Fluten
Eine Flutwelle wie in Australien droht dem Limmattal nicht

Der Kanton hat auch für das Limmattal eine Hochwasser-Gefahrenkarte erstellt. Diese zeigt, wo risikolos gebaut werden kann und wo sich allenfalls Schutzmassnahmen empfehlen.

Martin Rupf
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2005 überschwemmte ein Hochwasser die alte Spinnerei auf der Klosterhalbinsel in Wettingen. zvg

2005 überschwemmte ein Hochwasser die alte Spinnerei auf der Klosterhalbinsel in Wettingen. zvg

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Das Thema könnte aktueller nicht sein: Seit Tagen erreichen uns aus Deutschland und Australien Bilder von Überschwemmungen. Erst vor wenigen Tagen hat eine Flutwelle die Millionenstadt Brisbane an der Ostküste Australiens heimgesucht.

«Eine solche Flutwelle droht dem Limmattal nicht» beruhigt Martin Tschannen, vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Tschannen zeichnet als Projektleiter für die Gefahrenkarten verantwortlich. Bis Mitte 2011 werde man den ganzen Kanton Aargau erfasst haben, stellt Tschannen in Aussicht. Damit kommt man dem Bund zuvor, der dies von allen Kantonen bis Ende Jahr verlangt.

Ziel der Gefahrenkarte ist es, aufzuzeigen, wie gross das Risiko eines hundertjährlichen Hochwassers für ein bestimmtes Gebiet ist. Fazit für das Limmattal: «Das Limmattal ist nicht mehr gefährdet als andere Regionen», sagt Tschannen. Eine Gefahr gehe ohnehin weniger von der Limmat als von deren zahlreichen Nebenbächen aus.

Ein Hochwasser in der Region? «Der Mensch vergisst sehr schnell», gibt Tschannen zu bedenken. Dabei würden die letzten zwei grossen Hochwasser nur gerade vier beziehungsweisesechsJahre zurückliegen.

Gebäudeversicherung auch beteiligt

Finanziert wird das Gefahrenkarten-Projekt neben Bund und Kanton auch von der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV). Wie in 19 anderen Kantonen ist eine Gebäudeversicherung im Aargau obligatorisch. Versichert ist man gegen Brand und Elementarschäden wie Hochwasser, Sturm- und Hagelschäden oder Erdrutsche.

«Dank der Gefahrenkarte hat man bei einem Neu- oder Umbau eine Handhabe, ob, und wenn ja, wie gebaut werden soll», sagt Georges Brandenberg, AGV-Fachspezialist für Elementarschadenprävention. Brandenberg weist aber darauf hin: «Mehr als die Hälfte aller Schäden sind nicht auf Hochwasser zurückzuführen, sondern auf Oberflächenwasser.» Dabei handle es sich um Wasser, das sich etwa an einem Hang aufstaut. «Nicht selten wird dabei ein Haus von hinten mit Wasser aufgefüllt», sagt Brandenberg. In die Gefahrenkarte habe man deshalb zusätzlich auch die Gefährdung durch Oberflächenwasser aufgenommen.

So kann das Haus geschützt werden

Die Gefahrenkarte Hochwasser komme bei Artikel 52 des kantonalen Baugesetzes zum Zug, wonach Neubauten sicher vor Naturgefahren gebaut werden müssten, erklärt Brandenberg. Bei bestehenden Gebäuden gelte natürlich Besitzstandgarantie. «Doch es liegt im Interesse der Eigentümer, sich gegen Hochwasserschäden zu schützen.» Zu denken sei dabei vor allem an Objektschutz in Form
erhöhter Lichtschächte, Kleindämme oder einer erhöhten Rampe zum Haus. Es sei ein Problem, dass in vielen modernen Häuser die Türen und Fenster bis zum Boden gingen. «Das ist zwar bequem für die Bewohner, aber ebenso bequem für das Wasser», sagt Tschannen.

«Es gibt aber auch Häuser, die nicht effizient gegen Hochwasser geschützt werden können», ergänzt Brandenberg. In solchen Fällen empfehle sich, das eindringende Wasser hinzunehmen, dafür aber Vorkehrungen zu treffen. «Es hilft schon, den Keller mit Plättli auszulegen und die wichtigen Apparaturen so hoch anzubringen, dass sie bei Hochwasser trocken bleiben», so Brandenberg.

Hochwasser gar nicht erst zulassen

Zusätzlich zur Gefahrenkarte wird auch eine Schutzdefizitkarte erstellt. «Aus der Gefahrenkarte wird ersichtlich, mit wie hohen Wasserständen man rechnen muss. Die Schutzdefizitkarte zeigt auf, wo bei einem Neu- oder Umbau zusätzliche Schutzmassnahmen erforderlich sind», sagt Tschannen.

Neben der Erstellung der Gefahrenkarte gehe es auch darum, Massnahmen an Gewässern zu ergreifen, damit ein Hochwasser nicht zu Schaden führen kann, erklärt Tschannen. Es gebe prinzipiell zwei Möglichkeiten. «Entweder das Wasser aufzuhalten oder durchfliessen zu lassen. Mit Letzterem wird das Problem aber lediglich nach Holland verlagert», sagt Tschannen lachend. Etwas ernster: «Die Gefahrenkarte ist ein sehr gutes Instrument für die Planung von Schutzmassnahmen; doch absolute Sicherheit wird es nie geben.»

Info-Anlass Gefahrenkarte Limmattal. Heute um 19.30 Uhr im Amtshimmel, Rathausgasse, Baden.

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