Fälle von betrügerischen Spendensammlern sind nichts neues. In der Region scheinen sich diese Fälle jedoch zu häufen. Vor zwei Wochen war an der Bahnhofstrasse in Brugg ein rund 30-jähriger Mann mit einer Schwarz-Weiss-Kopie eines schludrig gefälschten Spendenformulars unterwegs. Er gab sich als Gehörloser aus, sprach Passanten an und verlangte Spenden in Form von Bargeld.

Dasselbe geschah letzten Freitag gegen Mittag an der Badstrasse in Baden. Und am Freitagabend gegen 18 Uhr waren drei solche Männer in Birmenstorf unterwegs. Dort hielt ein um die 20 Jahre alter Mann die Passantin Monica Frei* und ihren Ehemann beim Dorfbrunnen an und zeigte ihnen das falsche Spendenformular. «Er machte auf mich einen kuriosen Eindruck. Er hatte Jeans an, ein rotes T-Shirt, Piloten-Sonnenbrille, kurzes, aufgestelltes Haar, brauner Teint», erzählt Monika Frei. Ihr Mann habe bereits unterschreiben wollen – da stiess sie dazwischen. «Als ich nach einem Ausweis fragte, machte der Mann Zeichen, als ob er taubstumm sei.»

Der junge Mann lief davon, Frei hingegen blieb beim Dorfbrunnen und beobachtete ihn. «Kurz darauf sah ich, wie sich der Junge mit zwei anderen, ähnlich aussehenden Männern traf – und rege mit ihnen diskutierte.» Frei nahm ihr Telefon und wählte die Polizeinotrufnummer 117. «Die drei schauten immer wieder zu mir herüber und sahen, dass ich am Telefonieren war.» Dann hätten sie die Flucht ergriffen. «Sie warfen zwei dieser Spendenlisten in einen Kellerfensterschacht, stiegen in ein Auto, bogen auf der Hauptstrasse in Richtung Baden ab und fuhren davon.» Frei notierte das französische Kennzeichen des Autos und leitete es weiter an die Polizei.

Einige fallen auf den Trick rein

Frei sammelte die von den Männern weggeworfenen Spenderlisten ein. Die ersten drei Unterschriften scheinen klar gefälscht. Auf den Zeilen darunter hingegen befinden sich Einträge, die echt scheinen. Spender aus Herznach, Thalheim, Safenwil, Würenlos, Neuenhof, Fislisbach und Effingen haben gemäss dem Formular insgesamt 115 Franken gegeben.

Zusammenhang mit Einbruchserie

Gemäss Martin Zulauf, Kommandant der Stadtpolizei Baden, hätten sich solche Fälle klar gehäuft. Zurzeit seien sie sogar an der Tagesordnung, nicht nur in Baden sondern auch in kleineren Gemeinden wie Obersiggenthal oder eben Birmenstorf. Zulauf sieht einen Zusammenhang mit den zahlreichen Einbrüchen vom vergangenen Wochenende. «Wir hatten am Freitag gleich mehrere Einbrüche in Birmenstorf», sagt er.

Auch die Regionalpolizei Brugg hat oft mit falschen Spendensammler zu tun. Wenn man sie erwischt, werden sie gemäss Polizeichef Heiner Hossli als illegale Bettler abgehandelt und mit einer Busse bestraft.

Problem in der ganzen Schweiz

Es gibt kaum eine Schweizer Stadt, die nicht über solche Fälle von Spendensammlern mit ähnlichen oder denselben gefälschten Formularen berichten könnte. So auch in der Romandie, wo die Formulare analog zur deutschsprachigen Version in ähnlich schlechtem Französisch daherkommen.

Für die real existierenden, seriösen Hilfeorganisationen, sind die missbrauchten Logos ein Problem. Gemäss Olivia Maillot, Pressesprecherin von Handicap International, habe die Organisation in mehreren Städten Anzeige gegen unbekannt erstattet. «In Genf sind unsere Logos seither von diesen Formularen verschwunden», sagt sie. In Birmenstorf war das Logo aber noch zu sehen.

Auch die Oltner Organisation Procap hat Anzeige erstattet – mit Erfolg. Sie seien keinen Formularen mit ihrem Logo mehr begegnet. «Die Betrüger haben irgendwie reagiert. Es ist gut möglich, dass diese falschen Gehörlosen grossräumig organisiert sind», sagt Pressesprecher Bruno Schmucki.

* Name geändert