Eine Meile sind umgerechnet gut 1609 Meter. Die Wettinger Kulturmeile im Dorfkern ist kaum halb so lang. Und doch finden sich dort zwei Ateliers, ein Museum, ein Figurentheater und Ausstellungen. Diese Dichte an Kultur, nur wenige Schritte von der geschäftig brummenden Landstrasse entfernt, ist so aussergewöhnlich, dass sie am Wochenende gefeiert wurde.

Mögen viele Erwachsene das Museum Eduard Spörri, die eine oder andere Ausstellung im Gluri Suter Huus schon ein oder mehrere Male besucht haben – für Kinder war das Fest vor allem eine Entdeckungsreise, auf der nicht nur richtig gut hinschauen, sondern auch kluge Köpfchen und zeichnerisches Talent gefragt waren. Denn die Organisatoren hatten ein Büchlein geschaffen, das nicht nur interessante Informationen zu jedem der kulturellen Meilen-Steine enthielt, sondern auch knifflige Fragen und Aufgaben, die den Spaziergang auf Bifang- und Dorfstrasse zu einem kreativen Rundgang machten.

«Wie viele Figuren zählst du?»

Aus dem Kamin von «Tausendsassa» Cesco Peters Atelier stieg Rauch in den herbstblauen Himmel, als drin seine Werke sehr genau unter die Lupe genommen wurden. Galt es doch, die Frage, «Wie viele Figuren zählst du?», zu beantworten. Im Räumchen vor dem Figurentheater im Gluri Suter Keller machten der 11-jährige Sato und sein 6-jähriger Bruder Nao sich daran, die Figur zu zeichnen, die ihnen am besten gefiel. Der 10-jährige Jan hingegen mochte weder raten noch zeichnen, also umarmte er im Atelier von Bildhauer Walter Huser kurzerhand liebevoll den Kopf einer ausdrucksstarken liegenden Frau in Bronze.

Während im Museum nebst Spörris wunderbaren Skulpturen und Zeichnungen respektvoll auch sein Jagdgewehr und die Wildschwein-Trophäe bestaunt wurden, begegnete man im Ausstellungsraum vom Kultursekretariat bekannten Persönlichkeiten wie Clown Dimitri oder den Schriftstellern Peter Bichsel und Pedro Lenz. Leibhaftig waren sie zwar nicht anwesend, wohl aber porträtiert von der 89-jährigen Wettingerin Margrith Gianolio. Deren Tochter, die Malerin Vera Käufeler, war ebenfalls mit Porträts, allerdings von eher Unbekannten, präsent.

Im Dachgeschoss vom Gluri Suter Huus wurden die Videoinstallationen der Basler Künstler Christine Camenisch und Johannes Vetsch still und anerkennend bestaunt. In der Etage darunter ging es derweil kunterbunt und lauter zu und her: Im Kindergarten sorgten die von Buben und Mädchen aus Abfallprodukten gestalteten Stabpuppen ebenso für grosse Aufmerksamkeit, wie die schon etwas grösseren Künstlerinnen und Künstler, die unter Leitung von Barbara Winzer vor Ort lustige Papierfiguren schufen.

Wer vom Entdecken, Staunen und Bewundern hungrig und durstig war, konnte sich im Catering-Zelt mit Tranksame, Beinschinken und Kartoffelsalat, Kaffee und Rüeblikuchen für die Fortsetzung der kulturellen Tour stärken.