Baden
Eine frisierte FDP-Grafik bringt Grüne in Rage

Die Freisinnige Stadtpartei gesteht den Fehler ein: Ihre Wahlpropaganda enthält eine falsche «Liberalitäts-Statistik».

Roman Huber
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Nachdem die FDP beim jüngsten Wahlbarometer erneut schlecht abgeschnitten hatte, kündigte Kantonalpräsident Thierry Burkart an, dass man jetzt einen Zacken zulegen werde. Das hat die Stadtpartei getan und wie immer eine Wahlzeitung an alle Badener Haushaltungen verschickt. Dabei unterlief den Verantwortlichen jedoch ein für die Grünen unverzeihlicher Fehler.

Wer sind die Liberalsten im Land?

Der FDP-Vorstand bediente sich einer Statistik, die am 14. August in der «NZZ am Sonntag» erschienen war. Politologe Michael Hermann hatte anhand von 500 Abstimmungen im Nationalrat ein Liberalitäts-Rating durchgeführt. Dieses gab im Bereich Wirtschaft der FDP klar die meisten Punkte, während die GPS (Grünen) am Schluss figurierte. Anders bei der gesellschaftlichen Liberalität: Hier kam die GPS auf den vordersten Platz, knapp vor der FDP.

Was ist nun geschehen? Die Redaktion bemerkte nicht, dass auf dem Wahlprospekt unter dem Titel «Nur das Original ist liberal!» die Wirtschafts-Grafik zweimal hinein gelangte, während die Gesellschafts-Grafik verloren ging.

Grüne Badener kochen

Eigentlich richtete sich die Statistik in der «NZZ am Sonntag» eher gegen die Grünliberalen. Doch mit der doppelten Wiedergabe der Wirtschafts-Statistik, bei der die FDP zuvorderst rangiert, wurden die Grünen um ihren Spitzenplatz betrogen. Die geharnischte Reaktion der Grünen blieb nicht aus.

«Ich bin über die Dreistheit, solche Falschinformationen zu verbreiten, schockiert», erklärte ein in Rage geratener Jonas Fricker, Nationalratskandidat der Grünen. Er könne sich nicht vorstellen, dass so etwas erfahrenen Politstrategen wie Lukas Breunig (Fraktionschef der FDP) oder Matthias Bernhard (Parteipräsident) versehentlich unterlaufen könne. Er sei enttäuscht von der FDP und wundere sich nicht, dass die Bevölkerung der Wirtschaftspartei immer weniger vertraue.

«Es liegt uns fern, Fehlinformationen zu verbreiten», erklärt Matthias Bernhard, der den Fehler eingesteht. Er entschuldigt sich für die Aufregung, die entstanden sei. Bei der Umrechnung des Ratingwertes ins Balkendiagramm seien die Grafiken vertauscht worden, erklärt der Präsident.

Nicht nur falsche Grafik erwischt

Bei der FDP fühlt man sich immerhin geehrt: Die Wahlbroschüre werde offenbar gut gelesen, dass ein solcher Fehler beim Studium sofort entdeckt würde. Allerdings ist auf der Broschüre nicht nur die Grafik vertauscht worden. In der Interpretation steht nämlich, dass das Ergebnis der Studie deutlich sei: «In beiden Bereichen, sowohl Wirtschaftsliberalität als auch Gesellschaftsliberalität, ist die FDP klare Siegerin. Die Ranglisten benötigen keine weiteren Worte».

Zur Ehrenrettung der Badener Liberalen kann immerhin gesagt werden: In der Studie «Wirtschaftsliberalität haben die FDP-Nationalratsmitglieder die ersten 21 Plätze besetzt; bei der Gesellschaftsliberalität haben es nebst Freisinnigen nur zwei Grüne, darunter der Badener Geri Müller, unter die ersten 10 geschafft.