Sie stammen aus Berlin und nennen sich Pyromantiker. Der Name ist für Marlis Hirche, Oliver Dassing, Kraut Hills und Thomas Schmidt Programm: Sie lassen die Tradition der Feuerwerkskunst, wie sie zwischen dem 16. Und 18. Jahrhundert kultiviert wurde, aufleben. Wie kann man sich das vorstellen?

Nun, damals waren die am Theater orientierte Gestaltung und die Bühnenaufbauten ganz wichtig. Phantastische Kulissen, mystische Gestalten und Theaterbühnen wurden errichtet, um den Hintergrund der Pyrotechnik darzustellen. Mit einem Wort: Die Verquickung von Theater, Pyrotechnik und Musik wurde zu einem Gesamtkunstwerk. Kein Wunder, sah das Publikum im Kurpark Ungewohntes: Eine Abfolge von Szenen und Feuerwerken, die nichts mit denen der Gegenwart zu tun haben.

Als Regisseur in barockem Kostüm und wallender Perücke wirkte François Tourbillon (Oliver Dassing). Er zeigte sich anfänglich leicht enttäuscht. «Man hat mir einen Schlossplatz versprochen, aber jetzt sehe ich mich im Kurpark einem Casino gegenüber.» Prompt konterte Fräulein Marga Baröckchen (Marlis Hirche): «Ja, aber mit diesem Geld können wir ganz Versailles kaufen.»

Die witzige Anspielung auf die örtlichen Gegebenheiten kam beim Publikum gut an. Nachdem Tourbillon seine Flasche mit Schwarzpulver rundum gezeigt hatte, ging das Spektakel mit prachtvollen Kostümen, auffallenden Requisiten wie Riesen-Giraffen und Liebes-Karussell los ... «Versailles reloaded» betiteln die Pyromantiker ihr barockes Lustfeuerwerk, das nach 60 Minuten zu Ende ging - für manche viel zu früh.