Die Gemeinde könnte einen Alleingang längerfristig bewältigen. Die Steuerkraft ist einiges höher als in Neuenhof, der Ausländeranteil einiges tiefer. Was bei Neuenhof kritisiert wurde, stimmt bei Ennetbaden. Nebst der funktionierenden Kooperation, welche die beiden Gemeinden in rund zwei Dutzend Bereichen bereits verbindet, der Lage am Fluss und den Thermen ist sich die Bevölkerung im Abstimmungsverhalten ähnlich. Beide sagten Ja zu den vier Bildungskleeblättern, und als jüngstes Beispiel lehnten beide die Masseneinwanderungsinitiative deutlich ab.

Wie aber sähen die Gegner der Fusion mit Neuenhof nun und heute einen Zusammenschluss mit Ennetbaden? Marc Arnold, Vizepräsident der SVP Baden, kämpfte damals an vorderster Front gegen die Fusion mit Neuenhof.

Ennetbaden ist für ihn ganz klar ein anderer Fall: «Aus meiner Sicht steht die Gemeinde finanziell auf gesunden Beinen. Und historisch gesehen gehörte Ennetbaden bis zum Jahre 1819 ja bereits zu Baden. Ohne die genauen Details zu kennen, wäre ich heute einer Fusion gegenüber sicher nicht abgeneigt», sagt Arnold.

Er sieht nur einen möglichen Negativpunkt: «Die Gemeinde Baden würde nach einer Fusion politisch wohl noch weiter nach links rücken.»

Ennetbaden sei steuertechnisch einiges besser aufgestellt als Neuenhof, sagt auch SVP-Präsident Serge Demuth. Er möchte aber im jetzigen Zeitpunkt den Ennetbadenern nicht dreinreden.

Für Ueli Kohler, alt SVP-Grossrat und -Einwohnerrat, ist die Situation eine ganze andere als bei Neuenhof. Darum könne er sich einen Zusammenschluss von Baden und Ennetbaden sehr gut vorstellen. Klar positiv äussern sich diejenigen Badener, die bereits zu Neuenhof Ja sagten. Sie sehen in einer Fusion mit Ennetbaden vor allem Vorteile. Die Prüfung von Gemeindezusammenschlüssen steht auch in der Agenda des Stadtrates.

Aktuelle Nachrichten